Bundesliga vor Saisonstart
BVB startbereit, HSV verwundbar - Die Liga im Formcheck
Bayern, Dortmund und Nürnberg sind schon gut in Form. Augsburg hat den größten Aufholbedarf. Der HSV sucht noch nach dem Rhythmus.
Während der Dortmunder Shinji Kagawa (l.) in der Vorbereitung glänzte, hatte HSV-Kapitän Heiko Westermann zuletzt große Probleme
Foto: dpa/witters
Hamburg. Vor dem Start der neuen Saison der Fußball-Bundesliga gibt abendblatt.de einen Überblick über die Verfassung der 18 Mannschaften. Im Formcheck werden Stärken und Schwächen der Vereine zum Ende der sechswöchigen Vorbereitungszeit analysiert und bewertet.
Borussia Dortmund: Das Dortmunder Spiel ist mit Shinji Kagawa und Mario Götze variabel und kreativ wie in der vergangenen Saison. Ilkay Gündogan kann ein Ersatz für Nuri Sahin sein. Große Schwäche beim Meister: die Chancenauswertung. Aber das souveräne Auftreten und das Defensivverhalten mit der bärenstarken Innenverteidigung können das kompensieren. Ein Problem könnte die Verletzung von Lucas Barrios werden. Der Torjäger fehlt sechs Wochen. Urteil: Dortmund ist trotz der Barrios-Blessur absolut startbereit.
Bayer Leverkusen: Trainer Robin Dutt will den Vizemeister weiter nach vorne bringen. Das Personal dazu hat er, allerdings auch ein Torwartproblem nach der Verletzung von Rene Adler. Die Abwehr wirkt noch wacklig, zudem kann die Personalie Michael Ballack langfristig zu kontroversen Debatten führen. Offensiv überzeugt Bayer. Urteil: Noch verbesserungswürdig auf hohem Niveau.
Bayern München: Die Mannschaft ist unter Trainer Jupp Heynckes noch dabei, sich zu finden. Die Abwehr scheint nach der Verpflichtung von Manuel Neuer, Jerome Boateng und Rafinha auf einem besseren Weg als in der schwachen Vorsaison. Beim kreativen Offensivspiel gab es beim Pokal-Erfolg in Braunschweig Probleme. Urteil: Noch Steigerungspotenzial.
Hannover 96: Die Mannschaft zeigte sich beim 6:0 im DFB-Pokal gegen den Fünftligisten Anker Wismar für den Ligastart gewappnet. Da besonders das Sturmduo Jan Schlaudraff und Mohammed Abdellaoue überzeugte, sind wohl auch die Verletzungsprobleme von Didier Ya Konan zu verkraften. Abzuwarten bleibt, ob 96 die Vorjahres-Euphorie kompensieren konnte. Urteil: Für Hannover kann es losgehen.
FSV Mainz 05: Die Abwehr bereitet die geringsten Sorgen. Der Abgang von Linksverteidiger Christian Fuchs ist durch Zdenek Pospech aufgefangen. Das defensive Mittelfeld ist gut bestückt, offensiv aber fehlt die Kreativität. Bislang konnten die Zugänge den Verlust von Lewis Holtby und Andre Schürrle nicht vergessen machen. Urteil: Es bleibt noch viel zu tun.
1. FC Nürnberg: Das Offensivtrio mit Mehmet Ekici, Julian Schieber und Ilkay Gündogan hat Nürnberg verlassen. Aber Trainer Dieter Hecking scheint mit dem Pokal-Dreifachtorschützen Markus Feulner passenden Ersatz gefunden zu haben. Die Mannschaft wirkt trotz der Abgänge homogen, die Vorbereitung war mit einem Sieg gegen Ajax Amsterdam überragend. Urteil: Die Bundesliga kann kommen.
1. FC Kaiserslautern: Der Ärger um Ersatztorwart Tobias Sippel war ein großes Thema in der Vorbereitung, die ordentlich lief. Sportlich lautet die Kernfrage, wer nach dem Abgang von Srdjan Lakcic, Erwin Hoffer und Jan Moravek die Tore schießen soll. Das Mittelfeld ist besser besetzt, die Abwehr beisammen geblieben. Urteil: Der FCK könnte in Abstiegssorgen geraten.
Hamburger SV: Die Abwehr ist bei schnellem Kurzpassspiel verwundbar. Im Mittelfeld fehlt es an Kreativität und im Angriff wirkt Heung Min Son trotz vieler Tore nicht clever und robust genug. Die Stimmung bei den Fans ist angespannt. Dazu kommt noch Unruhe nach der gescheiterten Vertragsverlängerung mit Mladen Petric. Urteil: Bisher kaum bundesligabereit.
SC Freiburg: Bis auf den nach Leverkusen abgewanderten Verteidiger Ömer Toprak ist das Team zusammengeblieben. Der neue Trainer Marcus Sorg will die Arbeit von Robin Dutt exakt fortsetzen. Unruhe könnte um Torjäger Papiss Demba Cisse entstehen, da sich der Verein offen hält, ihn gegen Zahlung einer hohe Ablöse gehenzulassen. Urteil: Trotz Pokalschlappe insgesamt gut gerüstet.
1. FC Köln: Der Klub möchte mit dem neuen Coach Stale Solbakken noch ein Stück höher hinaus als in der turbulenten Vorsaison, die gut abgeschlossen wurde. Das Kapitänsthema mit der Entmachtung von Lukas Podolski ist überstanden. Offensiv wirkt das Team stark, eine Problemzone scheint das defensive Mittelfeld zu sein. Urteil: Leicht wird es nicht für den FC.
1899 Hoffenheim: Im Blickpunkt steht der neue Trainer Holger Stanislawski, der nach einer unbefriedigenden Vorsaison das Team wieder stabilisieren soll. Der Kader ist gut besetzt, allerdings wird Torjäger Vedad Ibisevic langfristig ausfallen. Das Ziel eines einstelligen Tabellenplatzes scheint erfüllbar. Urteil: Hoffenheim richtet sich im Mittelmaß ein.
VfB Stuttgart: In der Abwehr gibt es wegen diverser Verletzungen große personelle Probleme. Christian Träsch und Ciprian Marica wurden abgegeben, gleichwertiger Ersatz aber nicht verpflichtet. Der knappe 2:1-Sieg im Pokal beim Drittligisten SV Wehen-Wiesbaden offenbarte die Schwierigkeiten im Team. Urteil: Zur Zeit bestenfalls ausreichend.
Werder Bremen: Nach der Pokal-Blamage sah es düster aus. Doch die Rückkehr der Dauerverletzten Per Mertesacker und Sebastian Prödl sowie das bevorstehende Comeback von Naldo lassen hoffen. Die Abwehr könnte der Rückhalt werden. Im Mittelfeld fehlt Mehmet Ekici noch die Bindung und auch im Angriff bleiben viele Fragezeichen. Urteil: Bedingt bundesligabereit.
FC Schalke 04: Der riesige Kader wurde ausgemistet, die Arbeitsmoral und teaminterne Stimmung verbessert. Sportlich hat Trainer Ralf Rangnick das Spielsystem und die Taktik reformiert, was sich bereits positiv bemerkbar machte. Doch die Mittel des Schuldenklubs sind stark limitiert. Urteil: Die Vorbereitung verlief vielversprechend.
VfL Wolfsburg: Das 2:3 im Pokal gegen den Viertligisten RB Leipzig kam nach guter Vorbereitung überraschend und sorgt für Unruhe. Beim schweren Startprogramm (dreimal auswärts und ein Heimspiel gegen Bayern) ist der Auftakt in Köln extrem wichtig. Diego soll bis dahin unbedingt von der Lohnliste. Magath will mindestens noch drei Neue. Urteil: Bedingt bundesligabereit.
Borussia Mönchengladbach: Kaum etwas hat sich verändert bei den Gladbachern, aber alles soll anders werden. Die Stammelf könnte genauso aussehen wie das Team, das die Relegation gegen Bochum überstand. Junge talentierte Neuzugänge könnten unter Trainer Lucien Favre auf Sicht zur Verbesserung führen. Urteil: Das Ziel, wenig mit dem Abstieg zu tun zu haben, scheint realisierbar.
Hertha BSC: Das 4:0 im Pokal gegen Meuselwitz ist kein Gradmesser. Trainer Markus Babbel stellt sich von Beginn an auf Abstiegskampf ein, zumal zum Saisonstart zehn Spieler angeschlagen sind. Die Mannschaftsteile sind für einen Aufsteiger schlagkräftig besetzt, die hohen Erwartungen des Umfelds aber ein ständiger Gefahrenherd. Urteil: Bedingt bundesligabereit.
FC Augsburg: In den letzten Tagen vor dem Start trübte der Streit um die Suspendierung von Michael Thurk die ohnehin nicht besonders rosige Stimmung. Der Kader ist aufgebläht, jedoch fehlt es an Qualität, wie das glückliche 2:1 n. V. im Pokal beim Drittligisten Oberhausen offenbarte. Nicht einmal Trainer Jos Luhukay ist sich sicher, ob der Aufsteiger bundesligatauglich ist. Urteil: Noch ungenügend. (dapd)








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