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Sport

Wimbledon und Frauen-Fussball-WM

Lisicki und die "Goldmädels": Deutschland im Sportfieber

Sabine Lisicki kämpft heute in Wimbledon um den Finaleinzug. Um 20.45 Uhr treffen die DFB-Damen auf Nigeria – alles live auf abendblatt.de.

Tennis-Ass Sabine Lisicki (rechts) und Fußball-Nationalspielerin Celia Okoyino da Mbabi wollen an diesem Donnerstag wieder jubeln
Foto: picture alliance / getty images

Hamburg/Frankfurt/Wimbledon. Dieser Donnerstag soll zum Jubeltag in Schwarz-Rot-Gold werden: Wenn die Berlinerin Sabine Lisicki am Nachmittag in Wimbledon gegen die Russin Maria Scharapowa um den Einzug ins Finale des bedeutensten Tennisturniers der Welt kämpft, stecken die Frauen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der Konzentrationsphase für das zweite Vorrundenspiel gegen Nigeria (20.45 Uhr) bei der Heim-WM.

Im bisher letzten Duell stolperten die Nigerianerinnen noch frierend und lustlos über den Rasen, doch auf ihrer zweiten WM-Etappe zum angestrebten Titel rechnen Deutschlands Fußball-Frauen mit heftiger Gegenwehr. „Das Spiel wird kein Vergleich zu der Partie in Leverkusen sein. Sie haben mit uns noch eine Rechnung offen und wollen Revanche für das 8:0“, warnte Silvia Neid am Mittwochabend vor dem Abschlusstraining der deutschen Mannschaft.

Neid bereitete ihr Team auf ein „ganz schweres Spiel“ gegen den Afrikameister in Frankfurt vor. „Nigeria ist sehr robust und zweikampfstark. Da kommt es darauf an, dass wir dagegenhalten und möglichst selbst zum Torerfolg kommen“. Die Marschroute ist klar: „Wir wollen den zweiten Sieg einfahren, aber wir brauchen eine sehr gute Teamleistung.“

Nach dem noch etwas holprigen 2:1-Auftakt gegen Kanada könnten Birgit Prinz und Co. im Jubiläumsspiel von Torhüterin Nadine Angerer mit einem Sieg vorzeitig den Viertelfinaleinzug perfekt machen. Voraussetzung ist aber, dass Frankreich nach dem 1:0 gegen Nigeria zuvor in Bochum (18.00 Uhr) Kanada bezwingt. Dass die Afrikanerinnen ihre erste Partie verloren haben, mache die „Aufgabe nicht leichter“, betonte Neid. „Zudem stehen sie mit dem Rücken zur Wand.“

Bei erwarteten Temperaturen von rund 17 Grad am Spielabend wird der Gegner keinen Vorteil aus den in den Vortagen herrschenden „nigerianischen Verhältnissen“ (Angerer) ziehen. Der Wunsch der DFB-Torhüterin in ihrem 100. Länderspiel dürfte sich nach den Wetterprognosen allerdings auch nicht erfüllen. „Ich steh’ auf Regen“, sagte Angerer, die am Mittwoch gemeinsam mit Fatmire Bajramaj noch einen kurzen Ausflug auf die Fanmeile am Main unternahm.

Gegen die pfeilschnellen, technisch versierten und athletischen Nigerianerinnen setzt die DFB-Elf auf die Stärken, die gegen Kanada noch vermisst wurden. „Wir wollen besser Fußball spielen und unsere Torchancen konsequent nutzen“, erklärte Neid. Die 47-Jährige dürfte kaum personelle Änderungen planen und dieselbe Startelf ins Rennen schicken wie gegen Kanada, auch wenn in Inka Grings oder Alexandra Popp weitere Offensiv-Kräfte auf ihren Einsatz brennen.

Auf ihren Einsatz brennt auch Sabine Lisicki in Wimbledon. Die Tennis-Welt staunt über „Boom Boombine“ – nun will Sabine Lisicki auch Maria Scharapowa schocken. Einen Tag vor dem größten Match ihrer Karriere präsentierte sich der neue „Centre-Court-Darling“ („Daily Mirror“) an der Church Road locker und gelöst. Immer wieder scherzte die 21-Jährige am Mittwoch mit Doppelpartnerin Samantha Stosur – so als wäre die Vorbereitung auf ihr erstes Wimbledon-Halbfinale das Normalste der Welt. „Ich freue mich wahnsinnig darauf und will es da draußen einfach genießen“, sagte Lisicki vor dem Showdown gegen die große Turnierfavoritin.

Der faszinierende Durchmarsch von „Doris Becker“, wie Lisicki wegen ihres gewaltigen Aufschlags von den englischen Medien ehrfurchtsvoll genannt wird, erinnert frappierend an die märchenhafte Wimbledon-Geschichte von Goran Ivanisevic. Der Asse-König hatte sich vor zehn Jahren als Wild-Card-Inhaber zum Turniersieg geschmettert. Die ungesetzte Lisicki ist drauf und dran, es dem Kroaten gleichzutun. „Mal sehen, wo diese verrückte Geschichte noch endet“, sagte Ivanisevic.

Zunächst einmal aber muss Lisicki in Boris Beckers einstigem Wohnzimmer die schwierigste Aufgabe meistern, die das Damenfeld zu bieten hat. Die Russin Scharapowa blieb bisher als Einzige ohne Satzverlust und geht mit dem beflügelnden Wissen in das Halbfinal-Duell, als 17-Jährige 2004 schon einmal in Wimbledon gewonnen zu haben. Trotzdem warnte die Favoritin: „Ich muss mit Vollgas spielen, um Sabine zu schlagen.“ In Anspielung auf Scharapowas lautes Gequieke, mit dem die 24-Jährige die Bälle übers Netz jagt, titelte der „Daily Mirror“: „Sabine will Maria zum Schweigen bringen.“

Mit ihrem Power-Spiel und der unbekümmerten Hau-Drauf-Mentalität hat sich „Super Sab“ längst in die Herzen von Fans und Experten gespielt. „Vergleiche mit Steffi Graf scheinen weit davon entfernt, abwegig zu sein“, schlug der „Guardian“ den Bogen zu Lisickis großer deutscher Vorgängerin in Wimbledon. Das Boulevardblatt „The Sun“ machte die blonde Berlinerin, die nach fünfmonatiger Verletzungspause in die Weltspitze zurückgekehrt ist, zur „Comeback Queen“. Lisicki stehe an der Spitze einer langersehnten Renaissance „des Landes, das uns Graf, Boris Becker und Michael Stich brachte“.

Das Potenzial, einen anhaltenden Hype im einstigen Boom-Land auszulösen, hat Lisicki jedenfalls. Das schnellste Service im Damen-Tennis, eine krachende Vorhand und der „Drang auf die große Bühne“ (Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner) sind ein Versprechen für die Zukunft. „Sie ist eine echte Bedrohung“, sagte Lindsay Davenport. Die Amerikanerin hatte Graf 1999 in deren letzten Wimbledon-Finale bezwungen; zwölf Jahre später sorgte Lisicki für den nächsten Halbfinal-Vorstoß einer Deutschen bei einem Grand-Slam-Turnier.

Auch wenn ihr Londoner Höhenflug für das breite Publikum relativ überraschend erscheinen mag – Lisickis Weg in die Weltspitze war von langer Hand geplant. Als sie ein Teenager war, verlegte Vater Richard Lisicki den Lebensmittelpunkt nach Florida. Im Camp von Trainer-Guru Nick Bollettieri sollte das Tennis-Juwel den Feinschliff erhalten.

Und noch heute sind Papa Richard, der über Trainingsmethodik im Tennis promovierte, und Mama Maria immer dabei, um die talentierte Tochter zu unterstützen. „Sie setzen voll aufs Tennis“, berichtete Rittner. Gemeinsam bewohnt die Familie ein Häuschen in Wimbledon, das Familienunternehmen Lisicki überlässt nichts dem Zufall. „Meine Mutti kocht – das ist sicherer“, scherzte die Strahlefrau mit Blick auf die berüchtigte englische Küche.

Schon im Alter von 14 Jahren sagte die Rechtshänderin, sie wolle eines Tages die Nummer 1 werden. Was damals wie der naive Traum eines Teenagers klang, scheint sieben Jahre später nicht utopisch. Vor ihrer Sprunggelenksoperation war Lisicki schon einmal die Nummer 22 der Tennis-Welt, nach Wimbledon ist sie wieder unter den Top 25. Und noch hat sie im All England Club ja noch mindestens eine weitere Chance, den Vormarsch fortzusetzen. In einem möglichen Finale gegen die Tschechin Petra Kvitova oder die Weißrussin Victoria Asarenka wäre sie nach ihren bisherigen Leistungen sogar leicht favorisiert. Rittner ist jedenfalls überzeugt: „Wenn sie gesundbleibt, wird sie uns noch viel Freude bereiten.“

Ob Sabine Lisicki den sensationellen Einzug ins Wimbledon Finale perfekt machen kann und ob die deutsche Nationalmannschaft bereits ins Viertelfinale der Heim-WM stürmt, erfahren Sie am Donnerstag auf abendblatt.de im Liveticker! (abendblatt.de/dpa)

 

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