Wimbledon
"Boom Boombine" und "Doris Becker" - England feiert Lisicki
Das 21 Jahre alte Tennis-Ass steht als erste Deutsche seit 1999 im Halbfinale von Wimbledon - morgen wartet Maria Scharapowa.
Schrei ins Glück: Sabine Lisicki jubelt über ihren Halbfinaleinzug bei den All England Championships
Foto: dpa/DPA
London. Sabine Lisickis Husarenritt ins Halbfinale von Wimbledon verzückt die britische Presse. Die Tennis-Experten der Zeitungen überschlugen sich am Mittwoch mit Lob für die Deutsche, der sie wegen ihres krachenden ersten Aufschlags Spitznamen wie „Doris Becker“, „Boom Boombine“ oder einfach „Super Sab“ gaben.
„Einen der bisher größten Schocks“ habe die 21-Jährige Wild-Card-Starterin dem Turnierverlauf versetzt, urteilte der „Daily Telegraph“, der das Foto der jubelnden Lisicki groß auf Seite 1 brachte. Der „Daily Mirror“ machte Lisicki flugs zum „neuen Center-Court-Darling“ und zur „Britin ehrenhalber“.
Auch die „Times“ räumte dem überragenden Spiel der Deutschen fast eine ganze Seite ein. Ihr Tennis gehöre zum „Unterhaltsamsten, was die diesjährigen Meisterschaften zu bieten haben“, befand die Zeitung. Und der „Independent“ sieht in der Deutschen sogar eine „durchaus denkbare Wimbledon-Siegerin“. Kommentator Chris McGrath fügte in die Zukunft blickend vieldeutig hinzu: „Mit 21 hat sie noch nicht all zu viele Meilen auf dem Tacho.“
Der „Guardian“ schlug den Bogen zu Lisickis großer deutscher Vorgängerin in Wimbledon. „Vergleiche mit Steffi Graf scheinen weit davon entfernt, abwegig zu sein“, schrieb die Zeitung. „Ihr Aufschlag ist die tödlichste Waffe der Frauen da draußen.“
Die Boulevardzeitung „The Sun“ machte Sabine Lisicki, die nach fünf Monaten Verletzungspause in die Weltspitze zurückkehrte, zur „Comeback-Queen“ und warnte: „The Frauleins are coming!“. Lisicki stehe an der Spitze einer langersehnten Renaissance „des Landes, das uns (Steffi) Graf, Boris Becker und Michael Stich brachte“. (dpa)
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Sabine Lisicki: Auf den Spuren von Steffi Graf
Es blitzte und donnerte - und auf dem heiligen Rasen in Wimbledon zündete Sabine Lisicki ein Feuerwerk. Die 21 Jahre alte Berlinerin stürmte gestern als erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf 1999 ins Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers und kann nach ihrer erneut großartigen Vorstellung nun sogar mit Fug und Recht vom ganz großen Wurf bei den 125. All England Championships träumen. Locker, nervenstark und nie um eine Antwort verlegen setzte sich Lisicki in 2:21 Stunden mit 6:4, 6:7 (4:7), 6:1 gegen die Französin Marion Bartoli durch, die im Achtelfinale immerhin Titelverteidigerin Serena Williams aus den USA ausgeschaltet hatte.
"Ich kann's nicht glauben", sagte die Siegerin, die ihren größten Erfolg ohne die ganz große Pose feierte: Ein Handkuss in Richtung ihrer Eltern, ein lautes "Yes" der Erleichterung, ein glücklich strahlendes Gesicht. Noch vor Wochen kämpfte sie nach schwerer Verletzung um ein Comeback - und jetzt dies. "Bislang habe ich es ganz gut gemacht. Aber erklären kann ich nicht, was hier passiert auf dem Platz, den ich so liebe."
Der Regen prasselte unaufhörlich auf das Dach über dem Centre-Court, aber Lisicki ließ sich davon nicht die gute Laune verderben. Dem Rat ihrer Entourage folgend, mühte sie sich, das zweite Viertelfinale nach 2009 in vollen Zügen zu genießen. Und diese Lockerheit zahlte sich zunächst aus. Auch kritische Situationen lächelte sie einfach weg und setzte ihre Kontrahentin damit doppelt unter Druck. Die Französin hatte ihre liebe Not mit den immer wieder eingestreuten Stopps der Deutschen, die schon mit ihren harten Aufschlägen ein klares Plus hatte. Doch Bartoli glich die Nachteile mit Einsatz und Routine aus. Selbst als die Partie schon verloren zu sein schien, gab sie nicht auf, wehrte beim Stand von 4:5 im zweiten Satz gleich drei Matchbälle ab und rettete sich in den Tiebreak.
Lisicki schien nervös zu werden, denn sie wusste, dass Bartoli in diesen Momenten die "zweite Luft" bekommt. "Ich war total enttäuscht, weil ich nicht gut gespielt habe", sagte Lisicki. Aber sie ließ nicht locker, scheuchte die Französin weiter über den Platz und ging mit 3:0 in Führung. Immer wieder fasste sich Bartoli an den Oberschenkel, spielte aber weiter, obwohl der Muskel ganz offensichtlich schmerzte. Eine neuerliche Wende schaffte sie nicht und verpasste ihr zweites Halbfinale in Wimbledon, während sich Lisicki über ihren größten Erfolg und den bislang größten Scheck freuen konnte. 310 000 Euro hat sie bereits sicher.
In der Vorschlussrunde, die sie als zweite Wildcard-Spielerin überhaupt erreichte, wartet morgen mit Maria Scharapowa eine knifflige Aufgabe. Die Russin machte gegen Dominika Cibulkova kurzen Prozess und gewann in 60 Minuten Spielzeit mit 6:1, 6:1. Dabei hatte die Slowakin zuvor in Julia Görges (Bad Oldesloe) und Caroline Wozniacki aus Dänemark zwei Topspielerinnen aus dem Wettbewerb geworfen. (dapd)
Asarenka komplettiert Halbfinale
Wiktoria Asarenka hat als letzte Tennisspielerin das Halbfinale in Wimbledon erreicht. Die an Position vier gesetzte Weißrussin setzte sich nach nur 1:24 Stunden mit 6:3, 6:1 gegen Tamira Paszek aus Österreich durch und trifft in der Vorschlussrunde auf die Tschechin Petra Kvitova (Nr 8.).
Asarenka nutzte den zweiten Matchball und machte damit ihren ersten Halbfinaleinzug bei einem Grand-Slam-Turnier klar. Das Spiel war auf Court 1 beim Spielstand von 1:0 wegen Regens abgebrochen und auf dem überdachten Centre Court fortgesetzt worden. (sid)








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