Montag, 28. Mai 2012, 15:09

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Sport

Klitschko: Linearer Weltmeister?

Profiboxen: Das Problem mit den vier Weltverbänden - und seine Lösung.

Hamburg. Lennox Lewis hat am 21. Juni weit mehr zu verlieren als seinen WBC-WM-Titel. Der 37 Jahre alte Brite ist der amtierende Lineare Weltmeister im Schwergewicht. Dieser Titel wird weder durch einen Gürtel noch durch einen sanktionierenden Boxverband repräsentiert. Er wird vielmehr ehrenhalber verliehen, ist jedoch unter Box-Puristen von größter Bedeutung. Schließlich lässt er sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Der Lineare Weltmeister ist der legitime Erbe des Boxers, der der letzte alleinige Weltmeister im Schwergewicht war. Bei einem Sieg über Lewis könnte sich Witali Klitschko in diese Reihe einordnen, in die sich mit Max Schmeling auch ein Deutscher durchschlug. Pikantes Detail: Seit Ingemar Johansson 1959 wäre er zudem der erste Weiße, dem dies gelingt. Die Verwirrung um den "wahren Weltmeister" hält seit 40 Jahren an. Bis Anfang der 60er-Jahre wurden WM-Kämpfe von der National Boxing Association organisiert. Sportlich gab es keine Zweifel um den "wahren" Champion - es gab nur einen. Doch je rasanter die Börsen der Boxer stiegen, desto mehr Streit gab es unter den Veranstaltern. So wurde 1962 in Venezuela die World Boxing Association (WBA) gegründet, ein Jahr später das World Boxing Council (WBC). 20 Jahre lang richteten diese beiden Verbände die WM-Kämpfe aus, ehe sich Robert W. Lee, erster Präsident der WBA, mit seinem Nachfolger Gilberto Mendoza überwarf und die International Boxing Federation (IBF) aus der Taufe hob. Dieser folgte 1988 die World Boxing Organisation (WBO). Diese vier Organisationen gelten bis heute als die wichtigen Verbände. Immer wieder entstanden und verschwanden weitere. Bis zu 20 soll es derzeit geben, die allerdings kaumBeachtung finden. "Man kann nicht sagen, welcher Weltverband heute der wichtigste ist, aber nur die vier Großen haben Bedeutung", sagt Hans Högner, Repräsentant für internationale Verbände im Bund Deutscher Berufsboxer. Natürlich hält sich jeder der vier Verbände für den bedeutendsten, die Weltmeister der anderen werden in der eigenen Rangliste ignoriert. Objektiven Aufschluss über die tatsächlichen sportlichen Verhältnisse geben nur die Ranglisten unabhängiger Fachmedien. "Die Boxszene hat sich mittlerweile daran gewöhnt, je vier Weltmeister in den insgesamt 17 Gewichtsklassen zu haben", glaubt Högner. Es sei besonders ein finanzielles Problem, diese Entwicklung zurückzudrehen. "Die Verbände sind ja nicht gemeinnützig, sondern profitorientiert. Sie müssen an Titelkämpfen Geld verdienen. Deshalb will keiner seine Weltmeister aufgeben." Zwischen zwei und fünf Prozent der Einnahmen gehen an den jeweiligen Verband. Zudem seien auch die Medien mitschuldig an der Entwicklung, glaubt Högner. "Das Fernsehen will nur noch Titelkämpfe übertragen, etwas anderes interessiert nicht mehr. Deshalb wäre es gar nicht zu verkaufen, wenn es nur einen Weltmeister pro Klasse gäbe und der nur zweimal im Jahr kämpft." In der derzeitigen Form könne man immerhin bis zu acht Schwergewichts-WM-Kämpfe im Jahr vermarkten. Trotz dieser Hürden wird an einer Lösung gearbeitet, um irgendwann die Ermittlung eines "Weltmeisters der Weltmeister" zu ermöglichen. Bis zu einer Einigung muss der inoffizielle Lineare Weltmeistertitel aber ausreichen. Witali Klitschko wäre damit wohl allemal zufrieden.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus