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Sport

Polo: Elitär, aber familiär

Hamburg. "Polo", sagt Christopher Kirsch, "ist ein bisschen wie Golf - nur dass man auf einem Pferd sitzt, mehrere Gegner um sich hat und in vollem Galopp den Ball treffen muss." Es gibt nicht viele, die von sich behaupten können, im "Spiel der Könige" so versiert zu sein wie der Obmann des Hamburger Polo-Clubs (HPC). Was einerseits daran liegt, dass Kirsch mit einem Handicap von +4 der zweitbeste Spieler hierzulande ist - nur Vereinskollege Thomas Winter, zugleich Deutschlands einziger Poloprofi, kann mit +5 auf einen besseren Wert verweisen; und andererseits daran, dass außer Kirsch und Winter nur noch 175 weitere Spieler beim Deutschen Polo-Verband registriert sind. "Einen Mitgliederzuwachs, wie ihn Golf zuletzt erlebt hat, wird es beim Polo sicherlich nicht geben", ahnt Kirsch. Schon die Grundausstattung stellt für Normalverdienende eine unüberwindliche Barriere dar: Wer bei einem Turnier wie dem Berenberg-Polo-Derby am Wochenende (HPC, Jenischstraße 26, Fr. ab 14.30 Uhr, Sa./So. ab 14 Uhr, Finalrunde 13. bis 15. Juni) den Stick schwingen will, muss für jeden der vier Spielabschnitte (Chukker) zu je sieben Minuten ein Pferd satteln. Stückpreis der speziell in Argentinien gezüchteten Tiere: ab 15 000 Euro aufwärts. Andererseits ist man im denkmalgeschützten Bauhaus-Komplex an der Jenischstraße, wo der 1898 gegründete HPC beheimatet ist, auch ganz gern unter sich. Schon jetzt ist der Platz in Klein Flottbek mit gut 30 regelmäßigen Nutzern an seine Belastungsgrenzen gestoßen. Da hilft auch aller Einsatz des Polopublikums, das gern mit dem Champagnerglas in der Hand zur Rasenpflege schreitet, nicht mehr: Ende Juni soll das völlig verhärtete Geläuf 40 Zentimeter tief gestachelt und mit 18 Sattelschlepperladungen Sand aufgelockert werden. "Wir setzen bei unseren neuen Mitgliedern auch eine gewisse Spielstärke voraus, um das Gesamtniveau zu halten", erzählt Kirsch. Tatsächlich wird der Mitgliedsausweis beim ältesten Poloclub Kontinental-Europas zumeist vererbt. Kirschs Vater, der Modehändler Dietmar Kirsch (Handicap +1), ist noch immer aktiv, Mutter Gudrun hat einst ebenfalls den Stick geschwungen. Auch bei den Winters (Thomas und die Brüder Christopher/+3 und Oliver/+2) und Kaffeedynastie Darboven (Albert und Sohn Arthur, beide +1) liegt die Pololeidenschaft in den Genen. Elitär, aber familiär - mit diesem wohl gepflegten Image lässt sich selbst in kargen Zeiten wie diesen Kasse machen. "Die Unternehmen fördern Polo gern", weiß HPC-Präsident Heinrich Köhler, "viele warten geradezu darauf, von uns angesprochen zu werden. Für Tennis und Hockey Unterstützer zu gewinnen, ist für uns viel schwerer."leo

 

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