Hertha BSC
Aufstiegsoach Markus Babbel: AC/DC-Fan wie Guttenberg
Ein Müncher in Berlin: Markus Babbel setzt auf Disziplin. Belohnt wird er jetzt mit dem Aufstieg der Hertha, zu dem auch Klaus Wowereit gratuliert.
Hertha-Stürmer Adrian Ramos sorgte mit seinem Tor zum Sieg in Duisburg
Foto: dpa
Berlin/Duisburg. Markus Babbel hat nicht nur die bayerische Herkunft mit Karl-Theodor zu Guttenberg gemein, sondern auch die Vorliebe für Hardrocker wie AC/DC oder Metallica. Gleichwohl erlebt der Trainer von Hertha BSC Berlin mit dem Aufstieg in die erste Fußball-Bundesliga einen ungleich erfolgreicheren Frühling als der an der Plagiats-Affäre gescheiterte ehemalige Bundesverteidigungsminsiter.
Erfolgsrezepte des Hertha-Trainers aus Bayern, den auch mit Tote-Hosen-Frontmann Campino eine Freundschaft verbindet: Disziplin, Teamgeist und weniger Emotionen. Selbst in der Stunde seines ersten größeren Erfolgs als Cheftrainer von Hertha BSC blieb der 36 Jahre alte Ex-Nationalspieler noch weitgehend in Deckung. "Wichtig ist jetzt: Fokussieren, Profi sein“, sagte Babbel im Jubel um den direkten Wiederaufstieg seines Berliner Clubs in die Fußball-Bundesliga.
Direkt, ehrlich, gerade heraus – so hat Babbel der "alten Dame“ Hertha ein Lifting verpasst. Die sportlich Krise im Herbst vergangenen Jahres meisterte der Europameister von 1996 mit Geschick und Glück, die Grundlage für Herthas Rückkehr ins Oberhaus. Seine offene Art kommt an in Berlin. Und Manager Michael Preetz sagte Babbel nach dem 1:0-Sieg in Duisburg schon eine große Trainerkarriere voraus. Erst einmal aber verlängert sich Babbels Vertrag mit Hertha nun bis zum Ende der Saison 2011/12.
Für Babbel, der 2008 beim VfB als Cheftrainer ins kalte Wasser geworfen worden und später gescheitert war, ist die geglückte Mission Wiederaufstieg auch ein erster Schritt auf die angestrebte große Trainerbühne. Die erste Liga ist auch für ihn eine neue Chance.
Wowereit und Künast gratulieren
Zum Aufstieg der Hauptstädter hat unterdessen auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gratuliert. "Ganz Berlin freut sich mit Hertha. Souverän hat die Mannschaft die Saison in der 2. Liga absolviert und jetzt vorzeitig den direkten Wiederaufstieg geschafft. Das war eine tolle sportliche Leistung“, teilte Wowereit am Dienstag mit.
Mit Blick auf die kommende Saison in der ersten Liga erklärte Wowereit: "Ich bin sicher, dass Hertha BSC auch da gut bestehen wird und in einem vollen Olympiastadion jeden Gegner schlagen kann.“ Mit dem Fußball in der Hauptstadt gehe es rechtzeitig vor dem Start der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft wieder in die richtige Richtung. Dazu habe auch der gelungene Klassenerhalt des Zweitligisten 1. FC Union beigetragen.
Auch die Grünen-Fraktionschefin und Kandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin in Berlin, Renate Künast, gratulierte der Mannschaft: "Berlin ist erstklassig! Spieler, Verein und Fans haben diesen Erfolg möglich gemacht.“
Hertha siegt 1:0 in Duisburg - der Spielbericht:
Der Betriebsunfall ist bereinigt: Mit einem 1:0 (1:0) beim MSV Duisburg machte Hertha BSC am Ostermontag vorzeitig den Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga perfekt. „Es war ein hartes Jahr. Ich bin froh, dass es gut zu Ende gebracht worden ist. Wir haben alle gemeinsam in der Saison einen guten Job gemacht“, sagte Manager Michael Preetz. Besonders bei Trainer Markus Babbel, der von seinen Spielern in die Luft geworfen wurde, fiel ein enormer Druck ab. Peter Niemeyer verpasste dem Coach die obligatorische Bier-Dusche.
Drei Spieltage vor Saisonende ist Hertha mit 68 Punkten nicht mehr von den ersten beiden Plätzen in der 2. Bundesliga zu verdrängen. Vor 16 777 Zuschauern in Duisburg sorgte der Kolumbianer Adrian Ramos (27. Minute) für den 21. Saisonsieg der Berliner. Ihre rund 2500 mitgereisten Fans sangen immer wieder: „Nie mehr 2. Liga“. Die Spieler streiften sich nach dem Abpfiff T-Shirts mit der Aufschrift „Mission erfüllt“ über. Und für Babbel war es „eine große Erleichterung und Freude“.
Die beste Heim- und Auswärtsmannschaft, die beste Rückrunden-Elf, das beste Offensiv-Team der Liga wurde auch in Duisburg seiner Favoritenrolle gerecht. Nach einer langen Flanke von Patrick Ebert schoss Ramos zu seinem 14. Saisontreffer ein. Die Herthaner, die nun schon zehn Spiele nacheinander ungeschlagen sind, wollen nun auch Zweitliga-Meister werden. „Es wäre auch unsportlich, wenn wir jetzt nicht mehr alles geben“, erklärte Trainer Babbel. Für die ersatzgeschwächten Duisburger zählt dagegen nur noch das DFB-Pokalfinale am 21. Mai gegen Schalke 04.
Ebert setzte mit einem Freistoß (22.) das erste Signal. Der junge Pierre-Michel Lasogga (27.) war ebenfalls nah dran an einem Treffer. Die Gastgeber, für die sich nach dem Ausfall von Kapitän Srdjan Baljak (Kreuzbandriss) die ohnehin angespannte Personalsituation noch verschärft hatte, sorgten mit einem Kopfball von Ivica Banovic (44.) nur kurz für Gefahr.
Zwar lieferte das blau-weiße Team in Liga zwei nur selten glanzvollen Fußball ab. Doch die Hertha-Profis hielten vor allem dem ständigen Druck des Aufsteigen-Müssens stand. „Der Druck in Berlin ist enorm. Alle Beteiligten können stolz sein“, erklärte Hertha-Manager Preetz.
„Wir wollen sofort zurück. Deshalb bin ich gekommen, weil ich diese Mentalität an den Tag lege“, hatte Chefcoach Babbel bei seinem Amtsantritt die Marschroute festgelegt. Mit einem Gesamtetat von fast 40 Millionen Euro hatte Hertha im Unterhaus das meiste Geld zur Verfügung. Für alle 18 Zweitliga-Trainer waren die Berliner Aufstiegs-Favorit Nummer eins. Hertha leistete sich nur eine Schwächeperiode im vergangenen Herbst.
Doch aus den drei Pleiten nacheinander zogen Babbel und sein Team die richtigen Lehren. „Wir mussten lernen, dass man auch in der 2. Liga jedes Spiel mit 100 Prozent bestreiten muss“, strich Preetz als einen Hauptgrund der geglückten Mission Wiederaufstieg heraus. „Wir haben uns keine Schwächen mehr geleistet“, sagte Babbel. (dpa/dapd/abendblatt.de)








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