Formel 1 in Shanghai
Vettel nicht zu stoppen - Schumacher enttäuscht
Der Red-Bull-Pilot hat die Qualifikation für den Großen Preis von China gewonnen. Hinter dem Weltmeister startet Jenson Button auf Platz zwei.
Foto: Getty
Shanghai. Drittes Rennen, dritte Pole: Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hat in China seine makellose Bilanz in der neuen Saison ausgebaut und will am Sonntag auch den Sieg-Hattrick perfekt machen. Die Chancen dafür stehen glänzend, denn in der Qualifikation für den Großen Preis von China (Sonntag, 9.00 Uhr MESZ/RTL und Sky und im Liveticker auf abendblatt.de) deklassierte der Red-Bull-Pilot den aktuellen WM-Zweiten Jenson Button im McLaren-Mercedes um mehr als sieben Zehntelsekunden. Auf Platz vier hinter Buttons Teamkollegen Lewis Hamilton holte Nico Rosberg die beste Startposition des Jahres für das Mercedes-Team.
„Ich bin einfach überglücklich, dass es hier wieder mal geklappt hat. Wir können stolz darauf sein, wieder ganz vorne zu stehen“, sagte Vettel nach der insgesamt 18. Pole Position seiner Karriere. Sein einziges Problem hatte er erst im Parc ferme, als er zunächst eine gefühlte Ewigkeit im Auto sitzen blieb. „Ich hatte möglicherweise beim ersten Mal das Signal eines FIA-Offiziellen nicht gesehen, dass ich aussteigen darf“, sagte Vettel. Ein rundum gelungener Red-Bull-Tag war es allerdings nicht. Vettels Teamkollege Mark Webber scheiterte sensationell schon im ersten Durchgang und muss von Platz 18 eine Aufholjagd starten.
„Sebastians Speed war phänomenal“, sagte Button: „Als ich seine Zeit gesehen habe, wusste ich, dass ich um Platz zwei kämpfen muss. „ Hamilton, in der Gesamtwertung mit 22 Punkten Dritter hinter Vettel (50) und Button (26), hatte sich einen möglichen letzten Angriff auf Vettels Traumzeit komplett geschenkt und sich einen frischen Satz weiche Reifen lieber für das Rennen aufgespart.
Direkt hinter Hamilton steht in der Startaufstellung der Silberpfeil von Rosberg, der nach seiner mit Abstand besten Qualifikations-Leistung der Saison zufrieden war. „Das war ein positiver Tag. Wir verstehen alles besser und holen mehr aus dem Auto heraus“, sagte Rosberg, fügte allerdings hinzu: „Wir sind immer noch nicht da, wo wir hinwollen.“
Sein Teamkollege Michael Schumacher hatte dagegen weniger Glück und steht als 14. so weit hinten wie noch nie in diesem Jahr. In der entscheidenden Runde im zweiten Qualifikationsdurchgang hatte sich der Rekordweltmeister verbremst und später ehrlich seinen Fehler eingestanden. „Die Runde habe ich nicht auf die Reihe gebracht, das muss ich auf meine Kappe nehmen. Das ist schade, wenn man sieht, wie sehr wir uns verbessert haben. Platz fünf oder sechs wäre realistisch gewesen“, sagte Schumacher. Der siebenmalige Champion wurde allerdings wie auch Force-India-Pilot Adrian Sutil (Platz 11) und Renault-Fahrer Nick Heidfeld (Platz 16) durch eine von Heidfelds Teamkollegen Witali Petrow verursachte Unterbrechung beeinträchtigt.
Nachdem der Russe mit Getriebeproblemen mitten auf der Strecke stehen geblieben war, kämpfte nach dem Neustart in den letzten zwei Minuten ein Dutzend Fahrer im dichten Verkehr um eine Verbesserung. Die gelang aber nur Rosberg und Ferrari-Pilot Felipe Massa.
Den größten Frust schob allerdings Webber, der zwar technische Probleme mit dem KERS-System und der Elektrik hatte, aber letztlich durch eine Fehleinschätzung des Teams scheiterte. Man hatte darauf vertraut, trotz der Schwierigkeiten auch mit den langsameren härteren Reifen die zweite Runde zu erreichen. „Wir dachten, wir wären schnell genug, um es zu schaffen. Der weiche Reifen wäre natürlich sicherer gewesen“, sagte Webber, nach dessen Aussage die Entscheidung am Kommandostand getroffen wurde. „Es ist wirklich schade, dass wir nicht beide hier vorne stehen“, sagte Vettel: „Ich hoffe für Mark auf ein gutes Rennen.“
Enttäuscht war auch das deutsche Schlusslicht Timo Glock. Als 22. war der Virgin-Pilot erstmals in dieser Saison in der Qualifikation langsamer als sein neuer belgischer Teamkollege Jerome d'Ambrosio.
Die Startaufstellung
1. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red-Bull-Renault 1:33,706 Minuten, 2. Jenson Button (Großbritannien) McLaren-Mercedes 1:34, 421, 3. Lewis Hamilton (Großbritannien) McLaren-Mercedes 1:34,463, 4. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:34,670, 5. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari 1:35,119, 6. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari 1: 35,145, 7. Jaime Alguersuari (Spanien) Toro-Rosso-Ferrari 1:36,158, 8. Paul di Resta (Großbritannien) Force-India-Mercedes 1:36,190, 9. Sebastien Buemi (Schweiz) Toro-Rosso-Ferrari 1:36,203, 10. Witali Petrow (Russland) Renault ohne Zeit, 11. Adrian Sutil (Gräfelfing) Force-India-Mercedes 1:35,874, 12. Sergio Perez (Mexiko) Sauber-Ferrari 1:36,053, 13. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber-Ferrari 1:36,236, 14. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes 1:36,457, 15. Rubens Barrichello (Brasilien) Williams-Cosworth 1:36,465, 16. Nick Heidfeld (Mönchengladbach) Renault 1:36,611, 17. Pastor Maldonado (Venezuela) Williams-Cosworth 1:36,956, 18. Mark Webber (Australien) Red-Bull-Renault 1:36,468, 19. Heikki Kovalainen (Finnland) Lotus-Renault 1:37,894, 20. Jarno Trulli (Italien) Lotus-Renault 1:38,318, 21. Jerome d'Ambrosio (Belgien) Virgin-Cosworth 1:39,119, 22. Timo Glock (Wersau) Virgin-Cosworth 1: 39,708, 23. Vitantonio Liuzzi (Italien) Hispania-Cosworth 1:40,212, 24. Narain Karthikeyan (Indien) Hispania-Cosworth 1:40,445 (SID)
Ecclestone im Visier der Münchner Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft München hat im Zuge der Ermittlungen gegen den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ins Visier genommen. Laut eines Berichtes der Süddeutschen Zeitung wurde der 80 Jahre alte Brite am 6. April in München befragt, und zwar nicht als Zeuge, sondern als Beschuldigter. Der Verdacht lautet auf Beihilfe zur Untreue. Bei der Befragung durch Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl habe sich Ecclestone kooperativ gezeigt, schreibt die SZ.
Ecclestone bestätigte in einer von seinem Büro herausgegebenen Mitteilung, dass er in München gewesen ist. „Ich habe bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Fall von Dr. Gribkowsky seit ihrer Aufnahme kooperiert. Als ich informiert wurde, dass es einen ersten Verdacht bezüglich meiner Verwicklung in diesen Fall gab, bin ich Anfang des Monats dorthin gefahren, um mit der Oberstaatsanwältin und ihrem Team zu sprechen und die Anschuldigungen gegen mich zu klären“, sagte Ecclestone: „Ich bin sicher, wenn alle Fakten offen liegen, werde ich von den Vorwürfen freigesprochen, etwas Falsches getan zu haben.“
Gribkowsky war im Januar wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung, der Untreue und der Korruption in Untersuchungshaft genommen worden. Er soll im Zuge des Verkaufs der Formel-1-Anteile von der Bayerischen Landesbank an die Holdinggesellschaft CVC im Jahr 2006 knapp 50 Millionen Dollar (etwa 35 Millionen Euro) für angebliche Beratungen erhalten und in eine Stiftung in Österreich eingebracht haben, von denen weder die Landesbank noch das Finanzamt wussten. Möglicherweise sei das Geld von Ecclestone gekommen, lautet eine Vermutung.








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