FC Bayern München
Lahm irritiert über Fan-Attacken - Hoeneß "schockiert"
Auch Ribery kann die Proteste gegen Hoeneß nicht verstehen: "Ich weiß, dass ihm das sehr wehtut". HSV-Idol Seeler kritisiert die Fans.
Haben sich lieb: Mittelfeldstar Franck Ribery (l.) und Präsident Uli Hoeneß vom FC Bayern München
Foto: picture-alliance
München. Die Fanproteste gegen Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß beschäftigen nicht nur Medien und Verantwortliche des deutschen Rekordmeisters. Nach Sportdirektor Christian Nerlinger, Ehrenpräsident Franz Beckenbauer und Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber hat nun auch Mittelfeldstar Franck Ribéry sein Unverständnis über die Spruchband-Attacken zum Ausdruck gebracht. „Uli Hoeneß ist ein großer Mann. Und er lebt 1000 Prozent für den Klub, er hat ihn zu 1000 Prozent im Herzen. Ich kenne Hoeneß sehr gut – und ich weiß, dass ihm das sehr wehtut", sagte der französische Nationalspieler in der „tz“. "Wie kann man ihn nur beschimpfen? Ich kann das nicht verstehen, das ist nicht gut“, sagte Ribery.
Auch Kapitän Philipp Lahm verurteilte die Fan-Attacken als „irritierende Politik im Stadion“. Er hofft auf rückhaltlose Unterstützung aller Anhänger bei den kommenden Auftritten des FC Bayern München. „Ich würde mich freuen, wenn es das nächste Mal wieder so ist, dass alle ganz normal ins Stadion gehen, uns hoffentlich zu jubeln, weil wir gut spielen, und applaudieren. Dann ist es schön und das, was wir kennen und was auch ins Stadion gehört“, sagte Lahm.
Hoeneß wurde am Rande der Liga-Partie der Bayern gegen Borussia Mönchengladbach am vergangenen Sonnabend auf einem Plakat als „Lügner“ verunglimpft. Einige Fans verübeln ihm, dass der Klub sich entgegen Hoeneß' Ankündigung auf der jüngsten Jahreshauptversammlung für die Rettung des Lokalrivalen 1860 München einsetzte. Zudem sprechen sich die Anhänger gegen eine Verpflichtung von Nationaltorhüter Manuel Neuer vom FC Schalke 04 aus. „Ich bin mir sicher: Wenn Manuel Neuer irgendwann kommt, werden die Fans das vergessen. Sie sollten an das Wohl des FC Bayern denken, nicht an irgendwelche Feindschaften. Gerade wenn ein neuer Spieler kommt, braucht er die 100-prozentige Unterstützung der Fans“, sagte Geburtstagskind Ribery, der am Donnerstag 28 Jahre alt wurde.
Hoeneß selbst zeigte sich sehr betroffen: „Wegen meiner Hilfe für 1860 und, weil ich den Manuel Neuer nach unserem Spiel in München stark verteidigt habe, habe ich erwartet, dass eine Reaktion von gewissen Leuten kommt. Aber dass sie in der Form ausfällt, hätte ich nie für möglich gehalten. Entsprechend schockiert war ich am Sonnabend“, sagte Hoeneß am Donnerstag auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Nürnberg, wo die Bayern am Sonnabend beim Club antreten (15.30 Uhr/Sky und im Liveticker auf abendblatt.de).
Auf der Internetplattform Facebook hat sich derweil unter dem Motto „Gegengerade für Uli Hoeneß“ eine Unterstützer-Gruppe für den kritisierten Präsidenten formiert. „Kritik darf und muss sein, aber nicht persönlich diffamierend und beleidigend“, begründen diese Fans ihr Engagement für den Mann, der „maßgeblich dazu beigetragen hat, den Verein dorthin zu führen, wo er jetzt steht“. Bis Donnerstagmittag hatte die Gruppe über 4500 Mitglieder. Für das Heimspiel am 17. April gegen Bayer Leverkusen hat sie Aktionen mit Spruchbändern und Sprechchören angekündigt.
Auch Tage nach den Spruchband-Attacken haben den deutschen Meister unterdessen „unzählige Anrufe, Faxe, Briefe und E-Mails“ erreicht. Auf der Internetseite veröffentlichte der Klub unter anderem Stellungnahmen von DFB-Präsident Theo Zwanziger, DFB-Ehrenspielführer Uwe Seeler, Bastian Schweinsteiger und Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer. Die Botschaft: So darf man mit dem „Mr. FC Bayern“ Uli Hoeneß nicht umgehen.
„Uli Hoeneß hat als Spieler und danach in anderen Funktionen sehr viel für den FC Bayern München und den Fußball in Deutschland getan“, betonte Zwanziger. „Parolen und Spruchbänder, wie sie am Sonnabend zu lesen waren, sind absolut nicht tolerierbar.“ Seeler hofft, dass es bei einer einmaligen Aktion bleibt. „Ich glaube, wir sollten gewarnt sein und ein bisschen aufpassen, dass da keine Dauergeschichten draus werden. Das wäre für unseren Fußball sehr schade“, sagte das Idol des Hamburger SV.
Simon Müller von der Ultra-Gruppierung Schickeria, die als Kern der Kritiker gilt, verteidigte das jüngste Vorgehen: „Wir wollen Uli Hoeneß nicht stürzen und auch seine Verdienste nicht in Abrede stellen“, sagte er dem "Merkur".
Unterdessen kündigte Dribbelkünstler Ribery an, auch im Falle einer verpassten Qualifikation für die Champions League in München zu bleiben. „In meinem Kopf steht fest: Ich bleibe beim FC Bayern. Ich fühle mich gut hier. Ich will nicht weg“, sagte Ribery. Er rechne fest damit, dass die in diesem Jahr titellosen Münchner in der kommenden Saison eine „sehr gute Mannschaft“ haben werden.
Auch Teamkollege Mario Gomez will dem FCB treu bleiben: „Es ist nicht so, dass ich vorhabe, den Verein zu verlassen. Auch nicht nach Ablauf meines Vertrages“, sagte der Nationaltorhüter der "Bild"-Zeitung. Ribery ist noch bis 2015, Gomez bis 2013 an die Bayern gebunden. Weil die in der Bundesliga derzeit drittplatzierten Münchner aber noch nicht wissen, ob sie 2011/12 in der Champions League vertreten sein werden, hatten verschiedene Medien über einen Exodus der Stars spekuliert. Arjen Robben hatte diesen Gedankenspielen Nahrung gegeben, als er betonte, keine Lust auf die Europa League zu haben. (dpa/sid/abendblatt.de)








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