Bayern München
Entscheidung heute - kein Bekenntnis zu van Gaal
Bayern unterlag in Hannover, Trainer van Gaal muss um seinen Job bangen. Gladbach siegte gegen Hoffenheim, Schalke unterlag beim VfB.
Seit der Saison 2009/10 trainierte Louis van Gaal den FC Bayern München. Am 10. April wurde er entlassen
Foto: dpa
Hannover. Die Bayern-Krise verschärft sich. Auf den Frust folgte die Flucht. Sportdirektor Christian Nerlinger suchte um 17.33 Uhr schweigend das Weite, Präsident Uli Hoeneß verschwand 17 Minuten später ebenfalls wortlos. Und auch dem zumindest etwas auskunftsfreudigeren Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge wollte nach Bayern Münchens 1:3 (0:1) bei Hannover 96 kein Bekenntnis zu Trainer Louis van Gaal über die Lippen gehen.
Eine Entscheidung soll frühestens am Sonntag getroffen werden. «Wir müssen jetzt erst einmal eine Nacht darüber schlafen und die Situation dann in aller Nüchternheit analysieren», sagte der 55-Jährige: «Wir haben acht katastrophale Tage hinter uns. Das Spiel in Hannover war der Tiefpunkt der Saison. Wir müssen überlegen, wie wir den Fall stoppen können.»
Ob van Gaal bei diesen Planungen noch eine Rolle spielt, ist fraglich. Nach der dritten Pflichtspiel-Pleite innerhalb von einer Woche scheinen die Tage des Niederländers bei den Bayern gezählt. Erst das DFB-Pokal-Aus am Mittwoch gegen Schalke 04, nun ist auch die Qualifikation für die Champions League und damit das Minimalziel in der Bundesliga akut gefährdet.
Von Spitzenreiter Borussia Dortmund redet man in München ohnehin nicht mehr. Hannover als Tabellendritter ist nun ebenfalls schon um fünf Punkte enteilt, Bayer Leverkusen hat als Zweiter sieben Zähler mehr als der deutsche Rekordmeister auf dem Konto - und es bleiben nur neun Spiele für die Aufholjagd.
«Die Situation wird immer gefährlicher. Wir müssen wirklich aufpassen und versuchen, positiv zu bleiben. Aber das ist schwierig», sagte Superstar Arjen Robben, der seinem Team mit dem Tor zum 1:2 (55.) noch einmal Hoffnung gegeben hatte. Am Ende starb auch diese.
«In der zweiten Halbzeit haben meine Spieler mit Löwenherz gekämpft. Das war sehr gut, aber es reicht nicht», sagte van Gaal und blieb bei Fragen nach seiner Zukunft zumindest äußerlich gelassen: «Das ist natürlich in den Medien ein Thema, aber ich habe immer das Vertrauen des Vorstandes gespürt. Ich mache immer meine Arbeit. Aber nach der dritten Niederlage in Folge wird es natürlich schwierig. Da muss der Vorstand Entscheidungen treffen.»
So wirklich überzeugt scheinen die Bayern-Verantwortlichen von ihrem Coach nicht mehr. Hoeneß hatte bereits im vergangenen Oktober die öffentliche Konfrontation mit van Gaal gesucht und diesen beim Pay-TV-Sender Sky attackiert. Der dem Trainer wohlgesinnte Rummenigge versuchte anschließend, zwischen den beiden Streithähnen zu vermitteln, scheint inzwischen aber wohl auch nicht mehr uneingeschränkt zu van Gaal halten zu wollen. Schließlich wäre das Verpassen der Champions League für die Bayern der Super-GAU. Nicht nur finanziell. In der kommenden Saison findet in der heimischen Arena das Finale der Königsklasse statt. Da wäre Deutschlands Klassenprimus gern mittendrin statt nur dabei.
«Jetzt ist aber schon die Qualifikation in Gefahr. Wir müssen an uns glauben, auch wenn das momentan nicht so einfach ist», sagte Torhüter Thomas Kraft, der sich beim entscheidenden dritten 96-Treffer durch Sergio Pinto (62.) einen haarsträubenden Fehler leistete und auch beim ersten Gegentor durch Mohammed Abdellaoue (16.) keine gute Figur abgab. Das zwischenzeitliche 2:0 erzielte Konstantin Rausch (51.). «Ich habe schlecht gespielt», gestand Kraft, der in der Winterpause von van Gaal ins Tor gehievt worden war: «Die zwei Fehler haben uns die Punkte gekostet.» Allein für die Niederlage verantwortlich war der 22-Jährige aber keineswegs.
Erneut ging das Offensivkonzept mit den Flügelstars Robben und Franck Ribery als Eckpfeilern viel zu selten auf. Abspielfehler und mangelnde Durchschlagskraft taten ihr Übriges. «Ich wusste, dass sehr viel Druck auf den Schultern meiner Spieler lastet», sagte van Gaal: «Aber das sind Spieler einer Spitzenmannschaft, die damit umgehen müssen - wie ich auch.»
Dem Brasilianer Breno gelang das nicht. Er sah nach einer Tätlichkeit die Rote Karte (73.) und fehlt am kommenden Wochenende gegen den Hamburger SV. Ersatz muss her - für den Abwehrspieler, vielleicht aber auch schon für van Gaal.
Weiter enttäuschend tritt auch der Schalke 04 auf. Der DFB-Pokal-Sieg bei den Bayern brachte keinen Rückenwind für die Bundesliga. Der Vizemeister spielte beim VfB Stuttgart desolat, verlor 0:1 (0:1) und muss wohl das Pokalfinale gegen den MSV Duisburg gewinnen, um in der kommenden Saison wieder international dabei zu sein. Für die Schwaben war der Sieg überlebenswichtig, das Team von Trainer Bruno Labbadia kletterte auf den 15. Tabellenplatz und wäre damit am Saisonende gerettet.
Auch Borussia Mönchengladbach feierte einen enorm wichtigen Erfolg und schöpft wieder Hoffnung. Ein 2:0 (0:0)-Sieg gegen 1899 Hoffenheim durch ein Elfmetertor von Filip Daems (66.) und einen Treffer von Igor de Camargo (70.) bedeutete den zweiten Dreier im zweiten Heimspiel unter Trainer Lucien Favre. Das Liga-Schlusslicht liegt nur drei Punkte hinter dem VfB, Werder Bremen und dem 1. FC Kaiserslautern.
Zittern muss wieder der FC St. Pauli, der vom 1. FC Nürnberg phasenweise vorgeführt wurde - am Ende stand es 0:5 (0:3). Christian Eigler (14./17./86./87.) entschied das Duell mit einem Viererpack, nachdem Philipp Wollscheid seinen ersten Bundesliga-Treffer zum 1:0 erzielt hatte (3.).
Eintracht Frankfurt festigte unfreiwillig den Ruf als «Torlos Frankfurt». Nach einem 0:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern sind die Hessen seit 723 Minuten ohne Treffer, holten aber immerhin ihren zweiten Punkt im Jahr 2011. Der FCK liegt mit 25 Punkten auf dem Relegationsplatz 16, Frankfurt hat drei Zähler mehr auf dem Konto.
In Stuttgart kam die entscheidende Szene ebenfalls in der ersten Viertelstunde. Der Schalker Benedikt Höwedes hielt im Liegen den Ball mit der Hand auf und sah die Rote Karte (14.), den Elfmeter verwandelte Zdravko Kuzmanovic zum Siegtreffer. Die Schalker Fans entrollten ein Riesenplakat mit der Aufschrift «Magath raus».
Borussia Dortmund hatte am Freitag einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zum siebten Meistertitel gesetzt. Nach dem hochverdienten 1:0-Sieg gegen den 1. FC Köln, den Robert Lewandowski (44.) sicherstellte, benötigt der BVB maximal noch fünf Siege und legte alle Zurückhaltung ab. «Wir wollen Meister werden! «, sagte Sportdirektor Michael Zorc.
Am Sonnabendabend (18.30 Uhr) empfängt Bayer Leverkusen den VfL Wolfsburg - ohne Michael Ballack. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft bat Trainer Jupp Heynckes um Freistellung und arbeitete stattdessen alleine an seinen Defiziten. Am Sonntag wird der 25. Spieltag mit den Begegnungen SC Freiburg gegen Werder Bremen (15.30 Uhr) und Hamburger SV gegen FSV Mainz 05 (17.30 Uhr, beide live bei Sky und Liga total!) komplettiert.
Dortmund weiter auf Meisterkurs
Borussia Dortmund dominiert auf dem Weg zur deutschen Fußball-Meisterschaft weiterhin Gegner und Liga. Der Bundesliga-Tabellenführer gewann sechs Tage nach der Gala beim Titelverteidiger Bayern München (3:1) auch das West-Duell mit dem 1. FC Köln hochverdient mit 1:0 (1:0) und blieb mit dem 50. Punktspielsieg in der Ära von Trainer Jürgen Klopp in der Rückrunde weiter ungeschlagen. Zugleich bauten die Westfalen ihren Vorsprung auf Verfolger Bayer Leverkusen zumindest vorübergehend auf 15 Punkte aus.
Robert Lewandowski erzielte vor 80.720 Zuschauern in der ausverkauften Arena mit seinem sechsten Saisontreffer (44.) das Tor des Tages und verdarb dem Tabellenelften aus Köln, der 2011 zuvor nur eine Niederlage kassiert hatte und einen klaren Aufwärtstrend verriet, die Karnevalsstimmung. Zudem verloren die Kölner ihren Kapitän Lukas Podolski verletzungsbedingt. Die BVB-Fans dagegen feierten ihre Mannschaft noch lange nach dem Schlusspfiff.
„Wir waren haushoch überlegen“, sagte der kurzfristig verletzte Innenverteidiger Mats Hummels: „Es ist skurril, dass wir bis zum Ende haben zittern müssen. Wir hätten mehr als zwei, drei Tore schießen müssen. Aber wichtig war der Sieg, und wir sind jetzt in einer wunderbaren Ausgangslage.“
Wenige Stunden vor dem Anpfiff musste BVB-Trainer Jürgen Klopp eine Änderung in der Anfangsformation vornehmen. Beim Abschlusstraining klagte Nationalspieler Mats Hummels über Rückenschmerzen und wurde durch den Brasilianer Felipe Santana ersetzt. Im Tor der Borussia stand wieder der genesene Roman Weidenfeller, der beim 3:1 bei Bayern München vom Australier Mitchell Langerak hervorragend vertreten wurde.
Weidenfeller erlebte eine relativ ruhige erste Halbzeit, denn die Kölner versuchten fast ausschließlich mit Kontern zum Erfolg zu kommen. Die Westfalen agierten mit der in Heimspielen gewohnten Dominanz und erspielten sich bereits in der 7. Minute die erste große Chance, als Lucas Barrios im letzten Moment am Einschuss gehindert wurde. Erstmals strecken mussten sich FC-Keeper Michael Rensing bei einem wuchtigen Freistoß von Neven Subotic (10.) aus rund 30 Metern.
Mit seinem schnellen Flügelspiel setzte der BVB die Kölner unter Druck und hatte schließlich Pech, dass Kevin Pezzoni einen Schuss von Barrios in der 18. Minute noch auf der Linie klären konnte. Köln zeigte sich beeindruckt vom aggressiven Forechecking der Gastgeber, die kaum Räume zum kontrollierten Spielaufbau eröffneten.
In einer einseitigen Partie schien der Führungstreffer der Borussia nur eine Frage der Zeit zu sein. Allein bei Torhüter Rensing konnten sich die Kölner bedanken, dass sie nicht schon frühzeitig klar in Rückstand gerieten, zumal der Ex-Münchner mit einem sehenswerten Reflex einen Kopfball von Santana aus nur zehn Metern nach einem Eckball von Mario Götze parierte. In der 44. Minute war Rensing dann aber machtlos, als Lewandowski mit einem wuchtigen Linksschuss von der Strafraumgrenze erfolgreich war.
Auch nach dem Wechsel stand Rensing im Blickpunkt, als er gegen Kevin Großkreutz und Subotic in Weltklasse-Manier parierte und Köln im Spiel hielt. Der FC vergab seine einzige große Chance durch Milivoje Novakovic nach einem Blackout der BVB-Abwehr (56.). Doch die brisanteren Szenen sahen die Fans auf der anderen Seite, wo die Dortmunder wieder einmal in Serie Möglichkeiten zur Vorentscheidung ungenutzt ließen, zweimal Aluminium trafen - oder die Duelle mit dem überragenden Rensing verloren. Die Borussen hatten in Subotic und Nuri Sahin ihre herausragenden Akteure. Bei den Kölnern vermochte neben Rensing vor allem Pezzoni zu überzeugen. (sid)
(SID/abendblatt.de)








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