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Sport

Eishockey: Hamburg vor dem Aus im Viertelfinale gegen Berlin

Wenn heute der Vorhang fällt ...

... wäre das schlechteste Abschneiden der Freezers in ihrer Geschichte perfekt. Hinter den Kulissen läuft vor der möglichen Abschiedsvorstellung in der Color-Line-Arena (19.30 Uhr) die Zukunftsplanung.

Hamburg. Jere Karalahti hatte keinen Redebedarf. "Ich möchte nichts sagen", erklärte der Verteidiger nach dem gestrigen Training in der Volksbank-Arena und verschwand in der Kabine. Der Mann mit der bewegten Vergangenheit ist einer von wenigen echten Typen im Team der Hamburg Freezers, einer, der auch bei den Fans gut ankommt.

Ob die Anhänger den 33-Jährigen auch in Zukunft in Hamburg spielen sehen, ist ungewiss. Gleiches gilt für Torhüter Jean-Marc Pelletier (31), den konstantesten Leistungsträger in dieser Saison. Der Vertrag des US-Amerikaners läuft ebenfalls aus. "Habt bitte Verständnis dafür, dass ich mich nicht äußern möchte", gab sich auch der Goalie gestern bedeckt.

Die heutige vierte Viertelfinalpartie gegen die Eisbären Berlin (19.30 Uhr/Color-Line-Arena) könnte gleich in mehrfacher Hinsicht zur Abschiedsvorstellung werden. Sportlich, weil dem Meister aus der Hauptstadt nur noch ein Sieg zum Weiterkommen fehlt. Personell, weil nach der über weite Strecken verkorksten Saison - die noch immer mit dem schlechtesten Abschneiden der Freezers-Geschichte enden könnte - nicht nur bei den Profis das große Stühlerücken ansteht. Dies sind die Hauptfiguren:

Die Spieler: Nur sechs Hamburger Profis (Stephan Retzer, Alexander Barta, Francois Fortier, John Tripp, Peter Sarno und Richard Mueller) besaßen Verträge über diese Saison hinaus. Verlängert wurde bislang offiziell nur der Kontrakt mit Vitalij Aab (bis 2011). Auch Thomas Pielmeier soll ein neues Angebot angenommen haben. Bleiben 16 (!) Spieler aus dem aktuellen Kader, bei denen die Zukunft offen ist. Dass sich die Freezers-Führung in einigen Fällen die Weiterverpflichtung gründlich überlegt, ist verständlich. Auf der anderen Seite konnten bislang weder Neuzugänge noch die Verlängerung der Verträge mit Stars wie Karalahti oder Pelletier vermeldet werden. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass bis vor kurzem der wohl geringer ausfallende Etat für die kommende Saison nicht genehmigt war. Ein Argument, das bei den teilweise maßlos verärgerten Spielern, die sogar zu Gehaltseinbußen bereit sein sollen, auf wenig Verständnis stößt. "Es ist ein Unding, wie mit uns umgegangen wird", sagte ein Profi dem Abendblatt."Hier findet jedes Jahr ein Umbruch statt, und dann spielt man wieder nur im Mittelmaß."

Der Sportdirektor: Mehr als die Etatfrage behindert die zumindest offiziell ungeklärte Zukunft von Bob Leslie die Planungen. Spieler klagen über einen fehlenden Ansprechpartner, vermuten, dass ein möglicher Nachfolger längst die Fäden zieht. Leslie selbst scheinen dagegen die Hände gebunden zu sein. Dem Kanadier könnte neben dem sportlichen Abschneiden sein meist freundlicher Umgang mit den Profis zum Verhängnis werden.

Der Coach: Der als "Feuerwehrmann" für den entlassenen Bill Stewart verpflichtete Paul Gardner schaffte mit dem Team über die Hoffnungsrunde den Einzug ins Viertelfinale. Trotzdem ist auch die Weiterverpflichtung des Kanadiers ungewiss. Sollte ein neuer Sportdirektor mit einem bestimmten Trainer zusammenarbeiten wollen, könnte der ehemalige NHL-Spieler trotz guter Bilanz auf der Strecke bleiben.

Die Sponsoren: Die Geldgeber sind alles andere als glücklich über den Negativtrend der Freezers, der an den zurückgehenden Zuschauerzahlen (siehe unten) abzulesen ist. Premiumsponsor Volksbank, der sich als Namensgeber der neuen Trainingshalle stark an den Klub gebunden hat, will den Freezers dennoch in unveränderter Form die Treue halten. Die Hauptsponsoren Vattenfall und Holsten überdenken ihr Engagement. Mit Thomas Kriner wurde ein neuer Marketingleiter engagiert.

Der Geschäftsführer: Boris Capla dürfte die einzige Konstante im Konstrukt Freezers bleiben. Der seit der Gründung für den Klub tätige und häufig kritisierte Hauptverantwortliche scheint weiterhin das Vertrauen von Freezers-Eigner Anschutz-Entertainment zu genießen.

 

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