02.09.10

Handball-Bundestrainer im Interview

Herr Brand, sind Fußballer dümmer als Handballer?

Handball-Bundestrainer Heiner Brand kommt zum Tag der Legenden ans Millerntor. Er hatte schon Angebote, ein Fußballteam zu trainieren.

Foto: dpa
Heiner Brand ist das Gesicht bzw. der Schnauzbart des deutschen Handball-Sports. Seit 1997 hat er das Sagen bei der Nationalmannschaft. Nun will er offenbar aufhören
Heiner Brand wird beim "Tag der Legenden" am Sonntag am Millerntor mit Horst Hrubesch das Fußball-Team Deutschland betreuen.

Hamburg. Handball-Bundestrainer Heiner Brand , 58, wird beim "Tag der Legenden" am Sonntag am Millerntor mit Horst Hrubesch, 59, das Fußball-Team Deutschland betreuen. Im Abendblatt-Interview spricht Brand, Handball-Weltmeister als Trainer und als Spieler, über seine Beziehung zum "großen Bruder".

Abendblatt:

Herr Brand, was verbindet Sie mit Fußball?

Heiner Brand:

Ein großes Interesse. Ich war bei der WM in Südafrika, habe mir dort ein paar Spiele angesehen. Und ich habe immer sehr gern Fußball gespielt, ich glaube auch ganz ordentlich. Wenn ich nicht in Gummersbach, sondern in Gelsenkirchen geboren worden wäre, wer weiß, was aus mir geworden wäre ...

Als Sie Trainer wurden, haben Sie Ihren Handballern erst einmal den Fußball weggenommen.

Das war zu Beginn meiner Trainerkarriere beim VfL Gummersbach. Ich wollte andere Inhalte und Schwerpunkte setzen. Bei der Nationalmannschaft darf nach dem Warmmachen wieder Fußball gespielt werden. Das macht den Jungs Spaß, und der sollte bei jedem noch so intensiven Training dabei sein.

Was fasziniert Handballer am Fußball?

Der Ball. Viele spielen inzwischen auch gern Basketball.

Beim "Tag der Legenden" betreuen Sie das Fußball-Team Deutschland. Wird das ein intellektueller Abstieg?

Wie kommen Sie auf diesen Unsinn?

Weil der gemeine Fußballer als dümmer gilt als ein Handballer.

Wer sagt so was?

Ihr ehemaliger Nationalspieler Volker Michel, der gerade eine Spielergewerkschaft für Handballer gegründet hat.

Die Zeiten sind doch längst vorbei. Handball und Basketball galten einst als intellektuelle Sportarten, weil sie vornehmlich von Studenten betrieben wurden. Der Fußball spricht eine weit größere Menge Menschen an, da mag der Ausbildungsstand im Durchschnitt dann etwas niedriger liegen. Inzwischen haben sich die Verhältnisse angenähert, durch die Professionalisierung im Handball, die den meisten keine Zeit mehr fürs Studium lässt, aber auch durch die Internate im Fußball, in denen viel Wert auf eine schulische Ausbildung gelegt wird.

Was können Handballer und Fußballer voneinander lernen?

Eine Menge. Der Austausch unter den Sportarten ist immer förderlich, aufgrund des engen Terminkalenders kommt er jedoch zu selten zustande.

Was gäbe es zu besprechen?

Trainingslehre, Anforderungsprofile, aber auch Taktik. Nehmen Sie Deutschland - England bei der WM. Die deutschen Tore sind ähnlich wie bei einem Gegenstoß im Handball gefallen. Ich könnte Ihnen die Laufwege von Klose, Özil oder Müller aufzeigen, die habe ich jetzt noch vor Augen. Gewisse Spielzüge, Auslösehandlungen oder Abwehrverhalten sind beim Fußball und Handball ähnlich, nur dass die Pässe mit der Hand genauer als mit dem Fuß sind und dadurch auch besser planbar werden.

Könnten Sie eine Fußballmannschaft trainieren?

Ich hatte Angebote, nicht aus den höchsten Ligen, aber knapp darunter. Es wäre jetzt anmaßend zu sagen, dass ich das könnte, aber ich könnte das vielleicht lernen, zum Beispiel die Funktion einer Doppelsechs. Machen würde ich das nur mal zum Spaß.

Eine Frage noch zum Handball. Kürzlich haben Bundesliga-Handballer die Spielergewerkschaft GOAL gegründet. Ein Ziel sei es, Belastungen zu reduzieren, vor allem die Zahl internationaler Meisterschaften. Ist das ein Angriff auf Ihren Arbeitsbereich als Bundestrainer?

Grundsätzlich begrüße ich jede Organisation, die Interessen des Handballs vertritt, auch wenn ich diese Gruppierung nicht als Gewerkschaft sehe, sondern als Vertretung von Topmanagern; denn das sind Handballprofis gemäß ihren Einkünften inzwischen. Die Bedeutung der Nationalmannschaft für den Handball als Sportart, auch für den Marktwert der Spieler, ist nicht hoch genug anzusiedeln. Die Vereine kommen an diese Popularität nicht annähernd heran, sie profitieren von den Erfolgen der Nationalmannschaft. Unser WM-Gewinn von 2007 wirkt bis heute nach, gerade bei Jugendlichen, die nach wie vor in die Klubs strömen. Jedes Jahr eine EM oder WM auszuspielen stärkt den Handball. Nur in den Olympiajahren sollte man auf diese Turniere verzichten. EM im Januar und Olympia im August, das ist wirklich zu viel.

(rg)
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