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Sport

Appetitmacher auf die Bundesliga

Die HSV-Handballer gewinnen den Supercup durch ein 27:26 über den THW Kiel

München. Die Handballer des HSV haben zum vierten Mal den Supercup gewonnen, zum dritten Mal gegen Rekordmeister THW Kiel. "Mit solch einem Erfolg kann man doch entspannt in die neue Saison gehen. Wir werden ihn aber nicht überbewerten. Es gibt noch viel zu tun", meinte HSV-Trainer Martin Schwalb nach dem - nur am Ende - glücklichen 27:26-(13:11)-Sieg.

Die verhaltene Freude wurde durch zwei Verletzungen getrübt. Guillaume Gille kugelte sich einen Finger aus, Hans Lindberg knickte mit dem Fuß um. Weitere Diagnosen folgen heute.

Wie selbstbewusst die Kieler nach dem Gewinn der Champions League und des 16. deutschen Meistertitels in die neue Saison gehen, ließen sie schon in den Tagen vor dem Supercup anklingen. Andere Vereine, hieß es an der Förde, würden dieses Spiel dazu nutzen, ihren Briefkopf zu verzieren, für den THW sei die Begegnung dagegen ein Vorbereitungsspiel auf die Bundesliga. Es mag aber nicht allein Gehässigkeit und ein weiterer Giftpfeil in Richtung des ungeliebten HSV gewesen sein, vielleicht war es auch eine Erklärung dafür, warum die Kieler ausgerechnet in diesem Wettbewerb weniger erfolgreich sind als in Meisterschaft und Pokal. Bei nun 13 Teilnahmen haben sie gerade fünfmal gesiegt. Diesmal fehlten ihnen mit den Langzeitverletzten Daniel Narcisse und Kim Andersson sowie Rechtsaußen Christian Sprenger (Knöchel) zudem drei Leistungsträger.

Die wohl dennoch derzeit beste Handballmannschaft der Welt startete dann auch entsprechend schwach. 4:0 führten die Hamburger nach fünfeinhalb Minuten, 5:1 nach zehn, und die 8200 Zuschauer in der Olympiahalle hatten in der Anfangsphase nichts erkennen können, was die Kieler ansonsten auszeichnet. Tempo, Aggressivität, Zweikampfstärke - kaum etwas war davon zu sehen. Der Hallen-DJ musste die Musik laut aufdrehen, um das Publikum ein bisschen in Stimmung zu bringen.

Der HSV wirkte wacher, ehrgeiziger und bemühter, sich vor dem Bundesligastart am Sonnabend in Göppingen einzuspielen. Kreisläufer Bertrand Gille wurde von seinen Kollegen aus dem Rückraum wiederholt gekonnt eingesetzt. Der Franzose warb nicht nur mit seinen Toren für eine Vertragsverlängerung über 2011 hinaus. Er sorgte an der Sechsmeterlinie auch für so viel Unruhe, dass der Kieler Deckung in der ersten Halbzeit oft der entscheidende Schritt fehlte, die Distanzschüsse der Hamburger früh zu attackieren.

Weil sich aber auch die HSV-Profis zahlreiche Ballverluste leisteten, fiel es dem THW nicht schwer, den Rückstand nach 30 Minuten mit 11:13 moderat zu gestalten. Vor allem Christian Zeitz, der die Hamburger mit seinen Gewaltwürfen aus acht, neun Metern schon um die Meisterschaft gebracht hatte, tat sich dabei hervor. Er überwand den starken HSV-Torhüter Per Sandström sechsmal. Es ist Kiels Trainer Alfred Gislasons Verdienst, dem 29-Jährigen wieder zur Geltung gebracht zu haben. Bundestrainer Heiner Brand war in der Vergangenheit öfter an der taktischen Disziplinlosigkeit des Linkshänders verzweifelt.

Als Rechtshänder Michael Kraus von halbrechts, das ist gewöhnlich die Position der Linkshänder, den HSV in der 40. Minute mit seinem ersten Tor zum 19:14 in Führung warf, hatte dieser Treffer vor allem elektrisierende Wirkung auf die Kieler. Sie zeigten plötzlich mehr Leidenschaft, mehr Willen und kämpften sich wieder auf 20:22 heran. Genau das ist die Qualität dieser Mannschaft, die Klasse des Meisters, dass kein Rückstand ihn schrecken kann. Diesmal schienen jedoch vier Zweiminutenstrafen kurz hintereinander eine erfolgreiche Aufholjagd zu verhindern. Die Kieler warfen sich dennoch 70 Sekunden vor Schluss auf 25:26. Der HSV behielt trotz Unterzahl die Übersicht. Bundesligatorschützenkönig Hans Lindberg schaffte im Gegenzug das 27:25. Aber die Hamburger mussten weiter zittern. Henrik Sundström verkürzte auf 26:27, und in der Schlusssekunde traf Zeitz nur den Pfosten. In einem Meisterschaftsspiel hätte er wahrscheinlich besser gezielt ...

Tore, Hamburg: Lindberg 8 (3 Siebenmeter), Vori 4, B. Gille 3, Kraus 2, Hens 2, M. Lijewski 2, Lackovic 2, Flohr 2, G. Gille 2. Kiel: Jicha 7 (3), Zeitz 6, Reichmann 5, Palmersson 3, Ilic 2 (2), Ahlm 1, Klein 1, Sundström. Schiedsrichter: Hartmann/Schneider (Magdeburg). Zuschauer: 8156. Zeitstrafen: 2; 4.

 

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