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Sport

Leichtathletik-EM

Tränen bei Sailers Staffel - Hamburger Münch schon draußen

Ein Wechselfehler der deutschen Frauen-Staffel sorgte für das Aus. Diskuswerfer Harting steht im Finale, Markus Münch warf schwach.

Bitter: Beim letzten Wechsel des deutschen Quartettts von Anne Möllinger (rechts) auf Europameisterin Verena Sailer fällt der Staffelstab zu Boden.
Foto: dpa/DPA

Barcelona. Der Leichtathletik-Tag begann mit bitteren Tränen statt einer Goldmedaille: Ein Wechselfehler zwischen Anne Möllinger und 100-m-Europameisterin Verena Sailer (beide Mannheim) hat Deutschlands Leichtathleten zum Auftakt des fünften EM-Tages von Barcelona um eine weitere Goldchance gebracht. Sailer kam im 4x100-m-Vorlauf beim zweiten Versuch, den Stab zu packen, zu Fall. Auch Startläuferin Yasmin Kwadwo (Wattenscheid) und Marion Wagner (Mainz) waren nach dem Malheur in Tränen aufgelöst. Dagegen erreichten die Männer auf der gleichen Distanz in 38, 75 Sekunden als Schnellste der beiden Vorläufe das Finale und auch beide 4x400-m-Staffeln jeweils als Vorlaufzweite.

„Ich habe den Stab leicht gespürt, aber an der Außenkante der Hand, nicht in der Hand. Es wäre total falsch, Anne jetzt die alleinige Schuld zu geben. Wenn, dann sind wir beide schuld“, meinte Verena Sailer, die in der Vereinsstaffel zusammen mit Möllinger an der gleichen Position läuft und eigentlich eingespielt ist. Allerdings hatte Sailer, die das 100-m-Finale in 11,10 Sekunden gewonnen hatte, bereits im EM-Finale 2006 in Göteborg zusammen mit Kathleen Tschirch einen zur Disqualifikation führenden Wechselfehler produziert.

Anne Möllinger, die an Position drei hinter Yasmin Kwadwo und Marion Wagner lief, meinte: „Ich bin ins Stolpern gekommen, weiß auch nicht, wie das passiert ist. Es hat sonst alles wunderbar geklappt.“

obias Unger, Marius Broening (beide München), Alexander Kosenkow (Wattenscheid) und Martin Keller (Chemnitz) gewannen den Vorlauf vor Portugal. Frankreich, das sich in 38,50 Sekunden mit Deutschland die Europajahresbestzeit teilt, erreichte als Sieger des zweiten Vorlaufs ohne den im Finale zum Einsatz kommenden 100- und 200-m-Europameister Christoph Lemaitre 39,12 Sekunden. Auf der Strecke blieb überraschend Mitfavorit Großbritannien, das nach einem Wechselfehler als Fünfter im Rennen der Franzosen ausschied. Disqualifiziert wurde im deutschen Lauf auch Medaillenkandidat Italien.

Die deutsche Staffel nahm kurzfristig eine Umbesetzung vor, nachdem sich 200-m-Spezialist Sebastian Ernst (Wattenscheid) beim Aufwärmen eine leichte Oberschenkelzerrung zugezogen hatte. Für ihn kam Keller ins Team. Schnellste Frauen-Staffel im ersten Vorlauf war Russland in 43, 23, im zweiten Rennen die Ukraine. Als Siebter schied Slowenien mit Schlussläuferin Merlene Ottey in 44,30 aus. Mit 50 Jahren ist die gebürtige Jamaikanerin die älteste EM-Teilnehmerin aller Zeiten. Die zweimalige 200-m-Weltmeisterin hat in ihrer Karriere 29 Medaillen bei fünf Olympischen Spielen (9), sechs Weltmeisterschaften (14) und vier Hallen-Weltmeisterschaften (6) gewonnen. In 11,74 Sekunden hatte Ottey noch in diesem Jahr einen Masters-Weltrekord für über 50-Jährige erzielt.

Über 4x400 m sind vor allem die deutschen Frauen Medaillenkandidat. Janin Lindenberg (Magdeburg), Esther Cremer (Wattenscheid), Jill Richards (Berlin) und Claudia Hoffmann (Potsdam) wurden in ihrem Vorlauf in 3:29,67 Minuten Zweite hinter Italien (3:27,95). Bei den Männern war Vorlaufsieger Belgien in 3:03,49 schneller als Kamghe Gaba (Frankfurt), Bastian Swillims (Wattenscheid), Jonas Plass (Wendelstein) und Thomas Schneider (Potsdam) in 3:03,83.

Diskus-Weltmeister Robert Harting hat vor dem Diskus-Finale am Sonntag (19.45 Uhr) auf seiner Homepage (www. derHarting.de) zur „Schlacht von Barcelona“ aufgerufen. Nach dem Vorstoß in den Endkampf mit starken 66,93 m in der Qualifikation relativierte der Berliner seine Kritik am Deutschen Leichtathleti-Verband (DLV). Er forderte dabei nicht wie zuvor seine Medienbeauftragte per Pressemitteilung, sein Bruder Christoph müsse eine Förderungsgarantie erhalten, wenn er selbst in Barcelona sehr erfolgreich abschneide.

Harting erreichte am Sonnabend mit dem zweiten Wurf der Qualifikation das Finale. Nach 63,17 m, die im ersten Versuch wohl auch zum Weiterkommen gereicht hätten, erzielte der Berliner im zweiten Durchgang 66,93 m. Damit warf er weiter als Estlands Olympiasieger Gerd Kanter auf Anhieb 65,43 m geschafft hatte.

„Ich bin in der Kürze der Zeit heute morgen noch nicht richtig warm geworden, deshalb lief es anfangs noch ein wenig ruppig“, sagte Harting und meinte weiter: „Beim ersten Versuch habe ich wahrscheinlich ein bisschen zu viel Kraft gespart. Da hat dann das Timing nicht gestimmt. Mit dem zweiten Wurf bin ich zufrieden. Damit kann ich beruhigt ins Finale gehen.“

Verlangt wurden in Runde eins 63,50 m. Allerdings reichten zum Vorstoß unter die 12 Besten letztlich 61,97 m. Dies schaffte auch Martin Wierig (Magdeburg) als Gesamtneunter mit 62,57 m. Dagegen scheiterte der von Los-Angeles-Olympiasieger Rolf Danneberg trainierte Hamburger Markus Münch (Wedel/Pinneberg) als 24. mit schwachen 58, 81 m.

 

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