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Sport

Tour de France

Kein Happy End für Armstrong - Fedrigo gewinnt

Am landete der Amerikaner nach einer langen Flucht nur auf Platz sechs in Pau. Contador bleibt in Gelb und entschuldigt sich.

Lance Armstrong zeigte noch einmal seine Klasse am Berg.
Foto: AP

Pau. Nach einer 195-km-Flucht und einem wahren Kraftakt in den Pyrenäen stand der siebenmalige Toursieger Lance Armstrong mit leeren Händen da. Der 38-Jährige musste sich auf der 16. Etappe der 97. Tour de France über 199,5 km von Bagneres-de-Luchon nach Pau mit dem sechsten Platz begnügen und verpasste damit den ersehnten Tagessieg. Stattdessen triumphierte der Franzose Pierrick Fedrigo vor seinem Landsmann Sandy Casar und dem Spanier Ruben Plaza.

Trotzdem stand einen Tag nach den Streitereien zwischen den beiden Topfavoriten Alberto Contador und Andy Schleck wieder Armstrong im Mittelpunkt. Der Texaner organisierte bereits kurz nach dem Start eine Ausreißergruppe und zeigte seine beste Leistung nach einer für seine Verhältnisse bislang desaströsen Tour. Der Texaner hatte in den Bergen bislang eine schwache Vorstellung abgeliefert und mehr als eine halbe Stunde auf die Favoriten verloren.

Die Favoriten auf den Tour-Sieg heißen Contador und Schleck, die sich nach dem sportlichen und verbalen Schlagabtausch diesmal aber eine Verschnaufpause gönnten. Beide erreichten das Ziel im Hauptfeld. Damit liegt Contador in der Gesamtwertung weiter acht Sekunden vor Schleck, nachdem der Spanier am Montag einen technischen Defekt seines Kontrahenten eiskalt zum Machtwechsel ausgenutzt hatte. Inzwischen hat sich Contador für seine Unsportlichkeit entschuldigt.

Die sportlichen Schlagzeilen gehörten diesmal aber Armstrong. Wenige Kilometer nach dem Start ergriff der RadioShack-Kapitän mit neun weiteren Flüchtlingen das Weite. In der Formation ging es schließlich über vier Pyrenäen-Riesen, angefangen mit dem Col de Peyresourde (Kategorie 1) über den Col d'Aspin (Kat. 1) bishin zum Tourmalet und Aubisque. Mit dem Tourmalet erhielten die Fahrer schon einmal einen Vorgeschmack auf Donnerstag, wenn der 2115 m hohe Pyrenäen-Riese Zielort der 17. Etappe ist.

Für Armstrong dürfte damit die Tour ohne Etaqppensieg zu Ende gehen. Für den früheren Weltmeister, der seine letzte Tour und sein letztes Radrennen in Europa fährt, wäre es der insgesamt 23. Tour-Etappensieg seiner Karriere gewesen. Seinen letzten hatte er 2005 beim Zeitfahren in St. Etienne errungen.

Die gewohnten Negativ-Schlagzeilen in Sachen Doping blieben Armstrong aber erneut nicht erspart. Armstrongs indirekter Vorwurf, Greg LeMond habe seinen Tour-Sieg 1989 durch Doping errungen, ließ der Beschuldigte nicht auf sich sitzen. «Mister Armstrong sollte sich mehr sorgen um die augenblicklichen Ermittlungen der Bundesbehörden, als zu versuchen, mich unter Seinesgleichen einzureihen. Es ist absurd, dass er versucht zu unterstellen, dass einer meiner Siege wie seine zustande gekommen ist», sagte LeMond der Süddeutschen Zeitung.

Der 16. Etappentag bei der Tour begann unterdessen, wie er am Montag endete - mit hitzigen Diskussionen. Die «unfaire» Machtübernahme von Contador war immer noch in aller Munde. Immerhin blieben dem Mann in Gelb diesmal Pfiffe erspart. Als der reumütige Contador umringt von 20 Kamera-Teams am Dienstag zum Start der 16. Etappe der Tour de France rollte, hatte sich die feindselige Stimmung ein wenig gelegt. Zuvor hatte der amtierende Tour-Sieger mit einer späten Entschuldigung bei Andy Schleck zur Deeskalation beigetragen.

«Als ich attackierte, hatte Andy ein mechanisches Problem. Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht. Es tut mir leid», sagte der Spanier per Videobotschaft. «In der Phase des Rennens denkt man nur daran, schnell zu fahren. Ich bin nicht glücklich über die Umstände, weil für mich Fair Play sehr wichtig ist.»

Das Stimmungsbarometer war allerdings eindeutig. Während bei Contador nur leises Klatschen ertönte, wurde Schleck mit großem Jubel am Start empfangen. Selbst im Peloton waren die Reaktionen unterschiedlich. Jens Voigt schlug sich auf die Seite seines Teamkollegen Schleck. «Die Bilder sind eindeutig. Er muss ihn gesehen haben, er wäre ihm ja fast hinten rein gefahren», sagte der Berliner. «Da kann sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Wir müssen sehen, dass wir die Wut von Andy in einen vernünftigen Angriff kanalisieren.»

Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag verteidigte Contador hingegen. «Irgendwann müssen wir auch mal Rennen fahren», sagte der Ex-Profi dem SID. «Was hat es Ullrich denn 2003 gebracht zu warten? Anschließend ist ihm Armstrong noch davon gefahren.» Jan Ullrich hatte vor sieben Jahren gewartet, als Lance Armstrong auf dem Weg nach Luz-Ardiden stürzte. Der Texaner gewann die Etappe am Ende.

Nach den ersten drei Pyrenäen-Etappen können die Fahrer am Mittwoch in Pau erst einmal verschnaufen, bevor es am Donnerstag zum erwarteten Schlagabtausch auf dem Tourmalet kommt. Auf der 174 km langen Etappe liegt das Ziel auf dem 2115 m hohen Pyrenäen-Riesen.

Etappen


(SID/abendblatt.de)

Der Etappenplan der 97. Tour de France im Überblick

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