05.07.10

Fußball-WM in Südafrika

Dank Löws "Boy Group": Bundesliga ist WM-Gewinner

28 Spieler aus Deutschlands Eliteliga sind in den Halfbfinals vertreten. Bayern München führt die Torschützenliste der Vereine an.

Foto: dpa/DPA
WM 2010 - Argentinien - Deutschland
Bundesliga unter sich: Miroslav Klose (l.) und Martin Demichelis.

Hamburg. Dank Joachim Löws "Boy Group" darf sich die Bundesliga schon jetzt als großer Gewinner der Fußball-WM fühlen. Mit ihren erfrischenden Auftritten am Kap hat die Nationalmannschaft das Ansehen der deutschen Eliteliga, die mit 28 Spielern das stärkste Kontingent der vier Halbfinalisten vor Spaniens Primera Division (24) stellt, unabhängig vom Ausgang der Titeljagd in Südafrika enorm gesteigert.

"Durch die extrem starke Leistung der Nationalmannschaft hinterlässt der deutsche Fußball weltweit einen beachtlichen Fußabdruck. Die Bundesliga erhält dadurch einen starken Schub, denn das globale Interesse wird durch die attraktiven Auftritte gesteigert", sagte Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Nach der englischen Premier League (104) stellte die Bundesliga (78) die meisten Spieler bei der Weltmeisterschaft. "Das ist eine Entwicklung, auf die die Clubs sehr stolz sein dürfen. Die Bundesliga hat ihre Position im internationalen Wettbewerb gestärkt. Entscheidend ist, dass sie attraktiv ist und die Fans rund um den Globus begeistert sind", erklärte Seifert.

Der FC Bayern München führt vor den letzten vier Turnierspielen zudem die WM-Torschützenliste der Vereine an. Zehnmal trafen die Spieler vom deutschen Rekordmeister bisher. Dahinter folgen die Profis vom Champions-League-Sieger Inter Mailand (8) und Europa- League-Gewinner Atletico Madrid (6).

"Der Stellenwert der Bundesliga hat sich schon in der abgelaufenen Saison gesteigert. Durch die Erfolge auf Vereinsebene wurde viel Respekt erworben. Die Bayern haben ja auch auf internationalem Parkett eine überragende Saison gespielt", meinte Bundestrainer Löw. Als Ursache für den Aufschwung nannten sowohl er als auch DFL-Boss Seifert die vor acht Jahren intensivierte Talentförderung. "Im Nachwuchsbereich der Bundesliga ist alles verbessert worden. Es wurde mehr Augenmerk auf technische Intelligenz gelegt. Die Ausbildung ist sehr gut geworden", lobte Löw.

Mehr als eine halbe Milliarde Euro investierten die Bundesligisten seit der Saison 2002/03 in die Nachwuchsleistungszentren, die seither für den Lizenzerhalt zwingend vorgeschrieben sind. Allein in der abgelaufenen Spielzeit waren es 83 Millionen Euro. "Das ist auch ein Grund, warum die Nationalmannschaft so gut ist", meinte Seifert. 19 der 23 Spieler aus dem WM-Aufgebot hätten ihre Ausbildung in einem Bundesliga-Nachwuchszentrum genossen.

Löw erwartet, dass seine jungen Schützlinge in Zukunft noch begehrter werden. "Die Sichtweise auf die deutschen Spieler hat sich verändert. Ich denke, bei den europäischen Top-Vereinen ist verstärkt Interesse vorhanden. Das war in den vergangenen Jahren nicht der Fall", sagte der Bundestrainer. Für die Bundesliga sei es "sehr gut, dass die Nationalspieler in Deutschland spielen". Ein Vorteil für die DFB-Auswahl sei dies aber nicht, "denn auch im Ausland können junge Spieler ihren Horizont erweitern und sich entwickeln."

Bastian Schweinsteiger hofft eher auf den umgekehrten Effekt. "Wir haben in der Bundesliga an Qualität gewonnen. In Zukunft wird es auch so sein, dass die großen Spieler nach Deutschland kommen", mutmaßte der bislang überragende Bayern-Mittelfeldspieler. Auch Seifert glaubt: "Die Bundesliga könnte für den einen oder anderen Star attraktiver werden." Er schränkte jedoch ein: "In der Liga der absoluten Weltstars hat momentan aber nur der FC Bayern München die Möglichkeit, mitzubieten."

Pressestimmen zum 4:0-Sieg über Argentinien
Pressestimmen zu Deutschlands Super-Sieg
THE SUN (England): "Deutschland vernichtet Diegos Star-Ensemble und marschiert ins WM-Halbfinale."
Marca (Spanien): "Deutschland hat Maradonas Argentinien gedemütigt!"
AS (Spanien): "Deutschland bringt Maradona und ganz Argentinien zum Schweigen."
Gazzetta dello Sport (Italien): "Spektakuläres Deutschland demütigt Argentinien!"
L'Equipe (Frankreich): "Die deutsche Vorführung!"
Clarin (Argentinien): "Die Selección verabschiedet sich gedemütigt von der WM."
Olé (Argentinien): "Diego, der Junge heißt Müller..."
Terra (Brasilien): "Deutschland hat sich mit einem Massaker von 4:0 das Halbfinale gesichert."
Kronen Zeitung (Österreich): "DFB-Express überrollt Diegos Argentinien 4:0."
Politiken (Dänemark): "Joachim Löw hat erneut bewiesen, dass er ein Klassetrainer ist und in einer Woche die Nr. 1 auf der Welt sein kann. Die Deutschen zogen Maradonas Männer einfach aus."
Fyens Stiftstidende (Dänemark): "Deutschlands multiethnische Elf ist jetzt der absolute Titelfavorit. Seit Netzer und Beckenbauer 1972 hat es keine bessere Mannschaft gegeben."
Expressen (Schweden): "Man kann das einfach nur genießen. Diese herrliche deutsche Mannschaft lässt das Schwere kinderleicht aussehen."
Dagbladet (Norwegen): "Die ersten sechs Minuten der deutschen Elf rund um das 1:0 waren vielleicht der beste Fußball, der jemals gespielt wurde. Der Hunger in der Löw-Mannschaft macht sie jetzt zum klaren WM-Favoriten."
The Sunday Times (Indien): "Argentinien auf allen Vieren - Maradonas Traum zerplatzt, als seine Mannschaft von den Deutschen verprügelt wird."
The Hindu (Indien): "Deutschland vernichtet Argentinien - Präziser, flüssiger Angriff und unüberwindliche Abwehr zerschmettern Maradonas Traum."
Dawn (Pakistan): "Deutschland verprügelt Messis Argentinien mit 4:0."
The Daily Star (Bangladesch): "Adios Argentina - Diegos Männer von skrupellosen Deutschen demontiert."
The Kathmandu Post (Nepal): "Blendend aufgelegte Deutsche spazieren ins Halbfinale."
Straits Times (Singapur): "Cry for me Argentina. Maradonas Team wurde - obwohl es angeblich mit Messi den besten Spieler der Welt in seinen Reihen hat - von einer jungen Mannschaft bloß gestellt, die mehr Disziplin zeigte und bessere Tricks drauf hatte."
Haaretz (Israel): "Joachim Löw war sicherlich nie ein Fußballer wie Maradona, aber als Coach hat er ihn spektakulär übertroffen. Wenn alles darauf aufgebaut ist, alle fünf Minuten zu beten und sich bei Messi einzuschleimen, wie Maradona es während des Turniers getan hat, dann können die Dinge nur in Tränen enden."
Sonntag (Schweiz): "Das Bild vom deutschen Panzer ist längst vergilbt. Deutschland ist jung, dynamisch, offensiv und vor allem sympathisch. Dafür brauchte es einen positiv verrückten Trainer wie Löw."
NZZ am Sonntag (Schweiz): "Die Mannschaft von Trainer Joachim Löw hat mit einer eindrücklichen Vorstellung ein Kapitel WM-Geschichte geschrieben, an dessen Ende die Titel-Hoffnung in Erfüllung gehen könnte. Für Argentinien und Diego Maradona ist dieses Kapitel Geschichte geschlossen."
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