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HSV Handball

Heute wird Handballstar Michael Kraus Hamburger

Die Verhandlungen mit dem HSV stehen vor dem Abschluss. Der Nationalspieler wird den TBV Lemgo nach drei Jahren verlassen.

Michael "Mimi" Kraus, 26, spielte bisher 95-mal für Deutschland.
Foto: dpa

Hamburg. Es gehört zu den Gepflogenheiten von Spielertransfers, dass Käufer und Verkäufer ihre Verhandlungspositionen bis zum letzten Moment ausreizen. Die Regel ist: Wer zuerst wackelt, zahlt drauf. Auch im Fall des Handball-Berufsspielers Michael "Mimi" Kraus geht es um viel Geld. Dass Andreas Rudolph, 55, der Präsident der HSV-Handballer, gestern das Abendblatt wissen ließ, er sitze in der Sonne und genieße den Tag, darf dann fast schon als Vollzug des spektakulären Wechsels interpretiert werden. Schon morgen Abend soll der Weltmeister von 2007 in Hamburg als Neuzugang des HSV vorgestellt werden.

In den vergangenen Tagen hörte sich das noch anders an. "Wir haben keinen Platz für ihn", sagte Rudolph. Volker Zerbe aber ließ die Handballwelt nicht im Unklaren: "Die Verhandlungen sind auf der Zielgeraden", gab der Manager des TBV Lemgo preis. Obwohl Sonnyboy Kraus bei den Ostwestfalen nicht mehr gelitten ist und den Bundesligasiebten ein Jahr vor Vertragsende verlassen muss, forderte der neue EHF-Pokalsieger lange Zeit eine halbe Million Euro Ablöse für den Nationalspieler. Die scheint jetzt vom Tisch, zumindest in dieser Größenordnung. Kraus soll in Hamburg einen Vertrag bis 2015 erhalten - wie sein neuer HSV-Kollege Pascal Hens, 30. Der Spielmacher würde sich nach seiner Unterschrift in die Riege der Spitzenverdiener des HSV einreihen. Kraus' Jahresgehalt dürfte um die 480 000 Euro brutto liegen.

Der 1,83 Meter große Rechtshänder ist mit Rudolph befreundet und der Wunschspieler des Präsidenten. "Vor allem durch ihn sind wir 2007 Weltmeister geworden", sagt Rudolph. Dass der HSV auf Kraus' Positionen im zentralen und linken Rückraum mit Domagoj Duvnjak, 22, Guillaume Gille, 33, Blazenko Lackovic, 29, und Hens bereits hervorragend besetzt ist, galt innerhalb des Vereins als Argument gegen dessen Verpflichtung. Auf der anderen Seite wollte der HSV Kraus' Qualitäten nicht unbedingt der Konkurrenz überlassen, weil zum Beispiel die Rhein-Neckar Löwen offenbar willens sind, den überschaubaren Markt an Spitzenspielern leer kaufen zu wollen.

In der Nationalmannschaft konnte Kraus zuletzt nicht mehr an seine Leistungen bei der Heim-WM 2007 anknüpfen. Nach der enttäuschenden EM im Januar dieses Jahres in Österreich, die mit Platz zehn für die Deutschen endete, nahm ihm Bundestrainer Heiner Brand die Kapitänsbinde und übertrug sie Hens. Beim HSV hoffen sie auf die Macht des Teams. Noch hat es die Mannschaft jedem Spieler vermitteln können, was sie auf und abseits des Feldes von ihm erwartet. Kraus könnte ihr härtester Fall werden.

HSV-Rechtsaußen Hans Lindberg, der wahrscheinlich neue Torschützenkönig der Bundesliga, wurde bei der Wahl zum Bundesligaspieler der Saison 2009/2010 Zweiter hinter Kiels Filip Jicha. (rg/leo)