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Tajbert bleibt Weltmeister

Es war Erstaunliches, das Ricardo Torres im Presseraum der Rostocker Stadthalle zu verkünden hatte. Überrascht sei er gewesen, so der Trainer des mexikanischen Superfedergewichtlers Hector Velazquez, dass sein Schützling den Kampf mit WBC-Weltmeister Vitali Tajbert verloren habe. Tajbert sei zwar ein guter Boxer mit viel Potenzial, aber um ein richtiger Champion zu werden, müsse er lernen, sich auf ver-schiedene Stile einzustellen, und vor allem dürfe er sich nicht wie ein Amateur bewegen, sondern müsse sich wie ein Profi dem Kampf stellen. Tajbert lauschte den Worten, bedankte sich für den Ratschlag, um dann einen Treffer anzubringen, wie er ihm im Ring in den etwas mehr als acht Runden nicht gelungen war. „Velazquez war deshalb nie Weltmeister, weil er sich eben nicht so bewegt wie ich“, sagte er.

Tatsächlich hat der 35 Jahre alte Mexikaner in seinen 68 Profikämpfen viel Erfahrung gesammelt, das jedoch reich-te nicht, um dem 27 Jahre alten Stuttgarter wirklich gefährlich zu werden. Dabei hatte Tajbert bereits in der zweiten Runde bei einem unabsichtlichen Kopfstoß einen tiefen Cut am linken Augenlid erlitten, der mit sieben Stichen genäht werden musste, und der ihn fortan aus dem Rhythmus brachte. „Ich konnte nur noch schlecht sehen und hatte auch Angst, dass die Verletzung schlimmer wird. Deshalb habe ich doch etwas verhalten geboxt“, sagte Tajbert. Als der englische Ringrichter Richard James Davies das Duell nach Anraten von Ringarzt Walter Wagner eingangs der neunten Runde abbrach, lag der gebürtige Kasache auf allen drei Punktzetteln völlig zu Recht mit vier bis sechs Runden vorn und erhielt deshalb einen technischen Punktsieg zugesprochen. Dass Torres dennoch dar-auf beharrte, sein Schützling habe gewonnen, mutete umso lächerlicher an, wenn man weiß, dass beim WBC der Punktestand nach der vierten und achten Runde öffentlich gemacht wird. Wer dann von einem Urteil überrascht wird, dem kann nicht geholfen werden.

Für Tajbert, der gelernt hat, seine Kraft nicht für überflüssige Mätzchen beim Lächerlichmachen seiner Gegner zu vergeuden, sondern sie für gezielte Aktionen und eine stabilere Deckung zu benutzen, war der Sieg auch aus einem weiteren Aspekt wichtig. Dem Olympiadritten von Athen 2004 droht wegen einer Schlägerei in einer Stuttgarter Diskothek zu Jahresbeginn eine Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung. Ein Urteil steht in dem Fall noch aus, Tajberts Anwälte arbeiten an einer außergerichtlichen Einigung mit dem Geschädigten, der nach einem Schlag Tajberts ins Koma gefallen war. Tajbert selbst, der von dem Opfer und zwei weiteren Männern angegriffen worden sein soll und auf Notwehr plädiert, darf und will sich zum laufenden Verfahren nicht äußern. Dennoch gab er zu, dass ihn die Situation doch arg belaste. „Natürlich ist es unangenehm, wenn ständig Fragen zu dem Fall kommen und man sich auf einen Kampf konzentrieren soll. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich trotz des großen Drucks gewonnen habe“, sagte er.

 

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