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Chagaev: "Muss beweglicher werden, um Haye zu schlagen"

Ruslan Chagaev besiegte den Australier Kali Meehan einstimmig nach Punkten. Jetzt will er WBA-Weltmeister David Haye schlagen.

Ruslan Chagaev aus dem Hamburger Universum-Boxstall bezwang in Rostock den Australier Kali Meehan einstimmig nach Punkten (118:110, 117:111, 117:112).
Foto: ZB/DPA

Rostock. Ruslan Chagaev ist ein Mann, der die leisen Töne bevorzugt. Der usbekische Schwergewichtler aus dem Hamburger Universum-Stall ist keiner, der vor seinen Kämpfen durch große Sprüche auffällt, und auch keiner, der danach mit seiner Leistung prahlen würde. Insofern war es nicht verwunderlich, dass der 31-Jährige nach seinem einstimmigen Punktsieg (118:110, 117:111, 117:112) über den Australier Kali Meehan nicht in Jubelstürme ausbrach, sondern eher versuchte, den Erfolg nüchtern einzuordnen. „Ich habe mich gut gefühlt“, sagte Chagaev, „aber wenn ich Haye schlagen will, muss ich noch viel härter trainieren, viel beweglicher und konsequenter werden.“

David Haye ist WBA-Weltmeister, und weil Chagaevs Duell gegen Meehan zum Ausscheidungskampf um das Herausforderungsrecht bestimmt worden war, darf der Rechtsausleger nun auf die Chance hoffen, sich den WBA-Titel zurückzuholen, den er von April 2007 bis zu seiner ersten Niederlage im Juni 2009 gegen den ukrainischen IBF/WBO-Weltmeister Wladimir Klitschko gehalten hatte. Seitdem hatte Chagaev nicht mehr im Ring gestanden, er hatte sich von Trainer Michael Timm getrennt und war zu Magomed Schaburow gewechselt. Die ersten Früchte dieses Wechsels konnte der „weiße Tyson“ vor 3700 Fans in der Rostocker Stadthalle ernten, er zeigte sich in der Beinarbeit verbessert und überzeugte durch einen ruhigeren Kampfstil, der auf gezieltere Attacken aus der Distanz aufbaut. Allerdings erreichte Chagaev gegen den in puncto Geschwindigkeit deutlich unterlegenen Meehan das Niveau seines besten Kampfes, dem Sieg über den russischen Riesen Nikolai Valuev vom Berliner Sauerland-Team im April 2007, auch diesmal nicht.

Überhaupt darf man sich sicherlich fragen, warum ein Kampf zwischen einem von Klitschko vorgeführten und elf Monate inaktiven Chagaev und einem 40 Jahre alten Meehan, der zuletzt im August 2008 gekämpft hatte, überhaupt als Eliminator angesetzt worden war, aber da der Weltverband WBA in der jüngeren Vergangenheit für so manch undurchsichtige Entscheidung gut war, ist es vielleicht auch nicht so wichtig, das wirklich verstehen zu wollen. Meehan gab jedenfalls unumwunden zu, sich im Ring „rostig“ gefühlt zu haben. „Das soll aber keine Entschuldigung sein, Ruslan war der bessere Mann und hat das Zeug, es noch einmal zum Weltmeister zu bringen“, schob der Australier nach, während sein inzwischen kaum noch zu ertragender US-Starpromoter Don King fabulierte, er habe „Chagaev noch nie besser gesehen als an diesem Abend“. Dazu schwenkte er gewohnt grenzdebil seine Fähnchen und biederte sich bei den Gastgebern an: „Ick bein ein Rostocka!“ Darüber lachen wirklich nur noch wenige.

Dietmar Poszwa, Mitglied der Universum-Geschäftsleitung, der zum wiederholten Mal seinen Schwiegervater und Universum-Chef Klaus-Peter Kohl vertrat, konnte zu Chagaevs Zukunftsplanung nichts Konkretes beisteuern. „Wir haben Interesse an einem Kampf gegen Haye, aber er hat seinen Titel Anfang April gegen John Ruiz pflichtverteidigt, deshalb hat er Zeit für die nächste Pflicht und kann erstmal freiwillig verteidigen“, sagte er. Zudem hat der Brite eine Option auf ein Rematch mit Valuev, außerdem steht eine Titelvereinigung mit einem der Klitschko-Brüder im Raum. Chagaevs neuer Trainer Schaburow hätte auch kein Problem damit, auf Haye noch ein wenig zu warten. „Mir wäre es lieb, wenn wir vorher noch zwei Kämpfe machen, damit Ruslan perfekt vorbereitet in das Duell gehen kann“, sagte er.

 

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