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Sport

Volleyball

Staelens folgt bei VT Aurubis auf von Soosten

Der Niederländer gilt als exzellenter Volleyballfachmann, akribischer Arbeiter und hervorragender Motivator.

Hamburg. Mit einem verbreiteten Irrtum möchte Jean-Pierre Staelens gleich zu Beginn des Gesprächs aufräumen. Er wäre zwar im belgischen Gent geboren, sei aber Niederländer. Staelens, 54, ist der neue Trainer der Volleyballerinnen des VT Aurubis, und er weiß, dass er in den nächsten Wochen und Monaten mehr korrigieren muss als eine falsch kolportierte Staatsbürgerschaft. Unter seinem Vorgänger Helmut von Soosten, 46, waren die Frauen in fünf Jahren nicht über einen vierten Platz in der Bundesliga hinausgekommen, in der abgelaufenen Spielzeit wurden sie nur Tabellensiebter.

AURUBIS BEENDET SAISON ALS SIEBTER

Das gilt es zu ändern. Hauptsponsor und Namensgeber Aurubis, der den Verein mit jährlich rund 600.000 Euro unterstützt, hat aus diesem Grund den 54-Jährigen geholt. Er gilt als exzellenter Volleyballfachmann, akribischer Arbeiter, hervorragender Motivator, klar in der Ansprache, einer, der sich vor seine Mannschaft stellt, Fehler auf sich nimmt und seine Spielerinnen schützt.

Drei Gründe, sagt Staelens, hätten den Ausschlag gegeben, beim VT Aurubis zuzusagen, „die individuelle Klasse des Kaders, die Zukunftsperspektive mit der neuen Spielhalle in Neugraben, dazu die Qualität und Verlässlichkeit des Sponsors“. Ein vierter fällt ihm sogleich ein, „die Stadt mit ihrem internationalen Flair“. Seine Frau wird ihn deshalb nach Hamburg begleiten. Und vielleicht stoßen irgendwann auch seine Töchter Chaine oder Kim dazu, beides Profi-Volleyballerinnen.

Staelens hat sich am Montag und Dienstag in Fischbek mit Manager Horst Lüders, 65, getroffen. Von Soosten war verhindert, er genießt derzeit seinen Urlaub in Brasilien. Der Ex-Trainer soll sich künftig um Organisation, Jugend- und Nachwuchsarbeit sowie Schul- und Breitensport kümmern. Seine neue Arbeitsplatzbeschreibung lieferte Aurubis-Vorstand Michael Landau, 64: „Er darf alles machen außer Training und Spielvorbereitung.“ Staelens hat dem Klub seine Prioritätenliste mit Spielerinnen vorgelegt, mit denen er in der nächsten Saison zusammenarbeiten möchte. Dafür wertete er in den vergangenen Tagen Videos und schriftliche Spielaufzeichnungen aus. Bislang stehen nur fünf Spielerinnen bei Aurubis bis 2011 unter Vertrag. Zudem gilt es die beiden Französinnen Stéphanie Volle und Séverine Lienard, zwei Leistungsträgerinnen, zu ersetzen, die sich in ihrer Heimat eine berufliche Zukunft aufbauen wollen.

„Ich habe meine Wünsche genannt“, sagt Staelens, „der Verein muss jetzt entscheiden, wen er zu welchen finanziellen Bedingungen verpflichten kann. Ist die Nummer eins meiner Liste nicht zu haben, müssen wir es mit der Nummer zwei versuchen.“ Spielerinnen des VfB Suhl, seines vorherigen Arbeitgebers, würde Staelens ungern nach Hamburg holen. „Das ist nicht mein Stil“, sagt er. Das Interesse an Diagonalangreiferin Paulina Gomulka, 25, leugnet er nicht. Die Polin hat sich bereits auf die Transferliste setzen lassen.

Ein Trauerfall in der Familie ließ Staelens zuletzt kaum Zeit, um sich auf seinen neuen Job vorzubereiten. Jonathan Walsh, der Verlobte seiner Tochter Chaine, starb im Alter von 32 Jahren nach einem geplatzten Aneurysma. Erst am vergangenen Dienstag kehrte Staelens von der Trauerfeier aus Kanada zurück. Deswegen hatte er auch das letzte Saisonspiel des VfB Suhl in Schwerin versäumt.

Mit Aurubis, sagt Staelens, möchte er in der nächsten Saison um die deutsche Meisterschaft spielen, zumindest die Play-offs der ersten vier erreichen. Das sei man allein schon dem Sponsor schuldig. „Ich würde dem Unternehmen für sein großartiges Engagement gern etwas zurückgeben“, sagt Staelens. Solche Töne vernimmt man auf der Peute, in der Zentrale des größten Kupferproduzenten Europas, mit Wohlgefallen. Vorgänger von Soosten quälte den Vorstand zu oft mit Gewinnwarnungen. Die dürften der Vergangenheit angehören. Staelens hasst Ausreden. „Dafür werde ich nicht bezahlt.“

(rg)

 

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