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Sport

Hamburger Abendblatt Interview

Jonathan Fröschle: "Wir können mit jedem Gegner mithalten"

Der Eckenspezialist Jonathan Fröschle vom Club an der Alster erzählt im Interview, warum das Team die Play-offs erreichen wird.

Jonathan Froeschle(l) gegen Tobias Hauke.
Foto: WITTERS/Witters Sport Presse Fotos

Hamburg. Als Eckenspezialist kann Jonathan Fröschle (23) einen wichtigen Teil beitragen, um mit dem Club an der Alster noch die Play-offs um die deutsche Feldhockey-Meisterschaft zu erreichen. Dazu müsste der Tabellenneunte aus den verbleibenden drei Spielen in Nürnberg (Sa., 16 Uhr), gegen den Berliner HC (So., 16 Uhr) und Rüsselsheim (25.April, 14 Uhr) mindestens sechs Punkte holen. Wie das gehen kann, erklärt der in Hamburg geborene Jurastudent, der sich mit seinem früheren Klubkollegen Fabian Wolski eine WG in Winterhude teilt, im Interview.

Abendblatt: Herr Fröschle, warum erreicht der Club an der Alster auch in dieser Saison die Play-offs der besten acht Teams?

Jonathan Fröschle: Wenn wir geschlossen auftreten, dann können wir mit jedem Gegner mithalten. Wir haben starke Einzelspieler, einen Weltklasse-Torhüter, viel Erfahrung und einen großartigen Trainer. Wir müssen nur das abrufen, was wir können.

Warum hat das in den bisherigen acht Spielen nicht geklappt?

Uns hat vor der Winterpause Disziplin gefehlt und auch die Dominanz, die wir früher ausgestrahlt haben. Wir haben auf Biegen und Brechen versucht, jedes Spiel zu gewinnen, anstatt Schritt für Schritt zum Erfolg zu kommen und erst einmal sicher in der Defensive zu stehen. Aber wir haben das mehrfach analysiert und hoffen, dass wir die richtigen Schlüsse gezogen haben. Wenn wir torgefährlicher werden und unsere Standards besser nutzen, werden wir es schaffen.

Wirkt sich das Fehlen von Sebastian Biederlack, der diese Saison in Spanien verbringt, aus?

Natürlich, er ist einer der besten Spieler der Welt. Die Ruhe, die er in die Defensive gebracht hat, und seine enorme Laufbereitschaft, die fehlt uns. Auch der Abgang von Benny Laatzen und der verletzungsbedingte Ausfall von Tobias Hentschel haben uns sicherlich nicht stärker gemacht.

Sie sind als Abwehrchef und Führungsspieler mehr denn je gefordert. Liegt Ihnen diese Rolle?

Mir macht sie auf jeden Fall viel Spaß. Ich kann den Verlauf des Spiels beeinflussen und die Taktik ansagen. Das ist reizvoll.

Sind Sie auch außerhalb des Hockeyplatzes ein Mensch, der Verantwortung übernimmt?

Naja, im Privatleben bin ich schon ruhiger, aber grundsätzlich bin ich ein ehrgeiziger Typ, der gern Verantwortung trägt. Das mag daher kommen, dass ich mit drei älteren Brüdern und zwei jüngeren Schwestern schon mein ganzes Leben lang daran arbeite, mich durchzusetzen.

Beim Achtelfinale der Euro Hockey League über Ostern waren Sie sogar Kapitän.

Ja, aber das war nur vorübergehend. In der Liga ist diese Rolle Oliver Hentschel vorbehalten.

Haben Sie das bittere Aus in der EHL schon verarbeitet, oder schleppt man so etwas in die Bundesliga hinüber?

Ich hoffe es nicht. Natürlich hat das Aus sehr weh getan, denn die EHL ist der Höhepunkt der Saison. Aber wir haben über weite Strecken gegen Titelverteidiger Bloemendaal gesehen, dass wir auf höchstem Niveau mithalten können. Wir haben zwar 2:6 verloren, aber sind deutlich unter Wert geschlagen worden. Das sollte uns eher Mut machen.

Ihr Lokalrivale Uhlenhorster HC hat Bloemendaal im Viertelfinale ausgeschaltet. Was macht der UHC derzeit besser als Alster?

Sie haben vor allem ein unfassbares Jugendsystem, aus dem sie immer wieder neue Talente in die erste Mannschaft führen. Da laufen von Woche zu Woche Spieler auf, die wir noch nie gesehen haben. Uns fehlt dieses Korsett, weil unsere Jugend noch nicht so weit ist. Aber daran arbeiten wir. Unser Ziel muss es sein, es dem UHC nachzumachen und pro Jahr mindestens zwei Talente in die Bundesliga zu bringen.

Alster hatte lange das Image des reichen Klubs, der sich seine Spieler zusammenkauft. Ist jetzt eine Abkehr davon in Gange?

Definitiv. Derzeit sind wir noch auf externe Spieler angewiesen. Aber wir arbeiten daran, auf die eigene Jugend zu setzen. Das ist auf Dauer billiger und bringt mehr Erfolg, weil die Spieler viel motivierter sind, wenn sie aus der eigenen Jugend kommen.

Wurmt es Sie, dass der UHC Alster den Rang abgelaufen hat?

Natürlich geht das nicht spurlos an uns vorüber. Wir wollen die Nummer eins in Hamburg sein. Aber dass der UHC in der EHL das Halbfinale erreicht hat, darüber haben wir uns gefreut. Wir erkennen an, dass die momentan ein Stückchen besser sind als wir.

Sie selbst haben die vergangene Saison bei Polo de Barcelona gespielt. Was haben Sie in dieser Zeit sportlich gelernt?

In Spanien wird viel mehr Wert auf technisches Spiel gelegt. Das war eine gute Erfahrung. Allerdings lernt man auch die Stärke der Bundesliga schätzen. Hier kann jeder jeden schlagen. In Spanien gibt es nur vier Teams, die eine Rolle spielen.

Als Führungsspieler bei Alster müssten Sie den Anspruch haben, auch für die Nationalmannschaft aufzulaufen. Warum hat das bislang nicht geklappt?

Das weiß ich selbst nicht. Ich war im vergangenen Jahr zu zwei Lehrgängen eingeladen. Danach hat sich der Bundestrainer jedoch nicht wieder bei mir gemeldet. Ich hätte schon erwartet, dass er mir wenigstens sagt, was ich falsch gemacht habe. Ist aber nicht passiert. Deshalb gehe ich davon aus, dass ich unter der jetzigen Führung auch keine Chance mehr habe. Das Thema ist abgehakt.

 

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