78. Deutsche Meisterschaften
Tischtennis: Boll verpasst Rekord, Süß erstmals Meister
Trier. Es hätte ein Tag für die Geschichtsbücher werden sollen: Mit einem Sieg im Finale der 78. deutschen Tischtennismeisterschaften in Trier hätte Timo Boll den zehnten Einzeltitel gewonnen und damit Conny Freundorfer und Eberhard Schöler von der Bestenliste verdrängt. Doch diesen Triumph verhinderte Bolls Finalgegner und Doppelpartner Christian Süß. Mit 4:3 Sätzen schlug Süß seinen Vereinskameraden aus Düsseldorf und erfüllte sich einen Traum: er wurde zum ersten Mal deutscher Meister. "Ich wollte gegen Timo unbedingt das Beste aus der Situation machen. Und es hat letztendlich gereicht", freute sich der 24-Jährige nach der umkämpften Partie.
Süß sah schnell wie der sichere Sieger aus und führte bereits mit 3:1, als Boll im fünften Satz doch noch eine Aufholjagd startete. Nachdem der Titelverteidiger die folgenden zwei Sätze für sich entscheiden konnte, überzeugte der aggressiver spielende Süß im entscheidenden siebten Satz.
Dennoch gab sich Boll souverän: "Das ist kein Weltuntergang für mich. Diesmal hat es mit dem zehnten Titel nicht geklappt, aber ich habe sicher noch weitere Chancen." Der Weltranglistenvierte, der heute seinen 29. Geburtstag feiert, hatte vor der Meisterschaft eine schmerzhafte Zahnoperation zu überstehen und konnte erst am vergangenen Mittwoch ins Training zurückkehren. Dennoch galt Boll als Titelfavorit. Auf dem Weg ins Finale hatte sich der Linkshänder kontinuierlich gesteigert und in vier Partien nur einen Satz abgegeben. Bundestrainer Richard Prause sieht bei seinen Spielern durchaus noch Aufholpotenzial. "Das Niveau war ordentlich", bilanzierte Prause, "aber bis zur Team-WM im Mai in Moskau müssen wir uns noch steigern. Da sehe ich noch Luft nach oben." Schon heute starten die deutschen Herren in einen WM-Lehrgang in Katar.
Für eine Überraschung sorgte auch Kristin Silbereisen: Die 24-Jährige aus Busenbach holte sich den ersten Einzeltitel ihrer Karriere. In einem spannenden Duell schlug sie die 15-jährige Petrissa Solja vom Bundesligaklub TTSV Saarlouis-Fraulautern mit 4:3. Den Grundstein für den Meistertitel hatte Silbereisen bereits im Halbfinale gelegt. Dort besiegte sie die amtierende Europameisterin Jiaduo Wu aus Kroppach.







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