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Sport

Damen-Zweierbob bei Olympia

Bob-Sturz bei 140 km/h: "Es lief ab wie ein Film"

Romy Logsch brach sich das Sprunggelenk. Dennoch übte die Anschieberin von Cathleen Martini keine Kritik am Eiskanal: "Nicht zu schwierig."

Anschieberin Romy Logsch (r.) und Teamkollegin Cathleen Martini trösten sich gegenseitig nach ihrem Sturz bei Tempo 140.
Foto: dpa/DPA

Whistler. Noch drei Kurven trennten Bob Deutschland 2 vom Zielstrich. Eine Medaille war noch im Bereich des Möglichen - doch dann unterlief Cathleen Martini (Oberbärenburg) bei Tempo 140 ein folgenschwerer Fahrfehler. "Ich habe alles riskiert", sagte sie später. Anschieberin Romy Logsch (Riesa) wurde aus dem Schlitten geschleudert und rutschte sekundenlang über die Eisbahn. Der Bob stürzte auf die Seite und trudelte kopfüber Richtung Ziel. Logsch erlitt eine Fraktur im linken Sprunggelenk und musste eingegipst werden, Martini trug offene Wunden an der Schulter und am rechten Arm davon.

Trotzdem hatte Romy Logsch ihren Humor schnell wiedergefunden. "Jetzt bin ich wohl eine echte Bobpilotin", sagte die 28 Jahre alte Polizeimeisterin. "Es heißt ja, erst nach einem Sturz wird man zu einer." Über den Unfall wusste sie nur zu berichten: "Alles läuft wie in einem Film ab, in den du nicht eingreifen kannst. Ich weiß noch nicht mal, dass ich ausgesehen haben soll wie ein Käfer auf dem Rücken." Sturzsituationen haben die Fahrerinnen nicht trainiert. "Ich habe mich festgehalten", erinnert sich die Anschieberin, "aber vielleicht nicht fest genug."

Neue Diskussionen über die Sicherheit der Bobbahn wollte Logsch nicht zulassen. "Die Bahn ist schwierig", sagte sie, "aber nicht zu schwierig. Ich habe Respekt vor meinem Sport und Respekt vor dieser Bahn. Es braucht immer 100 Prozent Konzentration, wenn man runterfährt. Wir reden beim Bobfahren über Geschwindigkeiten von Tempo 140, da ist die Eisbahn kein Seidenpapiertuch, da verbrennt man sich die Haut, wenn man so drüberrutscht, wie ich es getan habe. Aber Angst sollte nie mitfahren. Und eigentlich macht es ja Riesenspaß ..."

Von Spaß war bei Thomas Schwab nichts zu spüren. Als Cheftrainer hatte er einen Ruf als Medaillenschmied des deutschen Rodelteams. Als Sportdirektor des deutschen Bob- und Schlittenverbandes (BSD) sah er an diesem Abend in Whistler aus, als hätte er zwei Kisten Zitronen mit den Zähnen entkernen müssen. Der sonst so gemütliche Bayer fand das Abschneiden der Frauen-Zweierbobs "völlig inakzeptabel". Denn erstmals seit acht Jahren, seit auch an Frauen olympische Medaillen vergeben werden, gingen die deutschen Pilotinnen leer aus. Nach dem Sturz von Cathleen Martini, die zur Halbzeit noch auf dem Bronzeplatz gelegen hatte, raste Olympiasiegerin Sandra Kiriasis mit Anschieberin Christin Henkel um 41 Hundertstelsekunden an einer Medaille vorbei, Claudia Schramm und Janine Tischer landeten im dritten deutschen Bob gar nur auf dem siebten Rang. "Es ist klar, dass wir so nicht weitermachen werden", sagte Schwab.

Augenfällig waren eingedenk des Heimvorteils der Kanadier, die vor Olympia 350 Trainingsläufe in der Hochgeschwindigkeitsbahn im Whistler Sliding Center absolviert hatten, die dürftigen Startzeiten der Deutschen. Die drei BSD-Bobs waren bei der ersten Zwischenzeit bis zu zwei Zehntelsekunden langsamer als die Goldfrauen aus Kanada, Kaillie Humphries und Heather Moyse. "Ich bin enttäuscht, dass ich hier nicht einen einzigen Lauf getroffen habe", sagte Sandra Kiriasis (35), für die es wahrscheinlich die letzten Spiele waren.

Der Trend bei den Frauen geht zur sogenannten Pilotenanschieberin. Um den Bob fulminant ins Kurvenlabyrinth zu stoßen, braucht es nicht nur eine starke Anschieberin, sondern auch eine schnellkräftige Athletin an den Lenkseilen. Aus der deutschen Leichtathletikszene komme zu wenig nach, hadert Schwab. Aber er wolle das "Nachwuchsproblem" nicht auf die fehlenden Sprinter abschieben. Besserung ist nicht in Sicht. "Wir erwarten da ein Loch", sagte Schwab.

Die fehlenden weiblichen Talente drücken wegen der hohen Zielvorgaben von Seiten des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Innenministeriums auf die Stimmung. Denn nach den Erfolgen bemessen sich auch die Fördergelder und nicht zuletzt die Bonuszahlungen für Trainer und Funktionäre. In jeder olympischen Disziplin sollte eine Medaille herausspringen. Im Zweierbob der Frauen wurde das Klassenziel verfehlt.

 

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