Tops und Flops des Hamburger Fußballs
Zé als König, Dierks als „Goaldie"
Wer sind die Gewinner, wer sind die Verlierer des Hamburger Fußballjahres 2009? abendblatt.de legt sich fest und sagt auch, warum.
Foto: WITTERS/Witters Sport Presse Fotos
Hamburg.
Tops:
Zé Roberto: Kam als „alter Mann“ nach Hamburg und ist nun der König von der Elbe. Unglaublich, wie der 35-jährige Brasilianer hier bis zu seiner Verletzung (im November) aufgezogen hat, er muss seinen inzwischen vierten Frühling zufassen haben.
Jerome Boateng: Unglaublich, wie er durchgestartet ist. Vom Mitläufer unter Jol zum modernsten und besten Abwehrspieler Deutschlands, auch wenn es immer noch nicht alle (Experten!) begriffen haben. Kommt aber noch.
Torsten Henke: Erweckte Curslack-Neuengamme aus dem Dornröschenschlaf, führte seinen Klub in die Oberliga-Spitze und wurde Hamburgs Trainer des Jahres.
Matthias Lehmann: St. Paulis Neuerwerbung aus Aachen übernahm sofort Verantwortung. Er kam, sah und genoss mit Braun-Weiß das Siegen. Eine Megaverstärkung.
Frank Rost: Beim 36-jährigen HSV-Torwart ist es wie mit einem guten Wein - je älter, desto besser. Der große Rückhalt, auch wenn er abseits des Platzes gelegentlich unbequem wirkt (und es wohl auch ist).
Tomas Rincon: Die HSV-Entdeckung des Jahres, Er kam urplötzlich aus der Versenkung und spielte sich in die Herzen der Fans.
Marius Ebbers: Es gab nicht wenige Experten, die dem „Stoßstürmer“ vom Millerntor keine torreiche Saison mehr zutrauten, doch er belehrte sie eines Besseren. Gehört in Liga zwei zu den besten Angreifern.
Fabio Morena: St. Paulis Abwehrchef galt nach schwächeren Auftritten und einer Hirnhautentzündung schon als Auslaufmodell, doch das ließ er so nicht gelten. Startete durch und ist nun längst wieder eine feste Größe.
Rodolfo Cardoso: Der Argentinier übernahm die Amateurmannschaft und formte seither einige Talente, führte sie geschickt an den Profikader heran. „Pelu“ soll schon bei einigen Zweitligaklubs als potenzieller Trainerkandidat genannt worden sein. Er tut aber gut daran, seinen „Rothosen“ treu zu bleiben.
Eljero Elia: Die „Rakete“ aus den Niederlanden startete voll durch, ist inzwischen der Liebling der Fans - und sicher auch die Begierde vieler europäischen Top-Klubs. Hoffentlich bleibt der Vollblut-Fußballer der Hansestadt noch lange erhalten.
Corny Littmann (stellvertretend für St. Paulis Führungsriege): Die Macher vom Millerntor geizen seit einiger Zeit mit großspurigen Worten, dafür lassen sie lieber Taten für sich sprechen. Der Neubau der Haupttribüne ist mehr als ein Indiz dafür.
Bert Ehm: Der Altmeister unter Hamburgs Trainern schaffte ein ganz besonderes Kunststück, nämlich drei Meisterschaften in Folge in Hamburgs höchster Spielklasse. Das wird ihm in den kommenden Jahren keiner nachmachen können - hervorragend!
Stefan Winkel: Den Jungspund von St. Paulis Zweiter kennen die Wenigsten, nicht einmal alle Experten der Stadt. Dabei lohnt sich ein Blick auf die Offensivkraft, der sich einige Male treffsicher empfahl. Wer weiß, vielleicht schafft er sogar den Sprung zu den Profis - irgendwann…
Christian Spill: Vollblutstürmer, ein spektakulärer noch dazu. Curslack-Neuengamme mit ihm ist eine echte Bereicherung der Oberliga.
Volker Kuntze-Braack: Der rührige Mann aus Altona, der sein Leben total dem Fußball verschrieben hat, ist mit seiner Firma Sport Marketing Hamburg der Geldgeber für die Hallenmeisterschaft, ohne „VKB“ würde es diese Veranstaltung wahrscheinlich gar nicht geben.
Nils Roschlaub: Wer in Meiendorf nach einem treffsicheren Kicker sucht, der wird bei ihm und seinen bisherigen neun Buden fündig.
Ronald Lotz: Als einziger „Doppel-Manager“ der Stadt betreut er den Hamburger Abo-Meister SC Victoria und Verfolger Altona 93 (als Berater des Präsidiums). Die Tabelle der Oberliga mit Victoria auf Rang eins und dem AFC auf Rang zwei spricht für den „Uli Hoeneß der Oberliga“. Der Skepsis vieler Beobachter ob dieser Doppelfunktion begegnet der Betroffene mit Offenheit. Das spricht auch für ihn.
Stefan Kohfahl: Vor den Toren der Stadt sorgt der Trainer mit seinem Oststeinbeker SV für Furore. Das gehörige Zuschauerinteresse am OSV beweist: Hier wächst etwas.
Murat Yilmaz: Der kommende Mann in Hamburgs Schiedsrichter-Gilde, hoffentlich bemerkt das auch demnächst der Norddeutsche Verband - und der DFB. Der Türke vom FC Türkiye ist ein riesiges Talent.
Tibor Nadj: Zu Saisonbeginn joggte der ehemalige Bergedorfer noch vereinslos um den Krupunder See, dann stieg er überraschend bei Altona 93 an. Mit großem Erfolg. An der Griegstraße sorgt er für Reife und Spielwitz.
Onur Tüysüz: Der Torjäger des FC Türkiye hat bereits jetzt 28 Treffer auf seinem Konto - überragend.
David Eybächer: Als blutjunger Innenverteidiger des SC Victoria stets eine Stütze seines Teams - er wird wohl demnächst zu einem Profi-Klub wechseln.
Dennis Mitteregger: Der ETV macht nach Jahren des Darbens seit einigen Monaten Positivschlagzeilen. Dieser Trend ist eng mit dem jungen Trainer verbunden, der eine offensive und zugleich erfolgreiche Spielweise praktiziert. In der Landesliga muss für den ETV nicht Schluss sein – und für den Coach schon einmal gar nicht!
Rüdiger Jung: Lieth war als hoch eingeschätzter Aufsteiger in der Landesliga anfangs die große Enttäuschung, doch dann legte das Team gewaltig zu. Der Trainer rechtfertigte das Vertrauen der Vorgesetzten mit einem Positivlauf, der nur durch die Winterpause gestoppt wurde.
Arwid Schenk: Überragender Torwart des FC St. Pauli II, rettete seinem Team schon viele Punkte.
Deran Toksöz: Vielseitiger Mittelfeldspieler von Bergedorf 85, immer mit herausragenden Leistungen, ist auf dem Sprung zum FC St. Pauli.
Pierre Becken: Die Offemsivkraft von Altona 93 erzielte bislang neun Tore und ist eine große Stütze seiner Mannschaft.
Gebrüder Tunjic: Germania Schnelsen ist in der Landesliga Hammonia das Maß aller Dinge, Mladen und Jürgen duellieren sich im familiären Wettkampf um die Torjägerkrone. Alle Achtung!
Holger Stanislawski: St. Paulis Erfolg ist sein großes Werk. Sollte der Kiez-Klub eines Tages mit ihm aufsteigen, setzen sie „Stani“ am Millerntor ein Denkmal. Aber eigentlich könnten sie das heute schon machen, denn er ist jetzt schon: „Stanislawski - Fußball-Gott“.
Henrik Dierks: Eigentlich sollte der 36-jährige Co-Trainer in Quickborn längst die Landesligakicker auf Vordermann trimmen. Wegen Personalsorgen kehrte er zurück auf den Platz – und knipste in kurzer Zeit fünfmal. Nun nennen sie ihren Oldie liebevoll den „Goaldie“.
Marc Zippel: In der Bezirksliga West galten mehrere Vereine als aussichtsreiche Titelanwärter. Einen Klub hatte kaum einer auf der Rechnung: Teutonia 10. Zippels bunt gemixte Truppe entpuppte sich mehr und mehr als Spitzenteam – Landesligaaufstieg im Jubiläumsjahr nicht ausgeschlossen.
Marco Hölder: Der Schweinske-Macher zog sic aus dem Amateurfußball fast komplett zurück. Fast. Denn als Mit-Organisator des Hallenspektakels in der Alsterdorfer Halle bewahrte er Hamburgs Fußballszene eine lieb gewonnene Tradition. Respekt.
Futsal: Was der Hamburger Fußball-Verband zunächst als „Pflichtvorgabe“ des DFB umsetzte, hat sich zu einer beliebten Variante des Hallenkicks dynamisch und positiv entwickelt. Das Team Yasar wurde kürzlich Hamburger Meister.
Dennis Wolf: Der 19-jährige Torwart des SC Victoria hat sich gegen große Konkurrenz durchgesetzt und ist seinem Team ein großartiger Rückhalt.
Alexander Schäfke: Der Trainer führte Vorwärts/Wacker an die Tabellenspitze der Landesliga Hansa und leistet großartige Arbeit in Billstedt. Nebenbei: Auch die VW-Zweite ist verlustpunktfreier Spitzenreiter in der Kreisliga 4.
Flops
VfL 93: Der Niedergang des einstigen Regionalliga-Vorzeigeklubs, bei dem vor Jahren Größen wie Otto Addo, Michael Schröder oder auch Bastian Reinhardt spielten, setzt sich ungebremst fort. Der Verein stellte alle Zahlungen ein, Trainer Selcuk Turan und Manager Jürgen Domzalski sind weg, alle Spieler meldeten sich ab. Nun soll die Zweite, bislang Kreisklassen-Spitzenklub, den Landesligaabstieg verhindern. Ein Himmelfahrtskommando.
David Rozehnal: Der Tscheche kam als vermeintliche Abwehrgröße von Lazio Rom, blieb die zuverlässigen Qualitätsbeweise bislang aber schuldig. Er kostete den HSV 5,3 Millionen Euro – da hapert es bislang am Preis-/Leistungsverhältnis.
Oliver Zapel: Der Trainer des Rahlstedter SC hatte große Ziele in der Landesliga Hansa, konnte seine Ansprüche aber nicht vermitteln, sie zumindest nicht in die Tat umsetzen. Das Aufstiegsrennen wird wohl ohne den RSC in die Endphase gehen. Zapel musste einiges an Lehrgeld zahlen. Vielleicht klappt es ja im zweiten Anlauf.
Mickael Tavares: Enttäuschte in dieser Saison total, so hat er keine Zukunft mehr in Hamburg.
HSV-Sportchefsuche: Erst der unsägliche Abschied von Visionär Dietmar Beiersdorfer, dann die Farce um Eigentlich-fast-schon-Nachfolger Roman Grill, nun die monatelange und bislang erfolglose Suche nach adäquatem Ersatz – die Kontrolleure gaben zeitweise ein eher erbärmliches Bild ab. Der vordergründige Eindruck, es ginge auch ohne einen neuen Sportchef, trügt. Die Stimmung im Verein und die Wirkung in der Branche haben bereits gelitten. Vielleicht kann es ja doch noch ein Heldt (Horst) retten?
Olaf Ohrt: Mit Holger Podein wollte er dem SC Egenbüttel wieder neuen Schwung verleihen, doch gerade im ersten (enttäuschenden Saisondrittel) des Landesligisten hatten allenfalls seine Kommentare zur Lage und zu Ursachen Pep. Bitter nur, dass der ehrgeizige Coach mehrfach Seitenhiebe an seinen Vorgänger Ralf Palapies verteilte, obwohl es mit dem gar keine Berührungspunkte gab. Manieren sechs, setzen!
Patrick Hiob: Er gehört zweifelsohne zu den begnadeten Hamburger Kickern, aber in Germania Schnelsens Starensemble in der Landesliga vermochte er sich nicht durchzusetzen. Und sein Kampfgeist war auch schon mal größer. Nun zieht es ihn nach Oststeinbek. Mal sehen, ob Stefan Kohfahl dort sein Genie neu wecken kann.
Spielabsagen: Das Oddset-Pokalspiel BU – Altona, das nun am Grünen Tisch entschieden werden muss, ist letztlich nur das i-Tüpfelchen eines Dauerärgerthemas. Wer sagt wann Partien ab? Wer hat das letzte Wort? Welche Kriterien gelten. Der HFV-Spielausschuss um seinen Boss Joachim Dipner macht es sich zu leicht, wenn er auf die Regelwerke verweist. Denn die sind eben auch nicht vor Fehlern gefeit. Warum muss beispielsweise ein Schiedsrichter aus Bremen anreisen, um im Hamburger Schnee nach zwei Sekunden Platzbegehung ein Oberligaduell abzusagen. Das hätte man auch günstiger haben können. Viele andere Absagen hinterlassen faden Beigeschmack. Da muss mal eine neue Richtlinie mit Gleichbehandlungsanspruch her.
Mahmut Yilmaz: Der frühere HSV-Profi sollte der jungen Norderstedter Mannschaft eigentlich eine große Stütze sein, aber da kommt einfach zu wenig.
Andre Wengorra: Kam vom FSV Geesthacht zum Meiendorfer SV, wollte es dort richtig knallen lassen, aber bislang sind es nur zwei „Törchen“ - das sieht nach vorzeitiger Trennung aus.
Disziplin: Die Spielabbrüche und Vorfälle mit gewalttätigen Auseinandersetzungen haben sich in Hamburgs Amateurszene zuletzt wieder gehäuft. Zumindest musste man den Eindruck gewinnen, wenn man die Abbrüche betrachtete. Es gab sogar einige politisch motivierte Aussetzer. Und Attacken auf Schiedsrichter. In diesem Zusammenhang ist das HFV-Gericht mehr denn je gefordert: Abschreckende Urteile täten gut. Aber auch die Klubs stehen in der Verantwortung. Vor allem Trainer müssen beruhigend auf ihre Akteure einwirken.
Uwe Wölm: Der Macher des FC Elmshorn hatte Großes vor, verpasste den Aufstieg in die Oberliga in der vergangenen Saison nur um Haaresbreite. Nach Bernd Bressems Rauswurf ging es drunter und drüber. Und es droht weiter abwärts zu gehen. Der Vertragsärger mit Bressem ist übrigens immer noch nicht ausgestanden.
Andreas Klobedanz: Der Trainer des SV Lurup steht mit seinem Team in der Abstiegsregion der Oberliga, jetzt gehen noch zwei Spieler vorzeitig - das wird ganz, ganz eng mit dem Klassenerhalt.








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