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Sport

HSV

Handball: Per Sandström - der schwedische Quotenkönig

Hamburg. Das öffentliche Training am Dienstag kam Per Sandström ganz gelegen. Ein paar Showeinlagen, Smalltalk mit den Fans: So lässt es sich als Handballtorhüter leben. In den vergangenen Tagen war der Schwede der einzige Vertreter seiner Gattung beim HSV Hamburg. Johannes Bitter, die deutsche Nummer eins, hatte sich ins Trainingslager der Nationalmannschaft verabschiedet. "Und mit nur einem Torhüter ist es im Training manchmal ein bisschen anstrengend", sagt Sandström.

Wobei die Sache auch ihr Gutes hat. Es sind solche Tage, an denen er zeigen kann, warum er bei einem der besten Vereine der Welt zwischen den Pfosten steht. An denen er nicht übersehen werden kann hinter dem 2,04-Meter-Mann Bitter.

Seit er 2006 zum HSV kam, galt Per Sandström als ideale Zweitbesetzung. Den Pelle, sagten sie im Verein, den kannst du auf die Bank setzen, ohne dass er murrt, und wenn es nicht läuft, stellst du ihn auf die Platte, und er gewinnt dir das Spiel. Und so war es ja auch oft. Vergangene Woche erst gegen Dormagen: Nur vier Würfe konnte Bitter in 25 Minuten abwehren, dann kam Sandström, hielt zwölf Bälle und den Sieg fest. Ähnlich lief es beim Erfolg gegen Minden Anfang Oktober.

Ein paar Tage zuvor hatte der 28-Jährige in der Zeitung lesen müssen, dass sein Verein den Mindener Nationaltorhüter Nikolas Katsigiannis (27) als seinen Nachfolger verpflichten will. Sandström ließ sich keine Reaktion auf das Misstrauensvotum anmerken - außer der vielleicht, dass seine Erfolgsquote in jenem Spiel überirdische 50 Prozent betrug. Er sagt: "Dass sich der Verein umschaut, wenn ein Vertrag ausläuft, ist doch normal." Er selbst habe ja auch Alternativen. Konkreter wird er nicht. Im Januar, wenn der Spielbetrieb für die EM pausiert, wolle man über alles reden. "So lange versuche ich meine Arbeit zu machen." So klingt keiner, der mit der Faust auf den Tisch haut.

Als Bitter vor seinem Wechsel nach Hamburg plötzlich nur noch zweite Wahl war in Magdeburg, beklagte er sich öffentlich. Auch Sandström hätte Anlass, mehr Einsatzzeit zu fordern. Er hat es zum Nationalspieler in Schweden gebracht, wo sie Torleute verehren wie sonst nirgendwo. Bei der WM 2009 in Kroatien war er der Quotenkönig. Seine Fangquote liegt in dieser Bundesligasaison bei erstklassigen 41,6 Prozent. Bitter bringt es auf 36,2 Prozent, aber mehr als doppelt so viel Einsatzzeit. Einen Anspruch leitet Sandström für das Spiel morgen in Wetzlar nicht ab: "Ich habe genug Ehrgeiz, aber ich bin kein Lautsprecher." Schon gar nicht will er über Statistiken reden. Man könne ja vieles falsch interpretieren. Wie frei war der Wurf? Wie gut die Abwehr in Form? Wie gut der Gegner? Im Übrigen könne die Leistung eines Handballtorwarts nur so gut sein wie sein Verhältnis zum Mitbewerber: "Und Jogi und ich arbeiten im Spiel gut zusammen."

Müsste er sich selbst ein Arbeitszeugnis ausstellen, Sandström würde nicht nur lobende Worte finden. "Ein paar Spiele hätten besser laufen können", sagt er und meint die Niederlagen gegen Ciudad Real und in Göppingen. Es waren nicht seine Niederlagen: In diesen Spielen hat kein Mannschaftsteil des HSV die Ansprüche erfüllen können. Aber genau das müsse das Ziel sein: in jedem Spiel da zu sein. So wie er in den vergangenen dreieinhalb Jahren, wenn er denn durfte. Ob die Rolle nicht undankbar sei? Sandström überlegt kurz, dann sagt er: "Undankbar ist nur, wenn du einen Ball hältst, und es gibt Siebenmeter."(rg/leo)

 

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