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Sport

Fußball-WM 2010

Glanz und Elend um Südafrikas Prestigestadion

Die Spannung steigt: Am 11. Juni wird Afrikas erste Fußball-WM in der Arena in Johannesburgs weltbekanntem Township Soweto angepfiffen.

Ein Blick auf das Soccer City Stadion in Johannesburg.
Foto: dpa/DPA

Soweto. Das einer Kalebasse nachempfundene WM-Stadion Soccer City ist der ganze Stolz der Südafrikaner. Am 11. Juni wird Afrikas erste Fußball-Weltmeisterschaft in der Arena in Johannesburgs weltbekanntem Township Soweto angepfiffen. 94 700 Zuschauer finden in der riesigen Schüssel Platz. „Es ist das einzige, das von Afrikanern und nicht von deutschen Architekten entworfen wurde“, sagt Projektleiter Mike Moody. Dort wird unter anderem die feierliche Eröffnung und auch das Finale der WM am 11. Juli stattfinden.

Doch nur wenige Meter entfernt brodelt es gewaltig. Glanz und Elend liegen wie so oft in Südafrika auch in Soccer City nur einen Steinwurf entfernt. Die Anwohner des benachbarten Soweto-Stadtteils Riverlea fühlen sich ausgegrenzt. „Die Regierung baut Soccer City, während die Nöte Riverleas einfach übersehen werden; wenn unsere Forderungen nicht erfüllt werden, werden wir sicherstellen, dass es in diesem Stadion im kommenden Jahr keine WM gibt“, drohten Bewohner Ende Oktober bei gewaltsamen Protesten.

Sie wollen akzeptable Behausungen mit Strom und Abwassersystemen, die funktionieren. Weniger als zwei Prozent der Anwohner hätten von dem Bau profitiert, schimpft Anwohner Vuyo Dlamini: „Soccer City liegt direkt neben uns, aber wir Jugendliche profitieren nicht davon.“ Nach seiner Schätzung sind 80 Prozent der Jugendlichen in dem Ort arbeitslos.

Unmut herrscht auch bei den Arbeitern, die das Stadion erbaut haben. Trotz allen Stolzes auf das Erreichte: Viele von ihnen werden mit der fortschreitenden Vollendung der WM-Bauten arbeitslos. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der Südafrika durch die globale Krise fast eine Million Arbeitsplätze verloren hat. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt nun bei knapp 25 Prozent – die inoffizielle, die auch die Resignierten unter den Arbeitslosen erfasst, sogar bei 34,4 Prozent. Südafrika hat zwar weniger als andere Länder unter der Krise gelitten, doch entgehen konnte ihr auch der Kap-Staat nicht.

Die Wirtschaft dürfte in diesem Jahr nach Ansicht von Ökonomen um knapp zwei Prozent schrumpfen, bevor sie auch durch die erhofften WM- Impulse im kommenden Jahr wieder Fahrt aufnehmen soll. Für die nun arbeitslos werdenden Arbeiter ist das wenig Trost. In Soccer City waren zu Spitzenzeiten rund 3 700 Arbeiter auf der Baustelle. Die meisten sind schon entlassen, andere folgen. Sie fürchten auch um Versprechungen geprellt zu werden, die ihnen einst FIFA-Präsident Joseph Blatter vor laufender Kamera gemacht hat. Bei einer Feier mahnten Gewerkschaftssprecher eindringlich das Einhalten dieser Versprechen an: „Die Arbeiter wollen ihre Karten haben!“

FIFA-Chef Blatter hat allen Arbeitern WM-Tickets zugesagt. Projektleiter Moody ist skeptisch. „Das Problem besteht darin, dass die Arbeiterschaft nun zahlenmäßig immer weiter abschmelzen wird. Und das nationale Organisationskomitee hat die Verantwortung für die Karten an die Stadt weitergereicht, die sie wiederum an die beteiligten Unternehmen weiterleiteten; es wird Chaos geben“, ist er sicher. Dabei weiß er nur Gutes über die Arbeiter zu berichten, die seit 2007 ein vorhandenes kleineres Stadion von Grund auf für 3,4 Milliarden Rand (310 Millionen Euro) umgebaut haben. Mit Ausnahme eines nationalen Streiks habe es keine Arbeitsniederlegung gegeben.

(dpa)

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