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Sport

Vergabe der Olympischen Spiele 2016

Showdown in Kopenhagen: First Lady wirbt für Chicago

Morgen vergibt das IOC in Kopenhagen die Olympischen Sommerspiele 2016. Michelle Obama hat sich extra auf den Weg gemacht.

Michelle Obama, First Lady der USA, reiste am Mittwoch nach Kopenhagen, um für Chicago als Austragungsort der Olympischen Spiele 2016 zu werben.
Foto: dpa/DPA

Kopenhagen. Das Kurzfrist-Spektakel um die Spiele-Stadt 2016 wird noch nicht verklungen sein, da beginnt in Kopenhagen am Sonnabendmorgen das Langfrist-Nachdenken über die olympische Zukunft. Herauskommen soll beim 13. Olympischen Kongress seit 1894 eine Standortbestimmung mit wegweisender Bedeutung. IOC-Präsident Jacques Rogge sieht dabei die Spannweite zwischen „großen Verheißungen und nicht unerheblichen Gefahren“. Vor rund 800 Delegierten des Weltsports wird UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit seiner Begrüßungsrede die Bedeutung der olympischen Bewegung weit über den Sport hinaus unterstreichen.

Für den 67 Jahre alten Rogge, dessen Mandatsverlängerung in Kopenhagen um vier weitere Jahre gesichert ist, wird es der einzige Kongress seiner Amtszeit sein. Das macht diese Generalversammlung des olympischen Sports für ihn zu einer einmaligen Chance, nach 115 Jahren modernem Olympismus die Richtung für das 21. Jahrhundert mit vorzugeben. Dabei kann er als Ausgangspunkt auf Olympische Spiele verweisen, die glanzvoller denn je sind, immer größere Aufmerksamkeit finden und mit mehr als vier Milliarden Dollar Umsatz im Vier-Jahres- Zirkel ein überaus erfolgreiches Geschäftsmodell geworden sind. Zum großen Nutzen des IOC selbst und seiner Partner aus 33 internationalen Sportverbänden und 205 Nationalen Olympischen Komitees (NOK).

Die Stärke ist zugleich zur Schwäche geworden, die Rogge in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ sanft „mit ernsten Herausforderungen“ beschrieben hat. Ein Übermaß an Kommerzialisierung hat Doping-Betrug und Korruption hervorgebracht. Olympia ist als Kind seiner Zeit nicht unberührt geblieben von Gier und Maßlosigkeit. Sie drückt sich auch dadurch aus, dass die Kosten für die an Sotschi vergebenen Winterspiele 2014 nach neuesten Rechnungen auf 14 Milliarden Euro gestiegen sind.

Die Ökonomisierung hat die Werteskala stark verändert. Zu klären wäre in Kopenhagen auch, welche Bedeutung die Menschenrechte vor dem Hintergrund der Spiele von Peking künftig haben sollen und ob sich das IOC als autonome, politisch neutrale Organisation nicht deutlich bekennen sollte zu seinen politischen Wirkungen.

Das lenkt den Blick auf die Konstruktion des IOC mit der Frage, ob es stark und unabhängig genug ist für die Bewältigung seiner selbst gesteckten Ziele. Die nach dem Korruptionsskandal um die erfolgreichen Olympia-Bewerber Salt Lake City 1999 eiligst gezimmerte Reform hat das IOC eher geschwächt. Neben 15 Athletenvertretern und 70 „unabhängigen“ IOC-Mitgliedern bedienen nun je 15 Spitzenvertreter aus Sportverbänden und NOKs vor allem Partikularinteressen. Ihre Ex-Officio-Mitgliedschaft verstärkt in ihren Organisationen zudem die Gefahr, Führungsämter mit allen Mitteln anzustreben.

Die gesamte olympische Problematik soll an drei Tagen in fünf Hauptthemen (Athlet, Olympische Spiele, Struktur der Olympischen Bewegung, Olympismus und Jugend, digitale Revolution) abgehandelt werden. Ein Katalog der Forderungen geht dann als Schlussdokument an die ab nächsten Mittwoch wieder tagende 121. IOC-Vollversammlung. Beim Kongress in Paris 1994 wirkte es wie ein Warenhauskatalog mit einer Vielzahl an Feststellungen, Forderungen und Empfehlungen. Als wesentliche Errungenschaft blieb der Eingang der Ökologie in die olympische Charta als fundamentales Prinzip. (dpa)

 

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