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Sport

Das süße Leben in Nizza

Ich gebe es zu, ich bin ein wenig nachlässig geworden mit meinem Tagebuch. Aber ich will Euch ja auch nicht langweilen, und da im Moment wirklich nicht allzu viel passiert in meinem Leben, habe ich mir am Wochenende eine Auszeit genommen vom Tagebuchschreiben und melde mich erst heute wieder bei Euch. Ich bin seit Freitagabend in Nizza bei der Familie meiner Freundin. Am Sonnabend habe ich gar nichts getan, außer mit ihr das wunderbare Sommerwetter zu genießen. Am Sonntag bin ich dann in die Vorbereitung auf die Hartplatzsaison, die für mich mit dem Masters in Montreal am 10. August beginnt, eingestiegen. Ich habe an der ATP-Base in Monaco zwei Stunden mit einem Exprofi trainiert, der hier lebt und als Trainingspartner zur Verfügung steht. Für heute und morgen bin ich dann mit dem Serben Novak Djokovic verabredet, der auch gerade hier ist. Einen besseren Trainingspartner gibt es nicht.

Überhaupt bietet Monaco beste Bedingungen: gutes Wetter, Spitzen-Partner, perfekte Sand- und Hartplätze, dazu die Infrastruktur der ATP. Wir bekommen hier sogar Bälle gestellt. Aus allen diesen Gründen erwäge ich derzeit, meinen Wohnsitz nach Monaco zu verlegen. Jetzt werden die meisten natürlich denken, dass ich ein Steuerflüchtling bin, aber ganz so einfach ist es nicht. Ich würde meinen Wohnsitz bei meinen Eltern in Lemsahl zwar aufgeben, aber es geht mir nicht nur ums Steuersparen.

Die Bedingungen hier sind einfach professioneller als in Hamburg, wo mir die richtigen Trainingspartner fehlen, die mich weiterbringen, was keine Beleidigung gegen diejenigen sein soll, mit denen ich in Hamburg trainieren darf. Außerdem wohnt meine Freundin hier, und für uns wäre es auch schön, näher zusammen zu sein. In den wenigen Wochen, die wir uns sehen, versucht sie sich so viel Zeit wie möglich zu nehmen. Sie fährt mich in ihrem Wagen immer zum Training und schaut zu. Das ist für mich bequem, aber wenn ich auch im Alltag hier leben würde, könnten wir ein anderes Leben führen. Ich habe mir auch schon einige Wohnungen angeschaut und überlege nun ernsthaft, ob ich den Schritt machen und mir etwas mieten soll. Ein Kauf kommt nicht infrage, dafür fehlt mir das Geld, und außerdem weiß man ja nie, ob ich mich in ein paar Jahren noch wohl fühle mit dieser Lösung.

Bis Mittwoch bin ich noch hier, bevor ich nach Kanada fliege. Vielleicht habe ich mich bis dahin ja zu einer Entscheidung durchringen können. Jetzt wünsche ich Euch erst einmal einen guten Start in die neue Woche. Viele Grüße aus Frankreich, Euer Mischa!

Der Hamburger Profi Mischa Zverev (21), derzeit an Position 46 der Weltrangliste geführt, berichtet exklusiv für abendblatt.de von seinen Erlebnissen im Tennisjahr 2009

 

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