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Sport

Leichtathletik-WM in Berlin

Berliner Bewerbung erst im zweiten Anlauf perfekt

Was lange währt, wird endlich gut... Berlin musste zwei Anläufe nehmen, um die Leichtathletik-WM ins Olympiastadion zu holen.

Die blaue Bahn macht es einmalig: Das Olympiastadion.
Foto: dpa/DPA

Berlin. Dem Triumph von Helsinki ging das von einer Schmierenkomödie begleitete Debakel von Nairobi voraus: Berlin musste zwei Anläufe nehmen, um die Leichtathletik-WM ins Olympiastadion zu holen. Erst am 4. Dezember 2004 setzte sich die deutsche Hauptstadt im Council des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF mit 24 Stimmen klar gegen Valencia (2) und Split (0) durch. Deutschland wurde zum zweiten Mal nach Stuttgart 1993 zum WM-Gastgeber erkoren.

„Das ist nicht nur ein Gewinn für ganz Berlin, sondern für unser sportbegeistertes Land insgesamt“, sagte der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), der in Helsinki vor Ort war, um ein ähnliches Desaster wie im April 2002 zu vermeiden. Damals unterlag Berlin in Nairobi im vierten Wahlgang zusammen mit Budapest gegen Helsinki. Die Niederlage kam neun Jahre nach der gescheiterten Olympiabewerbung für 2000 einer Demütigung gleich.

Ihr vorausgegangen war eine echte Schmierenkomödie. Erst sorgte die Insolvenz des traditionsreichen Sportfestes ISTAF für Unruhe, dann versuchten die Kandidaten mit Millionen-Offerten für „sportliche Entwicklungshilfe“ die Stimmen der Council-Mitglieder aus der dritten Welt zu gewinnen.

Beim zweiten Anlauf - der eigentlich schon der dritte war, weil man sich bereits für die WM 1991 vergeblich beworben hatte -, machte es Berlin deutlich besser.

Zuerst rettete der ehemalige Berliner IHK-Präsident und heutige Präsident des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC, Werner Gegenbauer, zusammen mit Gerhard Janetzky das ISTAF vor dem Aus. Dann stellte er sich an die Spitze der Bewerbung und machte das Sportfest zum schlagkräftigsten Argument der Werbekampagne, indem 2004 ins für die Fußball-WM renovierte Olympiastadion 62.000 Zuschauer lockte.

Dies erwies sich als Erfolgsrezept. Im Dezember desselben Jahres folgte der überwältigende Sieg in Helsinki. „Wir gehen in ein großes Leichtathletik-Land, eine Hauptstadt in Europa und der Welt“, sagte IAAF-Präsident Lamine Diack nach der Entscheidung.

Doch der reibungslosen Kandidatur folgte der Knatsch der Vorbereitung. Im Frühjahr 2005 verzichtete der designierte WM-Chef Gegenbauer plötzlich aus „persönlichen Gründen“ auf die Rolle an der Spitze des WM-OK. Stattdessen wurden Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und DLV-Präsident Clemens Prokop gemeinsam zu ehrenamtlichen Chefs des sogenannten LOC. Weitere Grabenkämpfe folgten.

Im Juli 2007 trat der ehemalige NOK-Generalsekretär Heiner Henze als Geschäftsführer des WM-OK zurück, weil er „in Teilen des Aufsichtsrates und des LOC nicht die erforderliche Unterstützung und Vertrauensgrundlage als gegeben“ ansah. Drei Monate später wurde der Aufsichtsrat handstreichartig verkleinert und umbesetzt. Kritiker wie ISTAF-Chef Gerhard Janetzky setzte man vor die Tür.

Viel Personal hat die WM verschlissen, viele Monate durch interne Querelen verloren. Kaum verwunderlich, dass zuletzt die Kritik an Kartenverkauf, Vermarktung und Außendarstellung wuchs. Die Sponsorensuche gestaltete sich äußerst schwierig. Der überwältigenden Zustimmung im Dezember 2004 in Helsinki folgte eine holprige WM-Vorbereitung. (sid)

 

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