Mischas Tagebuch
Die Enttäuschung war riesengroß
Hamburg ist wunderschön, es ist meine Heimatstadt und ich fühle mich jedes Mal, wenn ich hier bin, absolut zu Hause. Nur was das Tennis betrifft, ist mir meine Heimat fremd.
Das hat sich leider auch in diesem Jahr am Rothenbaum nicht geändert. Gestern Nachmittag gegen 18.30 Uhr waren die International German Open für mich beendet, bevor sie richtig begonnen hatten. In der zweiten Runde des Einzels bin ich am Stuttgarter Simon Greul gescheitert, und da ich in Runde eins ein Freilos hatte, bleibt es dabei: Ich habe am Rothenbaum noch nie ein Einzel im Hauptfeld gewinnen können.
Dabei sah es im ersten Satz alles so gut aus. Mir ist vieles gelungen, und wenn das mal nicht so war, dann hat Simon einen Fehler gemacht, und so hatte ich den ersten Satz schnell mit 6:0 gewonnen. Hamburg ist wunderschön, es ist meine Heimatstadt und ich fühle mich jedes Mal, wenn ich hier bin, absolut zu Hause. Was dann passiert ist, hätte nie passieren dürfen: Ich war mit meinen Breakchancen zu nachlässig, und dadurch habe ich ihn wieder ins Spiel zurückgeholt. Er hat angefangen, meine Aufschläge zu attackieren, besonders die zweiten, die auch nicht gut kamen. Und dann hat er mehr Druck gemacht, hat aggressiver gespielt und mich irgendwie immer weiter nach hinten gedrängt. Es war im zweiten Satz, so war mein Gefühl, nur eine Frage der Zeit, wann er ein Break schaffen würde. Dass es ausgerechnet bei 5:6 aus meiner Sicht passierte, war doppelt bitter, denn im Tiebreak hätte ich vielleicht das Match retten können. So gewann er den zweiten Satz 7:5, hatte Oberwasser, hat dann im dritten wirklich keine Fehler mehr gemacht und mich mit 6:1 abgeschossen.
Gestern war die Enttäuschung schon riesengroß; sicherlich gab es schon Turniere, bei denen sie noch größer war, aber ich hatte mir für dieses Jahr in Hamburg doch einiges vorgenommen. Heute Morgen nach dem Aufwachen ging es mir schon besser, ich hake solche Negativerlebnisse zum Glück immer relativ schnell ab. Ich lasse mir bestimmt auch keinen Hamburg-Fluch einreden und werde im kommenden Jahr den nächsten Angriff starten. Die Unterstützung der Zuschauer war gestern okay, ich habe die ganze Atmosphäre eigentlich gar nicht richtig wahr genommen. Ich habe aber schon gemerkt, dass ich auch in puncto Zuschauer-Gunst noch Luft nach oben habe.
Um 12.30 Uhr gebe ich heute auf der Anlage noch eine Autogrammstunde. Danach ist der Rothenbaum 2009 endgültig abgehakt, und von heute Nachmittag an geht der Blick in die Zukunft. Morgen spiele ich für den Rochusclub Düsseldorf in der Bundesliga gegen Espelkamp-Mittwald, heute reise ich, gemeinsam mit meinem persönlichen Betreuer Taka Hamaura ins Rheinland. Ob ich am Sonntag gegen Mannheim auch noch mitwirken kann, weiß ich noch nicht. Vielleicht bin ich dann schon auf dem Weg nach Kroatien, wo in Umag das nächste Turnier ansteht. Dort bin ich zwar gesetzt, wenn ich aber schon Montag spielen muss, werde ich Sonntag anreisen. Spiele ich erst Dienstag, laufe ich am Sonntag noch für Düsseldorf auf. Spiele sind, das hoffe ich, für mich jetzt die beste Ablenkung. Viele Grüße, Euer Mischa!
Der Hamburger Profi Mischa Zverev (21), derzeit an Position 47 der Weltrangliste geführt, berichtet exklusiv für abendblatt.de von seinen Erlebnissen im Tennisjahr 2009







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