Mischas Tagebuch
Stich hat wirklich gut gespielt
Es ist spät geworden gestern, deshalb entschuldigt bitte, dass ich mich erst heute mit den Erlebnissen vom Doppel am Rothenbaum melde.
Ja, Michael Stich und ich, wir haben verloren, mit 4:6, 2:6 gegen Simon Aspelin aus Schweden und den Australier Paul Hanley. Aber allen, die sich im Vorfeld über Michaels Comeback lustig gemacht oder es kritisiert haben, sei gesagt: Er hat wirklich gut gespielt. Wir haben unglücklich verloren, hatten im ersten Satz gute Chancen, die wir nicht nutzen konnten. Einige waren überrascht, dass Michael noch immer so ehrgeizig ist, aber für mich war das nicht überraschend. Ich kenne ihn ja schon etwas länger, und ich weiß, dass er sich selbst im Training ärgert, wenn ihm Fehler passieren. Er wollte gewinnen und nicht nur zum Spaß hier antreten, und das hat man auch gemerkt.
Schade war, dass nur noch höchstens 1000 Zuschauer auf der Anlage waren, weil die Partie erst nach 22 Uhr begann. Die vier vorangegangenen Matches auf dem Centre-Court haben einfach viel länger gedauert, als alle dachten, und so war es 23.12 Uhr, als unser Match beendet war. Danach gab es die obligatorische Pressekonferenz, und als ich dann endlich, angetrieben von meinem Bruder Sascha (12), der heute Morgen um vier Uhr zur U-14-EM nach Italien aufbrechen musste, die Anlage verließ, war es schon weit nach Mitternacht.
Für mich war das späte Spiel trotzdem kein Problem. Ich bin ja grundsätzlich ein Langschläfer und gehe deshalb eher spät zu Bett. Das lange Warten macht mir auch nicht viel aus. Für mich steht im Vordergrund, dass ich die Erfahrung gewonnen habe, mit Michael zu spielen. Ich habe ihm gestern direkt eine Wiederholung angeboten, aber da wollte er noch nicht zusagen. Mich würde es freuen, wenn es klappt.
Außerdem war es gut, dass ich schon einmal auf dem Centre-Court spielen konnte, wo ich heute im dritten Match, nicht vor 16 Uhr, in Runde zwei gegen Simon Greul aus Stuttgart ins Einzel einsteige. Der Platz war an einigen Stellen uneben und weich, umso besser war es, dass ich mich schon einmal darauf einstellen konnte. Ich muss auch gestehen, dass ich auf der Anfahrt zur Anlage schon ein wenig nervös war, weil ich nicht wusste, was mich erwartet. Heute war das schon besser. Ich bin um 10.30 Uhr auf der Anlage gewesen, habe mich auf dem Centre-Court eingeschlagen und werde die Stunden bis zu meinem Match nun wieder mit ein wenig Bewegung, Essen und Warten verbringen. Das DSF überträgt unser Spiel live, wer also keine Zeit hat, auf die Anlage zu kommen, sollte dort einschalten. Ich zähle auf Eure Unterstützung. Viele Grüße, Euer Mischa!
Der Hamburger Profi Mischa Zverev (21), derzeit an Position 47 der Weltrangliste geführt, berichtet exklusiv für abendblatt.de von seinen Erlebnissen im Tennisjahr 2009







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