20.10.12

Bundestrainer

Joachim Löw sagt "Sportstudio"-Besuch ab

Der Bundestrainer wollte sich am Abend im ZDF unter anderem zum 4:4 gegen Schweden äußern. Daraus wird nun nichts. Eine Grippe stoppte Löw.

Foto: DPA
Joachim Löw
Joachim Löw ist nach dem 4:4 gegen Schweden in Erklärungsnot. Am Sonnabend wollte er die Chance im "Sportstudio" nutzen, einiges klarzustellen. Doch eine Grippe stoppte den Bundestrainer

Bremen. Oliver Bierhoff kann dem historischen 4:4 der Fußball-Nationalmannschaft gegen Schweden nach der ersten "Wut" im Nachhinein auch positive Seiten abgewinnen. "Es ist mit Sicherheit eine Lehre für die Spieler, dass so etwas nicht mehr passiert", sagte der Teammanager am Freitagabend in der Talkshow "3 nach 9" von Radio Bremen. Bundestrainer Joachim Löw, der sich am Samstagabend im ZDF-"Sportstudio" zur Lage der Nationalmannschaft äußern wollte, musste seinen Auftritt kurzfristig wegen einer Grippe absagen.

"Ich war fassungslos", beschrieb Bierhoff wenige Tage nach dem WM-Qualifikationsspiel im Berliner Olympiastadion seine spontane Gemütslage nach dem spektakulär verspielten 4:0-Vorsprung. Die Sportliche Leitung könnte nun aber im Nachhinein "noch mal ganz klar aufzeigen, wo die Probleme liegen", betonte der Manager.

"Wenn wir jetzt 4:2 oder 4:3 gewonnen hätten, dann hätte man vielleicht einige Fehler, die aufgetreten sind, wieder irgendwie verschwiegen, und es wäre dann als noch mal gut gegangen durchgegangen", erläuterte Bierhoff. Er hatte bereits direkt nach der Partie, in der die deutsche Elf nach brillanten ersten 60 Minuten "kollektiv nicht reagieren" konnte, eine schonungslose Aufarbeitung angemahnt. Bierhoff beklagte bereits zum wiederholten Male Nachlässigkeiten und Disziplinlosigkeiten im deutschen Spiel.

"In den ersten 60 Minuten waren wir berauscht und haben dann den Fehler gemacht, nicht frühzeitig wieder zur Disziplin überzugehen, was uns Deutsche auszeichnet und auch die deutschen Mannschaften", kritisierte Bierhoff. "Wir haben dann wirklich als Mannschaft in dem Moment versagt." Jetzt hätten die Verantwortlichen wieder Druck. Auch Löw wollte am Wochenende öffentlich in die Offensive gehen. Er musste seinen ZDF-Besuch jedoch absagen, weil er "mit einer fiebrigen Grippe ans Bett gefesselt" sei, wie der DFB am Samstagvormittag mitteilte.

Bierhoff gab sich bei seinem Fernsehauftritt kämpferisch: "Ich habe schon einige Krisen als Sportler und auch mit der Nationalmannschaft durchgestanden", sagte der frühere DFB-Kapitän: "Nach der kurzen Enttäuschung und Wut habe ich immer versucht, auf das Positive zu schauen, Kraft zu schöpfen und das Ganze anzugehen. Ich kann mich als Verantwortlicher nicht drei Tage einbuddeln und auch mitheulen. Also schaut man, was man besser machen kann."

Franz Beckenbauer vertraut bei der Aufarbeitung des Spiels auf Löw. Der Coach "wird sie wieder auf Kurs bringen", schrieb der Ehrenspielführer im Magazin "Focus" und meinte wie Bierhoff: "Die Mannschaft wird von sich aus ihre Lehren daraus ziehen." Den Spielverlauf bezeichnete Beckenbauer als "beinahe etwas Surreales".

Dass anschließend wieder einmal eine hitzige Diskussion um fehlende Führungsspieler im Nationalteam entbrannte, überraschte Beckenbauer offenbar nicht. Die Mannschaft sei "in der entscheidenden Phase regelrecht zerfallen. Und da fand sich auch niemand, der das Zepter in die Hand nahm und die anderen aufrüttelte."

Die deutsche Nationalmannschaft führt nach vier Spielen ihre WM-Qualifikationsgruppe mit 10 Punkten vor den Schweden (7) an, die aber erst drei Partien ausgetragen haben. Nur der Gruppenerste löst direkt das Ticket für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Zum Abschluss des Jahres bestreitet Löw mit seinem Team am 14. November noch ein Freundschaftsspiel in Amsterdam gegen die Niederlande.

dpa
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