Doping-Skandal
Demontage des Denkmals Lance Armstrong geht weiter
Dem Ex-Radprofi laufen immer mehr Sponsoren weg. Täglich kommen neue Anschuldigungen hinzu. Nun steht auch der UCI in der Kritik.
Düsseldorf. Den Vorsitz seiner Krebsstiftung ist er los, die Sponsoren laufen ihm davon und neue Anschuldigungen machen die Runde: Der Absturz des einstigen Radhelden Lance Armstrong geht in rasendem Tempo weiter. Seine sportlichen Erfolge sind spätestens seit der Veröffentlichung des Abschlussberichts der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA ein Muster ohne Wert. Und auch in finanzieller Hinsicht kommen schwere Zeiten auf den Texaner zu.
Nach dem Rückzug des US-Sportartikelherstellers Nike nehmen auch die Brauerei Anheuser-Busch, die Fitness-Center-Kette 24 Hour Fitness, der Fahrradhersteller Trek sowie Honey Stinger, ein Produzent für Sportlernahrung, das Energy-Drink-Unternehmen FRS und der Sonnenbrillenhersteller Oakley Abstand von einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Texaner.
Laut Anheuser-Busch werde der 2012 auslaufende Vertrag nicht verlängert. 24 Hour Fitness teilte mit, dass die Geschäftsbeziehung mit Armstrong nicht mehr im Einklang mit den Werten des Unternehmens stünde. Trek hat die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung beendet. Ebenso sei die Kooperation zwischen FRS und Armstrong eingestellt worden. Honey Stinger will auf seinen Verpackungen nicht mehr mit Armstrong werben. Oakley hat noch keine Entscheidung getroffen, will aber das Sponsoringverhältnis zu Armstrong überprüfen.
Anschuldigungen von Kathy Lemond
Erst am Mittwoch hatte Nike die Zusammenarbeit beendet, nachdem Armstrong das Unternehmen seit mehr als einem Jahrzehnt irregeführt habe. "Nike duldet den Missbrauch von illegalen, leistungssteigernden Mitteln in keiner Weise", hieß es in der Begründung. Sein Engagement bei Livestrong will das Unternehmen aber fortsetzen. Als Gegenleistung musste Armstrong aber offenbar seinen Hut nehmen.
Leistung und Gegenleistung – so oder so ähnlich könnte es auch 1999 abgelaufen sein, schenkt man den Anschuldigungen von Kathy Lemond, der Ehefrau des dreimaligen Toursiegers Greg Lemond Glauben. Sie hatte behauptet, dass Nike 500.000 Dollar an den damaligen UCI-Präsident Hein Verbruggen gezahlt habe, um einen Dopingtest Armstrongs bei der Tour 1999 zu vertuschen. Sowohl Nike als auch Verbruggen wiesen dies zurück. "Nike duldet nicht die Nutzung von leistungssteigernden Substanzen", hieß es in einer Stellungnahme. Auch Verbruggen nannte die Vorwürfe "absurd". Armstrong sei nie positiv getestet worden. Es habe nichts zu vertuschen gegeben.
Lemond hatte die Anschuldigungen bereits während des Rechtsstreits zwischen Armstrong und dessen früherem Sponsor Tailwind Sport im Jahre 2006 erhoben. Laut Lemond habe Nike das Geld auf ein Schweizer Konto von Verbruggen gezahlt, um einen positiven Test auf Corticosteroide bei der Tour 1999 zu vertuschen. Armstrong hatte damals eine medizinische Ausnahmegenehmigung nachgereicht.
Verbruggen steht auch im Zentrum der Kritik von Jean Regenwetter, dem Präsident des luxemburgischen Radsport-Verbandes, der der UCI im Kampf gegen Doping Versagen und den Verantwortlichen einen autokratischen Führungsstil vorgeworfen hat. "Leider ist die Führung der UCI völlig intransparent. Eine Aussprache über essenzielle Dinge fand nie statt", sagte Regenwetter der "Berliner Zeitung". Die UCI-Kongresse seien quasi eine reine Show. "Da wird ein Bericht gemacht, dann werden bunte Bilder gezeigt, damit sich die Delegierten nicht langweilen, und dann gibt es einen Film über die Entwicklungshilfe. Über die Probleme des Radsports wird nicht debattiert."
Debatten zum Kampf gegen Doping werden laut Regenwetter unter dem Punkt "Verschiedenes" kurz vor dem Mittagessen abgehandelt. Auch die von McQuaid ins Spiel gebrachte Idee von der Generalamnestie für geständige Dopingsünder sei nie wirklich diskutiert worden. Es habe von McQuaid nicht einmal eine schriftliche Vorlage gegeben. Stattdessen habe der Ire einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen wollen. "Nach dem Motto: Wir schauen nur nach vorne. Er sagte, die Medien seien dabei, den Radsport zu vernichten. Von Selbstkritik keine Spur."
Verbruggen womöglich weiter der starke Mann bei der UCI
Regenwetter ist felsenfest davon überzeugt, dass im Hintergrund weiterhin Verbruggen "die Fäden bei der UCI in der Hand hält". Dem Niederländer gehe es darum, ein System Ecclestone zu installieren. Regenwetter wirft Verbruggen Profitgier vor. "Der Mann ist ja kein Philantrop. Verbruggen hat sich eine goldene Nase verdient. Die Weltmeisterschaften werden dahin vergeben, wo das meiste Geld sitzt. Es ist doch kein Zufall, dass die WM 2016 an Katar gegangen ist."
Die WM wird Armstrongs langjähriger Mentor Johan Bruyneel dann wohl nur noch als Zuschauer erleben. Doch der Belgier gibt nicht auf. Bruyneel will seinen Einspruch gegen die Anklage der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA aufrechterhalten. Das teilte er in einer Stellungnahme mit, wenngleich er "fassungslos" sei, dass die USADA die Vertraulichkeit missachte.
















