Mischas Tagebuch
Das anstrengendste Wochenende meiner Karriere
Wieder einmal muss ich mich entschuldigen, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Aber hinter mir liegt das anstrengendste Wochenende meiner Karriere! Jetzt weiß ich genau, was mit der eigenen Atmosphäre gemeint ist, die beim Daviscup herrscht.
Am Sonnabend habe ich im Viertelfinale gegen Spanien mein Debüt für Deutschland gegeben. In der Stierkampf-Arena von Marbella durfte ich an der Seite von Nicolas Kiefer im Doppel gegen Fernando Verdasco und Feliciano Lopez antreten. Wir haben in vier Sätzen verloren, aber die Erfahrungen, die ich gewonnen habe, sind unbezahlbar. Die spanischen Fans haben bei fast jedem Punkt unglaublichen Lärm gemacht. Selbst bei Seitenwechseln haben sie mit ihren Trompeten und Trommeln ein großes Konzert veranstaltet. Ich muss eingestehen, dass ich diese Art von Stimmung bislang nicht kannte. Diese Atmosphäre ist mit keinem Turnier auf der Welt vergleichbar. Ich war ehrlich beeindruckt davon, und so habe ich leider auch gespielt. Es lief nicht viel bei mir, und das muss ich mir selbst ankreiden. Ich glaube aber, dass mich das Spiel trotzdem sehr viel weitergebracht hat. Ich weiß jetzt für die Zukunft, was mich im Daviscup erwartet. Und dass ich ein Spieler bin, der auch mal Ruhe braucht, um sich konzentrieren zu können.
Das Gleiche gilt für unseren zweiten Debütanten Andreas Beck. Nachdem unsere Nummer eins Philipp Kohlschreiber am Sonntag in einem überragenden Match Verdasco in fünf Sätzen niedergerungen hatte, musste Andy zum entscheidenden fünften Match gegen Juan Carlos Ferrero ran. Er hat leider in drei Sätzen verloren, so dass Spanien mit 3:2 ins Halbfinale eingezogen ist. Aber ich denke, wir können mit unserer Leistung insgesamt recht zufrieden sein. 2:3 in Spanien auf Sand, das hätte schlimmer ausgehen können.
Für mich geht der Turnier-Alltag nun heute in Stuttgart weiter. Ich fliege um zwölf Uhr von Malaga nach Schwaben. Morgen steht mein Erstrundenmatch gegen den Spanier Guillermo Garcia-Lopez an. Mal schauen, wie ich die Strapazen des Wochenendes verkrafte. Wichtig ist, vor meinem Heimturnier am Rothenbaum, das am 20. Juli beginnt, ein bisschen Selbstvertrauen zu tanken. Ich freue mich auf jeden Fall darauf, wieder in Deutschland spielen zu können. Ohne Trompeten und Trommeln, und mit fairen Fans.
Viele Grüße, Euer Mischa!
Der Hamburger Profi Mischa Zverev (21), derzeit an Position 47 der Weltrangliste geführt, berichtet exklusiv für abendblatt.de von seinen Erlebnissen im Tennisjahr 2009







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