Gevor-Brüder kämpfen morgen in Hamburg - aber nie gegeneinander

Hamburg. Diese Frage müssenalle Brüder beantworten, die im Profiboxen ihr Geld verdienen: Würdet ihr auch gegeneinander kämpfen? Noel und Abel Gevor haben sich darüber noch keine Gedanken gemacht, aus einfachem Grund: Während der 21 Jahre alte Noel im Cruisergewicht (bis 90,7 kg) antritt, ist sein zwei Jahre jüngerer Bruder Abel im Halbschwergewicht (bis 79,4 kg) aktiv. Ein kategorisches Nein zu einem Duell im Ring, so wie es die Schwergewichtsweltmeister Vitali und Wladimir Klitschko beschlossen haben, ist von ihnen deshalb nicht zu hören.

Noel und Abel Gevor sind Sportler, die auf dem Weg zum großen Ziel Weltmeisterschaft keine Herausforderung scheuen. Dennoch sind sie klug genug, sich selbst nicht als "die neuen Klitschkos" zu preisen. Sie sind intelligente Jungs - beide haben ihr Abitur in der Tasche, Noel hat ein Semester Jura studiert -, die sich als Profiboxer durchsetzen wollen. Beim Hamburger Stall EC Boxing haben sie ihre Heimat gefunden; an diesem Sonnabend sind sie Hauptkämpfer einer Veranstaltung in der Verbandshalle am Braamkamp (Beginn 18 Uhr). Für Noel ist das Duell mit dem Tschechen Michal Bilak der fünfte Kampf, Abel bestreitet sein Debüt gegen den Rumänen Mihai Macovei.

Den Siegeswillen, der sie bereits auszeichnete, als die Amateure beim TH Eilbeck ihr Boxhandwerk lernten, haben sie von ihrem Stiefvater Khoren Gevor geerbt. Der 32-Jährige, der sechs Jahre beim Hamburger Universum-Stall unter Vertrag stand und mittlerweile in Kleve am Niederrhein lebt, war Europameister im Mittelgewicht und für seine bissige Kampfführung bekannt. Anfang des Jahres beendete er seine Karriere und kümmert sich seitdem als Trainer um seine Jungs. "Ich wollte nie, dass die beiden Profis werden, weil es ein hartes Geschäft ist. Aber irgendwann haben sie mich im Sparring dermaßen überzeugt, dass ich den Widerstand aufgegeben habe", sagt er.

Die in Armenien geborenen Brüder haben sich schon früh an die Atmosphäre am Ring gewöhnt. "Deshalb macht es uns auch nichts aus, jetzt selbst im Mittelpunkt zu stehen. Wir wissen, was uns erwartet", sagt Noel.

Erol Ceylan, Chef des EC-Stalls, traut seinen "Rohdiamanten" zu, den schnellen Weg durch die Ranglisten zu finden. "Sie sind ebenso talentiert wie fokussiert", sagt er. Der Ansporn, sich mit dem anderen zu messen, ist groß, auch wenn jeder den anderen als den Stärkeren lobt. Beide wollen niemals im Ring herausfinden, wer recht hatte.Lieber wollen sie gemeinsam Weltmeister sein, so wie die Klitschkos. Denn die sind für alle boxenden Brüder das Maß der Dinge.