400 Fälle landen jährlich vor dem Skatgericht

Altenburg. 15 bis 20 Millionen Deutsche spielen Skat, und nicht immer geht das ohne Streit aus. Nicht lösbare Differenzen landen beim Internationalen Skatgericht im thüringischen Altenburg. 2011 gingen dort mehr als 400 Anfragen ein - einige Dutzend mehr als im Jahr zuvor. Präsident Peter Luczak kennt all diese Fälle und muss - manchmal mit Bauchschmerzen - die richtigen Entscheidungen treffen. So wie bei einem Spiel, bei dem zwei Spieler beim Reizen gepasst hatten, woraufhin der Dritte sich einen Scherz erlaubte. Er deckte seine Karten auf und sagte: "Dann spiele ich einen Grand-Ouvert." Doch schon beim Blick auf die Karten musste jedem klar sein, dass er dieses höchste Spiel ohne Ass und Bube nie und nimmer ernst meinen konnte. Aber die Mitspieler beharrten auf seiner Spielansage - und waren streng genommen im Recht. "Eine Spielansage ist unwiderruflich, nicht zu korrigieren und gültig, heißt es in der Skatordnung", sagt Luczak. Das Spiel musste folglich als verloren gewertet werden. "Wenn der Betroffene der Meinung war, einen Scherz zu machen, dann hat er sich den falschen Tisch ausgesucht", sagt Luczak.

Seit mehr als 80 Jahren ist das Skatgericht die höchste Autorität beim Auslegen der Spielregeln. Es gibt das Regelsystem vor und entwickelte daraus eine verbindliche Skatordnung für Meisterschaften und Turniere. Mehrmals im Jahr treffen sich die neun Skatrichter, um kniffelige Probleme zu besprechen. Mitunter holen sich die Richter auch Rat bei staatlichen Juristen, wie im Fall eines Spielers, der das Spiel abkürzen wollte. Er legte seine Karten offen hin und sagte: "Ich glaube, es gibt nichts mehr für euch zu holen." Allerdings irrte er sich, und die Gegenspieler hätten noch einen Stich machen können. "Wir mussten nun klären, ob "ich glaube" so verbindlich ist wie "ich weiß", erläutert Luczak. Er hörte sich bei Richtern von Amts- und Landgerichten um. Das Ergebnis: "Ich glaube" heiße letztlich "ich weiß es nicht genau". Ein solches Spiel sei also fortzusetzen, sagt Luczak. Zum Glück für den betroffenen Spieler, der in diesem Fall doch gewann.