Trabrennen bei Premiere - (noch) ohne Hamburg

HAMBURG. Montag abend, Trabrennbahn Straubing. Um 18.41 Uhr wird auf der Provinzbahn in Bayern das erste Rennen gestartet. Die Reporter von Premiere Win, dem neuen Wettkanal des Münchner Bezahlsenders, sind live auf Sendung. Wenige Minuten später schalten sie zum nächsten Rennveranstalter Dinslaken um. Hier starten die Pferde um 18.52 Uhr. Die Zocker können vom Wohnzimmer aus nach Herzenslust wetten. Ein Internet-Wettkonto hilft ihnen dabei.

Nach dem Reinfall mit dem privaten Hamburger Fernsehsender Raze-TV, der seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Rennvereinen nicht nachkam, aber immer noch weiter sendet, soll Premiere mit seinen mehr als zwei Millionen Abonnenten den angeschlagenen Pferderennsport auf Vordermann bringen.

Straubing, Dinslaken, Berlin-Mariendorf, Gelsenkirchen, Recklinghausen und München-Daglfing sind dabei, Hamburg jedoch nicht. Der Grund: Premiere war nach der ersten Liveübertragung mit den technischen Gegebenheiten in der Hamburger Trab-Arena nicht zufrieden.

"Wir diskutieren innerhalb des Verwaltungsrates über eine neue Technik", sagt Hamburgs Traber-Geschäftsführer Herbert Klatte. "Wir müssen, um die klaren Qualitätsvorgaben von Premiere zu erfüllen, eine zweite TV-Kamera installieren, die das Renngeschehen auf der Gegengeraden einfängt. Außerdem ist es dringend erforderlich, daß wir die Kapazität unserer Flutlichtanlage erhöhen." Die Investitionskosten werden auf mindestens 20 000 Euro beziffert. "Im Laufe des November bekommen wir das sicherlich hin", sagte Herbert Klatte.

Die deutschen Rennvereine versprechen sich von Premiere Win mehr Geld in der Kasse. Zehn bis 17 Prozent des gesamten Außenumsatzes gehen angeblich schon jetzt auf das Konto des neuen Wettkanals. Ob zusätzliche Kunden gewonnen wurden, ist fraglich.

Marc-Mauricius Quambusch, von der Trabrennsport AG (TRS) zusammen mit Jens Kromschröder damit beauftragt, sich um die Verbesserung der TV-Auftritte zu kümmern, sagt: "Es wird offensichtlich verstärkt auf Sieg und Platz gesetzt. Das deutet tatsächlich auf neue Wetter hin."

Ein Problem ist noch nicht vom Tisch: Premiere Win, täglich auch mit Rennen aus Österreich, England, Südafrika und den USA auf Sendung, setzt nur in der Woche auf die Traber in Deutschland. Am Wochenende laufen die Galopper über den Bildschirm - jedenfalls bis zum Ende der "grünen" Saison.

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