Philipp Kohlschreiber und Tommy Haas stehen in der dritten Runde. Kohlschreiber musste fast drei Stunden kämpfen, Haas hingegen stand nur 30 Minuten auf dem Rasen.

Philipp Kohlschreiber

Philipp Kohlschreiber ist in Wimbledon eine Runde weiter. Nun tritt er gegen Roger Federer an.
Foto: Getty

London. Einer kämpfte sich durch fünf Sätze, einer stand nur 30 Minuten auf dem Platz, einer stürzt im Ranking ab und einer machte eine völlig neue Erfahrung in seiner Profilaufbahn. Völlig unterschiedlich verliefen die Auftritte der vier deutschen Tennisprofis am Mittwoch bei den 123. All England Championships in Wimbledon, bei denen Philipp Kohlschreiber und Tommy Haas nun in der dritten Runde stehen. Rainer Schüttler und Simon Greul müssen die Heimreise antreten.

Kohlschreiber darf nach seinem 6:4, 3:6, 4:6, 6:2, 8:6-Erfolg in 2:56 Stunden über den widerborstigen Tschechen Ivo Minar am Freitag gegen Roger Federer wahrscheinlich zum ersten Mal in seiner Karriere auf dem berühmtesten Centre Court der Welt antreten. "Ich freue mich sehr auf dieses Match", sagte der 25-Jährige, vor dem sogar der große Schweizer trotz dreier Siege in drei Vergleichen Respekt hat: "Er hat das Potenzial, die Besten zu schlagen."

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Tommy Haas war dagegen in 30 Minuten mit seiner Arbeit fertig. Der Wahlamerikaner profitierte beim Stand von 4:3 von einer Verletzung seines Gegners Michael Llodra (Frankreich). Vorjahreshalbfinalist Schüttler enttäuschte bei seiner 6:7 (3:7), 3: 6, 2:6-Niederlage gegen den Israeli Dudi Sela, während sich Qualifikant Greul bei seiner 5:7, 1:6, 4:6-Niederlage auf dem großen Platz eins gegen den Weltranglisten-Vierten Novak Djokovic ausgezeichnet verkaufte und den Mitfavoriten mehr ärgerte, als diesem lieb war.

Für Schüttler geht es nun wieder bergab. So schnell wie der Korbacher vor einem Jahr durch seine sensationelle Halbfinalteilnahme in Wimbledon in der Weltrangliste nach oben geschossen ist, so dramatisch ist nun sein Absturz: Von Platz 29 geht es runter auf einen Rang um 90. "Er war zu gut, hat ab dem zweiten Satz einfach eine Klasse besser als ich gespielt", sagte der Hesse, "es war nicht mein Tag." Bei 41 unerzwungenen Fehlern gegenüber 23 des Israelis ist das sicher eine treffende Analyse.

Haas spielte nach der Aufgabe von Llodra noch ein wenig mit den Ballkindern, bevor er wieder zum Duschen ging. "Auf der einen Seite ist es schön, wenn man schnell fertig ist, auf der anderen Seite schade für den Gegner, wenn er sich verletzt", sagte Haas, der nun gegen den Kroaten Marin Cilic antreten muss.

Mit einem Stoppball hatte er Llodra ans Netz gelockt. Der 29-Jährige lief dabei mit vollem Tempo gegen den Schiedsrichterstuhl und prallte auch mit einem Ballmädchen zusammen. Zunächst lachte er noch, dann stellte er fest, dass er sein Bein nicht mehr heben konnte. "Er hat mir gesagt, dass er eine Bauchmuskelzerrung hat", berichtete Haas.

Als Kohlschreiber mit einem Rückhand-Passierball aus vollem Lauf seinen dritten Matchball gegen Minar nutzte, sank er voller Erleichterung auf die Knie, all die Arbeit hatte sich gelohnt. "Minar ist ein unangenehmer Typ, der schlägt gut auf und haut auf alles drauf", hatte der Augsburger schon vor dem Spiel gewusst. Tennis-Feinkost gab es so nur selten zu sehen auf Platz 14, der Matchball war "Kohlis" bester Schlag. Zum zweiten Mal nach 2006 hat er damit die Runde der letzten 32 an der Church Road erreicht. sid