Mischas Tagebuch
Guter Start in Wimbledon
Wimbledon. Mein erstes Match in Wimbledon liegt hinter mir, und es hat nicht mal drei Sätze gedauert. Mein russischer Gegner Dimitri Tursunow, Nummer 26 der Weltrangliste, musste beim Stand von 6:4, 6:2 und 3:0 für mich wegen einer alten Fußverletzung, die wieder aufgebrochen war, aufgeben. Bis Mitte des zweiten Satzes lief es bei ihm gut, er konnte sich gut bewegen und hat mich ein paar Mal super passiert. Aber als ich beim Stand von 4:2 im zweiten Satz mein zweites Break geschafft hatte, war sein Widerstand gebrochen. Im ersten Satz hatte ein Break beim Stand von 4:4 gereicht, um ihn zu gewinnen.
Ich war mit meinem Spiel heute zufrieden. Vor allem habe ich gut returniert, und ich hatte auch nur zwei Breakbälle gegen mich, das war im ersten Satz. Ansonsten lief es sehr gut für mich, ich habe mich wohl gefühlt. Den ganzen Tag war hier in London blauer Himmel und Sonnenschein. Jetzt, wo sie ein Dach auf dem Center Court haben, regnet es nicht mehr! Ich habe auf dem hintersten Platz gespielt, auf Court 19, wo ich auch im vergangenen Jahr mein Auftaktmatch gespielt hatte. Es waren viele Zuschauer da, dass sogar mein Papa, der ja mein Trainer ist, stehen musste.
Nach dem Spiel war ich für 20 Minuten in der Pressekonferenz, und die fünf anwesenden Journalisten haben mir interessante Fragen nach meinen Essgewohnheiten gestellt. Ich war überrascht, woher die so viel wussten, aber die Erklärung war einfach: Sie lesen diese Kolumne! Das freut mich natürlich. Ich konnte ihnen dann auch gleich mitteilen, dass ich einen riesigen Muffin gegessen und dazu Sprite getrunken hatte. Ich weiß, das ist nicht gerade Sportlernahrung, aber meine Devise kennt ihr ja: Ich gebe dem Körper, wonach er sich sehnt. Und das war heute eben ein Cookie-Muffin und Sprite.
Morgen steht für mich mein Erstrunden-Doppel an. Mit dem Serben Dusan Vemic spiele ich im dritten Match nach zwölf Uhr Ortszeit gegen die US-Brüder Bob und Mike Bryan. Die beiden sind eins der bekanntesten Doppel der Welt, und hier sind sie an Nummer eins gesetzt. Allerdings waren sie nach Paris verletzt und haben zuletzt in Queens in Runde eins gegen ein Wildcard-Duo verloren. Sie scheinen also nicht in Topform zu sein, und vielleicht können Dusan und ich das ausnutzen. Klar ist, dass wir versuchen werden, so viel Spaß wie möglich zu haben.
Im Einzel treffe ich in der zweiten Runde am Donnerstag auf Philipp Petzschner (25). Gegen den Bayreuther, der derzeit zehn Plätze hinter mir auf Rang 55 der Welt steht, habe ich eine 1:1-Bilanz. 2006 beim Future-Turnier in Mettmann habe ich ihn in drei Sätzen geschlagen, 2008 in Bangkok in zwei verloren. Wird also Zeit, die Bilanz wieder positiv zu gestalten. Ein deutsch-deutsches Duell ist immer interessant, ich freue mich darauf. Aber morgen zählt erst mal das Doppel.
Viele Grüße aus England, Euer Mischa!
Der Hamburger Profi Mischa Zverev (21), derzeit an Position 45 der Weltrangliste geführt, berichtet exklusiv für abendblatt.de von seinen Erlebnissen im Tennisjahr 2009







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