Mischas Tagebuch
Mit der Familie auf Tour
Immer wieder fragen Leser meines Tagebuchs, wie es auf andere Spieler wirkt, wenn ich in Begleitung meiner Eltern auf Tour bin. Die Antwort ist einfach: Niemand stört sich daran, weil viele Profis in Begleitung von engen Verwandten reisen. Das ist doch auch ganz normal, denn dadurch, dass wir immer so viel unterwegs sind, würden wir unsere Familien sonst gar nicht sehen, wenn sie nicht ab und zu mit uns reisen würden.
Bei mir ist es natürlich ein Sonderfall, weil mich meine Eltern gleichzeitig auch als Trainer betreuen. Das ist eher eine Ausnahme. Aber der spanische Weltranglistenerste Rafael Nadal zum Beispiel wird von seinem On-kel Toni trainiert und begleitet, außerdem reisen immer ein paar Kumpels mit. Fernando Verdasco reist immer mit seinem besten Freund und seiner Mutter. Und hier beim World Team Cup haben meine deutschen Teamkollegen auch zum Teil ihre besten Freunde oder auch Lebenspartner dabei. Das gehört einfach dazu und macht die ganze Atmosphäre ein wenig familiärer. Ich denke, die meisten Profis genießen das ebenso sehr wie ich.
Aus sportlicher Sicht war der heutige Tag leider ein Fiasko. Rainer Schüttler hat sein Einzel gegen den Schweden Robin Söderling 0:6, 0:6 verloren. Das tut selbst einem sonst so in sich ruhenden Mann wie Rainer weh. Der Rest des Teams hat heute nur trainiert, für uns steht morgen ab 13 Uhr der zweite Teil der Partie gegen Schweden an. Zunächst muss Philipp Kohlschreiber sein Einzel gegen Andreas Vinciguerra unbedingt gewinnen, danach können Nicolas Kiefer und ich dann im Doppel gegen Söderling und Robert Lindstedt für den Finaleinzug sorgen. Nur die Gruppenersten kommen weiter, und da Schweden und wir je zweimal gewonnen haben, ist unser Aufeinandertreffen so etwas wie ein vorgezogenes Halbfinale.
Ich fühle mich heute müde, obwohl ich nicht härter oder anders trainiert habe als sonst. Deshalb werde ich mich früh ins Bett legen, um mich ordentlich auszuruhen. An andere Dinge wie Sightseeing in Düsseldorf ist gar nicht mehr zu denken, dazu ist man abends einfach viel zu platt. Zum Glück haben wir morgens auch keinen festen Treffpunkt, sondern können jeder individuell sein Programm starten. Teambesprechung ist immer abends nach den Spielen, wenn wir noch in Ruhe zusammen essen. Jetzt hoffe ich, dass wir morgen Abend über das Finale am Sonnabend reden können. Viele Grüße aus dem Rheinland, Euer Mischa!
Der Hamburger Profi Mischa Zverev (21), derzeit an Position 55 der Weltrangliste geführt, berichtet exklusiv für abendblatt.de von seinen Erlebnissen im Tennisjahr 2009







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