Eiderstedt - Friedrichstadt - das Amsterdam des Nordens
Die wunderschöne Grachtenstadt wurde von holländischen Flüchtligen gegründet und war für ihre besondere Tolerenz bekannt. Viele verschiedene Glaubensgemeinschaften siedelten sich deswegen hier an und verliehen der Stadt ein weltoffenes Flair.
Diese Stadt nimmt unter den Städten Schleswig-Holsteins eine Sonderstellung ein. Sie ist nicht aus einem alten Stadtkern gewachsen, sondern wurde 1621 von Herzog Friedrich III. von Gottorf gegründet. Der Namensgeber der Stadt erlaubte es glaubensvertriebenen holländischen Remonstranten zwischen den beiden Flüssen Eider und Treene sich niederzulassen. Die remonstrantischen Flüchtlinge schufen eine hübsche verträumte Grachtenstadt mit Treppen-Giebelhäuser, vielen Brücken und rechtwinkligen Straßenzügen nach niederländischem Vorbild, sodass die Stadt häufig auch "als Amsterdam des Nordens" bezeichnet wird. Viele verschiedene Glaubensrichtungen ließen sich in dieser Stadt nieder, denn sie fühlten sich durch ein sehr liberales Klima und die herzogliche Toleranz angezogen.
So siedelten sich neben den Remonstranten auch Mennoniten, Katholiken, Lutheraner, Quäker, Juden und andere religiöse Minderheiten an. Zwar liegt der Markt inmitten der Stadt, aber eine Kirche fehlt hier. Eine zentrale Kirche, die gemäß der Gründungsidee der Stadt hätte dies nur eine Remonstrantenkirche sein können, wurden auf Rücksicht auf die anderen Glaubensrichtungen, unterlassen. Die Kirchen wurden in die Wohngebiete eingebettet und sind teilweise auf den ersten Blick gar nicht als solche zu erkennen. Zwar wurden die Träume des Herzogs nicht annähernd verwirklicht, doch ist ihm die so genannte »Holländerstadt«, in der es heute noch vier Glaubensrichtungen und zwei Kirchtürme gibt, zu verdanken.
Der Herzog hatte von einer blühenden Handelsstadt geträumt, doch einen so kometenhaften Aufstieg konnte die kleine Stadt an Eider schon aufgrund schwieriger historischer Konstellationen nicht bewerkstelligen. Harte Zeiten brachen an, als die Region 1657 in den Dänisch-Schwedischen Krieg hineingezogen wurde. Viele Niederländer mussten Konkurs anmelden und kehrten wieder in ihre Heimat zurück. 1848 wurde Friedrichsstadt in die nationalen Erhebungen hineingerissen. Die Dänen erklärten es zur Festung. Die schleswig-holsteinische Armee belagerte die Stadt und beschoss sie schließlich aus allen Rohren, als sie sie nicht einnehmen konnten. 1850 sank daraufhin ein Drittel aller Gebäude durch das Bombardement in Schutt und Asche, so das Rathaus und die Remonstrantenkirche. Viele Gebäude wurden später aber wieder originalgetreu aufgebaut.
| Info: Remonstranten - moderne Ideen Die Remonstranten lehnten einige Überzeugungen aus der Lehre der Calvinisten, der niederländischen Protestanten, ab. Die Remontranten weigerten sich, die Prädestination der calvinistischen Lehre anzuerkennen, wonach jedem Menschen sein Schicksal, ob er ewige Seeligkeit erlange könne, vorherbestimmt sei. Die Remonstrantie besagte im Gegenzug dazu, dass jedem Menschen die ewige Seeligkeit offen stehe, da Christus Opfertod allen gelte. Eine Synode der Calvinisten verwarf 1620 diese Ansicht, woraufhin die Remonstranten verfolgt wurden und nach einer neuen Heimat suchten. Kiek mol (in)! Grachtenfahrt Fast jeder Einwohner scheint einen eigenen Fähranleger zu haben, die Stadt erkundet man auch am besten vom Wasser aus. Die Möglichkeiten zu Wasser sind vielfältig: zahlreiche Grachtenfahrten werden angeboten, der Besucher kann aber auch selber im Kanu paddeln. Neberhaus (1630) dient als Hotel "Holländische Stube" charakteristisch ist die nach vorn geneigte Fassade Remonstrantenkirche ist eher schlicht, nach remonstrantischer Sitte fehlen Altar und schmückende Elemente Paludanushaus (1637) Bauwerk mit stattlichen Treppengiebel und einer prachtvoll geschnitzten Rokoko-Eingangstür, einstmals für einen Weinhändler errichtet, wohnt heute der Pastor der dänischen Gemeinde (Prinzenstraße 28, keine Besichtigung) Brunnen am Marktplatz Über dem Brunnen mit seiner Pumpe erhebt sich ein vorwitziger, auf Säulen errichteter Baldachin im neugotischen Stil. Am Brunnen selbst sind gestrenge Zeilen eingraviert, die den Genuss des Wassers vor dem Weine preisen. Das beurteilt manch einer freilich etwas anders, die Zeilen stammen indes von dem bekannten Dichter Klaus Groth. Der Brunnen hatte es ihm offensichtlich angetan und nicht nur ihm, die Friedrichstädter lieben ihren Brunnen. Alte Münze Geschichtsträchtiges Gebäude, dessen Name Rätsel aufgibt, weil in keinem Dokument verzeichnet ist, dass die Stadt Münzrecht besaß. In dem bedeutenden Gebäude residierte der Statthalter des Herzogs Adolph van Wael, heute ist es ein stadtgeschichtliches Museum, Am Mittelburgwall 23 Inkööpen Fischstube-Räucherei Fisch aus eigener Räucherei, auch Versand. Di-Sa 9-18, So 10-18 Uhr, Prinzenstr. 16, Tel. 04881/ 16 58 Schön slopen Aquarium Vier-Sterne-Hotel mit Schwimmbad und Sauna. 38 Zi., Am Mittelburgwall 4-8, Tel. 04881/930 50, www.hotel-aquarium.de Heuherberge Hier werden die "Betten" mit der Gabel gemacht. Sie schlafen im Schlafsack in Heuboxen. Frühstück gibt es auch. Schlafsack ist mitzubringen. 40 Schlafplätze, April bis Okt., Mildterhof/Gemeinde Seeth, Friedrichstadt, Tel 04881/78 16, www.mildterhof.de Holländische Stube Hotel in einem alten Kaufmannshaus. Liebevoll eingerichtet. 10 Zi., Mittelburgwall 22-26, Tel. 04881/ 939 00, www.willhoeft-hollaendischestube.de Eeten un Drinken Holländische Stube Gut essen oder Kaffee trinken mit Grachtenblick. Am Mittelburgwall 22, Tel. 04881/939 00 Vergnögen Letztes Juliwochenende: Friedrichststädter Festtage Fr-So steht alles Kopf, Sonnabend Grachtenfahrt mit Lampions besonders schön und stimmungsvoll!!!
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