24.07.12

ADAC-Test

Sicherheitslücken: ADAC findet Mängel an Kreuzfahrtschiffen

Allein in Deutschland sind 18 Kreuzfahrtschiffe registriert, weltweit sind nach Schätzungen Hunderte unterwegs. ADAC hat zehn Ozeanriesen getestet.

Foto: dpa/DPA

Schlusslicht ist das Schiff "Costa Serena" auf Rang 10

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München. Kreuzfahrtschiffe haben nach einer ADAC-Stichprobe Nachholbedarf beim Sicherheitsmanagement. Ein halbes Jahr nach der Havarie der "Costa Concordia" nahm der Autoclub erstmals zehn sogenannte Ozeanriesen unter die Lupe. Die Hälfte dieser Schiffe habe per Ausnahmegenehmigung wasserdichte Türen unterhalb der Wasserlinie auf See offen lassen dürfen – darin sahen die ADAC-Tester das größte Problem und "ein nicht zu unterschätzendes Risiko".

Offene Schotten könnten "schwerwiegende Folgen haben, wenn etwa ein Schiff Leck schlägt, Wasser eintritt und sich schnell und unkontrolliert im Rumpf ausbreitet", hieß es vom ADAC.

Bei vier Schiffen ließen zudem die Rettungsübungen zu wünschen übrig. Rettungswesten oder -inseln seien zudem teils verschlossen oder festgebunden gewesen. Insgesamt attestierte der Autoclub den Kreuzfahrtschiffen aber einen guten oder sogar sehr guten Zustand.

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Allein in Deutschland sind 18 Kreuzfahrtschiffe registriert, weltweit sind nach Schätzungen Hunderte unterwegs. Der ADAC testet schon lange Angebote und Einrichtungen jenseits der Straße – von Rodelbahnen über Skipisten bis zu Fähren.

Bei den zehn untersuchten Schiffen gab es nach dem am frühen Dienstagmorgen veröffentlichten ADAC-Test moderne Sicherheits-, Rettungs- und Brandschutzeinrichtungen. Die Besatzung sei meist professionell gewesen. Allerdings beanstandeten die Tester auf den Schiffen "Norwegian Epic", "MSC Fantasia", "Navigator of the Seas", "MSC Splendida" die Seenotrettungsübungen. Teils seien sie zu oberflächlich gewesen oder es seien nicht alle Passagiere zusammengerufen worden.

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Das größte Problem sah der ADAC unterhalb der Wasserlinie: Die "Adventure of the Seas", die "Norwegian Epic", die "MSC Fantasia", die "MSC Orchestra" und die "MSC Splendida" hätten Ausnahmegenehmigungen ihrer Flaggenstaaten gehabt. Damit durften die wasserdichten Türen im Schiffsinnern auf See offen bleiben, um Arbeitsabläufe zum Beispiel in der Wäscherei oder in den Lagerräumen zu erleichtern.

Die Endnote "sehr gut" erreichten nur die "Aida Bella" und die "Aida Diva" der Reederei Aida Cruises. Getestet wurden auch zwei Schiffe der Genueser Reederei Costa Crociere, zu der die am 13. Januar havarierte "Costa Concordia" gehörte. Die "Costa Fascinosa" schnitt bei allen Testpunkten "gut" oder "sehr gut" ab – auch beim Sicherheitsmanagement.

Bei dem 4880 Personen fassenden Luxusliner "Costa Serena" sei den Testern die Zusammenarbeit verweigert worden, hieß es beim ADAC. Die Reederei teilte dazu mit, es sei zu Missverständnissen gekommen, die Costa bedauere. "Der ADAC ist jederzeit willkommen an Bord. Daher wurde auch voll mit den ADAC Testern auf der "Costa Fascinosa", dem Schwesterschiff der "Costa Serena", kooperiert und die Bewertung des Schiffes ermöglicht." Der ADAC sei eingeladen, jederzeit die Bewertung der "Costa Serena" nachzuholen. Die Einladung gelte auch für alle anderen Schiffe der Costa-Flotte.

Die "Costa Concordia" war am 13. Januar zu nahe an die Insel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gerammt und war dann mit 4200 Passagieren und Crew-Mitgliedern an Bord gekentert. Bei dem Unfall waren 32 Menschen umgekommen, unter ihnen 12 Deutsche.

Die zehn vom ADAC untersuchten Kreuzfahrtschiffe fuhren bei dem Test alle im Mittelmeer. Der Autoclub schickte inkognito nautische Sachverständige mit Kapitänspatenten an Bord, die sich nach einigen Tagen zu erkennen gaben, um dann mit Schiffsleitung und Crew auch für Passagiere nicht zugängliche Schiffsteile begutachten zu können. (dpa)

Die zehn Ozeanriesen im Vergleich
im Mai 2012 waren ADAC-Tester an Bord der untersuchten Schiffe und fuhren Teilstrecken der jeweiligen Mittelmeer-Routen mit. Die Checkliste umfasste 150 Prüfpunkte.
Auf dem 10. Platz landere die "Costa Serena" der Reederei Costa Crociere. Hier war die Auswertung schwierig, da die Schiffleitung mit den Testern nicht kooperieren wollte.
Platz 9 nimmt die "MSC Splendida" der Reederei MSC Crociere ein. Hier war das Sicherheitsmanagement mangelhaft
Den achten Platz sicherte sich die "MSC Orchestra", ebenfalls ein Schiff der Reederei MSC Crociere. Konstruktion und Stabilität sowie Sicherheitsmanagement wurde als ausreichend bewertet (teilweise mit Sternchen).
Die "Navigator of the Seas" der Reederei Royal Carribean Int. konnte in Konstruktion und Stabilität dagegen punkten, das Sicherheitsmanagement wurde aber als mangelhaft bewertet.
Auf Platz sechs des ADAC-Rankings landete die "MSC Fantasia" der Reederei MSC Crociere. Sie fährt unter panamaischer Flagge. Auch hir ist das Sicherheitsmanagement ein Kritikpunkt, in Punkto Sicherheitsinformation, Brandschutz und Rettungsmittel konnte das Schiff aber überzeugen.
Die "Norwegian Epic" der Norwegian Cruise Line schneidet auf Platz fünf ähnlich ab wie die sechstplatzierte "MSC Fantasia", kann allerdings mehr Personen befördern.
Die Reederei "Royal Carribean Int."landete auf dem vierten Platz. Bis auf den Punkt Konstruktion und Stabilität hatten die Tester nichts zu bemängeln.
Platz drei ging an die "Costa Fascinosa" der Reederei Costa Crociere. Hier wurden alle Aspelkte positiv bewertet, auch der Aspekt, dass die Schotten auf hoher See auch nicht in Ausnahmefällen geöffnet sein dürfen, spielte eine Rolle.
Mit dem zweiten Platz und der "AIDAdiva" der AIDA Cruises beginnt die Oberliga der Kreuzfahrtschiffe - zumindest wenn es um das ADAC-Urteil geht. Hier konnte als Gesamtwertung bereits das Urteil "sehr gut" vergeben werden.
Der erste Platz ging ebenfalls an ein Schiff der Reederei AIDA cruises. Die "AIDAbella" unter italienischer Flagge hat laut Testern keinerlei Mängerl aufzuweisen, punktet in allen Kategorien mit dem Urteil "sehr gut".
Quelle: ADAC
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