Kleine Fluchten: Villa "Caldera" in Cuxhaven
Jugendstil-Haus am Nordseedeich
Vom Balkon aus blickt man auf Ozeandampfer, die langsam gen Hamburg oder in die Nordsee fahren.
Die Villa Cadera ist nur 50 Meter vom Strand entfernt.
Foto: M. Pasdzior
Stippvisite in Cuxhaven, auf der Route Hamburg-Glückstadt, mit der Elbfähre hinüber nach Wischhafen. Und dann hinein in die frische Nordseebrise von Duhnen. Wenig später steht man vor dem ZIel der Reise: die Villa Caldera. Deren Fassade erinnert an die typische Bäderarchitektur in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Tau flankiert als Geländer die wenigen Stufen zur Eingangstür. Bereits im Flur ist die Atmosphäre des Hauses zu spüren. Die Dielen des Holzfußbodens wie auch die lichten Wandfarben verbreiten freundliche Stimmung.
Ein Herr Strathmann, der in Chile gelebt hatte, baute sich das Haus 1904 als Sommerresidenz und nannte es nach einer kleinen Hafenstadt in Chile, wo er seine Frau kennenlernte. Strathmann war 1890 nach Hamburg gekommen und wurde dort Senator. Seine vier Töchter lebten alle in der Villa Caldera. In Cuxhaven erzählte man sich, die Adresse habe zu jener Zeit etwas Mystisches gehabt, da das Haus mit Kletterrosen und Efeu fast zugewachsen war. 1972 wurde es verkauft und erlebte seine Premiere als Hotel. Als es 1996 wieder angeboten wurde, griffen der gebürtige Cuxhavener Jan Dieckhoff und seine Frau Manuela zu. Ein Jahr lang bauten die gelernte Physiotherapeutin und der Grafikdesigner das Hotel gründlich um: "Da konnten wir uns in jeder Hinsicht austoben. Mittlerweile sind die Hauspflege und der Kontakt zu den vielen netten Gästen eine Art Traumberuf für uns geworden", sagt Manuela Dieckhoff strahlend. Design und Ausstattung sind selbst entworfen. Um den Jugendstil möglichst komplett zu erhalten, wurden geduldig geeignete Handwerker, Möbel und Ausstatter gesucht.
So glückte es, den Charme des Hauses zu konservieren. Die Möbel sind italienisch, die Tapeten englisch, die Lampen und Türklinken kommen aus Hamburger Antikshops. Die Bilder im Hausflur sind zum größten Teil Jan Dieckhoffs eigene Werke. Eine Komposition, die stimmig ist und überzeugt. Obwohl beide Eigner im Hotelfach Seiteneinsteiger sind, erledigen sie ihre Aufgabe mit Geschick und Bravour. Da war Manuelas Erfahrung als Kellnerin in Studienzeiten sehr nützlich. Obwohl sie "bei null" anfingen, hat sich die Gästezahl schnell vermehrt; heute gibt es schon viele Stammgäste. Da spielt sicher auch die günstige Lage direkt am Deich - dahinter der Badestrand - und eingebettet in das alte Lotsen- und Kapitänsviertel von Cuxhaven eine Rolle. Im Sommer können die Gäste auch den idyllischen Garten nutzen.
Die Zimmer vermitteln behagliche Atmosphäre. Dazu tragen die Korbsessel bei und die verspielten Jugendstillampen mit Blütenkelchschirmen aus Glas. Also Nostalgie und ein Hauch der "guten, alten Zeit". Von den Fenstern des oberen Stockwerks sieht man die Seeschiffe hinaus auf die Meere oder nach Hamburg vorbeiziehen. Im Untergeschoss wird morgens das ausgiebige Frühstück mit vielen frischen Produkten und hausgemachter Marmelade aufgefahren. So sieht das süße Leben aus.




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