19.05.09

Flensburger Förde

Wo Deutschland schon schön dänisch ist

Der kleine Grenzverkehr gehört zum Alltag in dieser nördlichsten Stadt der Republik. Allerorten ist hier der skandinavische Einfluss zu spüren.

Von Heike Wells
Foto: Johannes_Arlt
Rund um Hamburg
Die Abendblatt- Bank sticht in See: Christian Hansen auf dem Schulschiff "Hans Haack".

An klaren Tagen ist der Blick von der Halbinsel Holnis aus atemberaubend: fast ein 360-Grad-Panorama über die Flensburger Innen- und Außenförde hinüber zur dänischen Küste. Die Sonne wirft Lichtpunkte auf das Wasser, Segelboote ziehen Linien hinein. Kein Wunder, dass dieser Ort eines der bevorzugten Ausflugsziele auch der Flensburger selbst ist. Dem Besucher vermittelt er, neben der grandiosen Aussicht, eine Ahnung der Vielgestaltigkeit der Region Flensburger Förde: Gepflegter Sandstrand, steinige Ostseeküste und grünes Hinterland, hektischer Hafenbetrieb und beschauliches Badeleben, städtisches Flair und ländliche Idylle, Seefahrertradition und modernes Geschäftsleben; imposante historische Kaufmannshöfe, Wohntürme, bescheidene Fischerhäuser, geduckte Reetdachkaten, Gutshöfe, Schlösser, Kirchen; Dänisches und Deutsches - all dies vermischt sich hier zu einer spannungsreichen nordländischen Melange.

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Als Förde bezeichnet man einen von einer Gletscherzunge ausgeschliffenen Meeresarm. Die Flensburger Förde reicht, geografisch betrachtet, vom Leuchtturm Kalkgrund, der auf der äußersten Spitze einer von der Geltinger Birk in die Ostsee hineinragenden Sandnase gründet, bis kurz vor Sonderburg, der größten dänischen Stadt auf der Insel Alsen. Als "Ganzjahres-Erlebnisregion" will sich ein großräumigeres, im Norden das gesamte Alsen und die dänische Kommune Appenrade umfassendes Gebiet im Rahmen eines EU-Förderprojektes empfehlen. Aber schon das eigentliche Kerngebiet der Flensburger Innen- und Außenförde umfasst weit über 100 Kilometer Küstensaum plus Hinterland.

Wo also anfangen? Vielleicht dort, wo die Region ihren Namen erhielt - in der Stadt, die 400 Jahre unter dem Einfluss der dänischen Krone stand und heute gelebtes Beispiel ist für ein Miteinander der Sprachen und Kulturen. Es gab Zeiten, im 18. Jahrhundert, da war Flensburg mit 200 ansässigen Schiffen der größte Hafen Schleswig-Holsteins - heute ist die 80 000-Einwohnerstadt die drittgrößte des Landes. Dass hier nicht nur das kulturelle Miteinander gelingt, sondern auch Tradition und Moderne sich gut vereinen, erkennt der Besucher am besten mitten im Herzen der Stadt, rund um die Hafenspitze, deren Gesicht in den vergangenen Jahren neu gestaltet wurde - übrigens mit bei den Einheimischen nicht unumstrittenem Ergebnis.

Historische und moderne Bauten, stilvoll restaurierte Wohn- und Geschäftshäuser, Getreidesilos, schmucklose Gewerbehallen und das neue Quartier Sonwik auf dem Gelände eines ehemaligen Marinestützpunktes mit den Wohntürmen Lee und Luv als markantem Blickfang, auf dem Wasser Getreidefrachter aus Osteuropa neben Segelbooten und Fährschiffen bilden eine variationsreiche Szenerie. Und mittendrin tuckert die MS "Flora II" von Kapitän Christian Hansen quer über die Förde. Hansen, ein echter Flensburger Jung, hat die ehemalige Hamburger Hafenbarkasse zum Ausflugsschiff umfunktioniert und erzählt während einer Rundfahrt gern unermüdlich Flensburger Hafengeschichten.

Auch eine Schiffstour nach Glücksburg ist ab Flenburg möglich. Eine Tour wie in eine andere Welt: gepflegte Kur-Atmosphäre, die Strandkörbe ordentlich aufgereiht am eingezäunten, picobello-sauberen Sandstrand, das weiße Strandhotel frisch herausgeputzt (in unmittelbarer Nachbarschaft dazu allerdings ein schmucklos-graues Hotel- und Appartmenthochhaus). Wer Zeit mitbringt, sollte sich einen Spaziergang durch den Kurpark Richtung Stadtzentrum zum Wasserschloss des Ostseebades gönnen, dem vielleicht meistfotografierten Gebäude der Region.

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Kontrastprogramm zum Stadt- und Strand(er)leben ist eine Landpartie nach Angeln. Dort, in dem kleinen Dorf Winderatt bei Sörup, unterhält der ehemalige Hochschullehrer Meinolf Hammerschmidt gemeinsam mit seiner Frau ein Obstmuseum. Die Beschäftigung mit alten Obst-, vor allem Apfelsorten war für Meinolf Hammerschmidt zunächst "nur" Hobby neben dem Lehrauftrag an der Flensburger Universität, ein rund 150 Jahre alter Apfelbaum der Sorte "Angelner Herrenapfel", der noch heute steht, dann Zündfunke für die berufliche Neuorientierung: Der Baum bildet die Basis für eine Obstsortensammlung, aus der nicht nur eine Baumschule und damit ein Broterwerb, sondern auch das Museum mit Namen "Pomarium Anglicum" wurde.

Der blutrote Gravensteiner, die Agathe von Klanxbüll, der aus der Region Hamburg stammende Altländer Pfannkuchenapfel und viele weitere Apfel- und andere Obstsorten werden hier kultiviert, gehegt und verkauft. "Wir haben gemerkt, dass das Interesse an alten Obstsorten und der Bedarf an Beratung immer größer wurden", erzählt der 65-Jährige.

Heute unterhalten die Hammerschmidts eine Baumschule, erweitern ständig ihr Angebot und das Obstmuseum, unter anderem um Themengärten. Als Pomologe, also Apfelexperte, hat sich Meinolf Hammerschmidt längst einen Namen weit über die Region hinaus gemacht. Der Spitzname "Apfelpapst" sei ihm wohl bekannt, räumt er ein und schaut ganz unschuldig: "Keine Ahnung, wie der zustande kam ..." Geöffnet ist das Obstmuseum übrigens nur in der Apfelzeit, im August und September, an zwei festen Terminen in der Woche.

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