Kleine Fluchten: Wasserferienwelt "Im-Jaich"
Ferienquartier auf dem Wasser
Die idyllischen Hausboote in der Ostsee wecken Romantik und Abenteuerlust zugleich.
Die Hausboote unterscheiden sich in Form, Farbe und Größe.
Foto: Michael Pasdzior
Wer einmal ein Gefühl dafür bekommen möchte, wie es sich auf einem Hausboot wohnt, kann dies probeweise auf Rügen tun. Es ist wohl die bislang ungewöhnlichste Unterkunft, die man auf Deutschlands größter Insel finden kann. Inmitten des Biosphärenreservats unweit von Putbus befindet sich die Anlage "im-jaich", benannt nach dem Eigentümer.
Familie Jaich stammt aus Arnis an der Schlei, ihr Geschäft ist eigentlich der Bau und Betrieb von Yachthäfen. Vater Ingo hat vor 40 Jahren das erfolgreiche Wasserbauunternehmen gegründet; heute sind fast alle Familienmitglieder im Betrieb beschäftigt.
So auch Sohn Till, der seinen Vater für seine Weitsicht nach der Wende lobt: "Er fuhr sofort hierher und machte sich auf die Suche nach einem idealen Platz für einen Yachthafen." Den fand er in Lauterbach, wo 1990 dann die Arbeiten mit dem Ausbaggern des Hafens, dem Bau der Wellenbrecher und des ersten Steges begannen, an dem 1994 erstmalig ein Boot festmachen konnte. Drei Jahre später wurden einige Häuser auf dem Festland als Ferienunterkünfte sowie ein Restaurant, der Tagungsraum und die Sauna gebaut.
Doch irgendwie fehlte noch das i-Tüpfelchen. Zusammen mit seinem Vater entwickelte Till Jaich dann das Konzept der schwimmenden Ferienhäuser. "Mich haben schon immer die Hausboote fasziniert, wie ich sie aus Sausolito in Kalifornien kenne", erzählt er, "und da im Uferbereich ein absolutes Bauverbot herrscht, ist die Idee entstanden, aufs Wasser zu gehen." Also wurde im eigenen Werftgebäude aus Holz das erste Hausboot gezimmert, mit einem Fundament aus Styropor, das mit Stahlbeton ummantelt ist.
Nicht einfach war es aber, dafür eine Genehmigung zu bekommen. Doch letztlich wurde entschieden, den Jaichschen Prototyp als Boot zu klassifizieren. Das war 1998. Heute gibt es 22 in unterschiedlichen Pastellfarben gestrichene Hausboote, 14 feste Pfahlhäuschen werden Mitte Juni 2011 fertig. Jedes davon hat eine eigene Badeleiter, die zum Schwimmen einlädt. Wer lieber zum Badestrand gehen mag, läuft etwa zehn Minuten.
Die komplett ausgestatteten Wohnungen auf den Booten gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen; sie sind in modernem (Ikea-)Stil eingerichtet. So kann sich der Gast auch selbst versorgen und an wärmeren Tagen auf der Terrasse in wunderschöner Atmosphäre speisen. Wer zum Kochen keine Lust hat, geht zum Essen in das gemütliche Restaurant "Kormoran" und genießt dort bei schönem Ausblick die vorzügliche Lauterbacher Fischsuppe.
Das schöne Segelrevier ist ein Eldorado für Wassersportfans jeden Alters - ob Einsteiger oder Profi. Es gibt Angebote mit oder ohne Bootsführerschein: Wer mag, kann eine Yacht chartern, eine Jolle ausleihen oder einen Tagestörn mit dem Folkeboot rund um die Naturschutzinsel Vilm machen. Auch Segelkurse für Kinder und Erwachsene sind möglich. Allen, die einmal festen Boden unter den Füßen spüren möchten, bietet das nahe gelegene Putbus einen weitläufigen Landschaftspark mit Tiergehege, ein Museum zum "Anfassen", das auf dem Kopf stehende Haus "Verkehrtherum" sowie den Indoorspielplatz "Pirateninsel".




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