Asien: Von wilden Elefanten, fruchtbaren Plantagen und prachtvollen Palästen
Wo Indiens bester Kaffee wächst
Im Bundesstaat Karnataka findet man unberührte Bergregionen und die Reste eines alten Königreichs.
Heute Nacht sind sie sogar bis an Haus gekommen", erzählt Emmanuel Ramapuram und führt den Besucher zum niedergetrampelten Zaun in seinem Garten. "Die sind scharf auf die Papayas." Immer wieder kommen die wilden Elefanten aus dem nahe gelegenen Naturschutzpark in die Dörfer und laben sich an süßen Früchten oder den zarten Reispflanzen auf den Feldern. "Vor ein paar Jahren haben wir daher um die Hotelanlage einen elektrischen Zaun gebaut", erklärt der Besitzer des "Orange County Resorts" im Coorg-Distrikt im indischen Bundesstaat Karnataka. Die touristisch weitgehend unbekannte Bergregion gehört zu den schönsten Landschaften Südindiens. Bis 1956 war Coorg sogar ein eigener Staat, und bis heute haben die Einheimischen, die sich als Nachfahren der Soldaten Alexanders des Großen sehen, ihre eigenen Bräuche bewahrt. So ist Coorg auch heute noch der einzige Ort in Indien, an dem alle Bewohner Waffen tragen dürfen.
In Indien ist die Region vor allem bekannt durch ihre ausgedehnten Kaffeeplantagen. "Hier wächst der beste Kaffee des Landes", erzählt Emmanuel Ramapuram. 1926 kam sein Großvater aus dem südlich gelegenen Kerala hierher, um auf den Plantagen der Briten zu arbeiten. Später kaufte er das Land, auf dem immer noch Kaffee angebaut wird. 1992 hatte Emmanuel, der älteste von sieben Brüdern, dann die Idee, auf dem idyllisch zwischen dem Fluss Cauvery und dem Dubare Forest gelegenen Grundstück ein Urlaubsresort zu bauen. Ausgerechnet in dem Jahr, als ein Frost die Kaffeeernte in Brasilien zerstörte und die Preise daher stiegen, begann er mit dem Bau. "Damals hat mich jeder für verrückt erklärt", erinnert er sich. Zudem kamen kaum Gäste in die Region. Inzwischen ist das Resort zum Geheimtipp für Erholung suchende Inder geworden. Auch Bollywood-Stars genießen die Ruhe und den Komfort der strohgedeckten Cottages im englischen Landhausstil oder der geschmackvollen Villen mit eigenem Pool.
Jeden Nachmittag führt Ganesh die Gäste auf einem Spaziergang durch die weitläufigen Kaffee- und Gewürzplantagen in die Geheimnisse der Pflanzen- und Tierwelt ein. Um die hohen Bäume, in deren Schatten die Kaffeesträucher gedeihen, ranken sich Pfefferpflanzen, am Boden wächst Kardamom. "Wenn Sie hiermit Ihre Windschutzscheibe abwischen, brauchen Sie drei Monate keinen Scheibenwischer mehr", erzählt Ganesh und pflückt ein paar Blätter der Jetrapha-Pflanze. Die ist nicht nur für ihre Wasser abweisende Wirkung bekannt, aus ihr wird auch Biodiesel gewonnen.
Zum Ausflugsprogramm der meisten Gäste gehört ein Besuch der zweitgrößten tibetischen Gemeinde außerhalb Tibets. Im Dorf Bylakuppe werden tibetische Nudeln und Räucherstäbchen hergestellt, in den Klöstern studieren Mönche die heiligen Schriften, und im größten Tempel zeugen 18 Meter hohe vergoldete Buddha-Statuen vom Reichtum der Exilgemeinde.
Knapp zwei Stunden sind es von hier bis nach Mysore. Mit ihren breiten Alleen, dem märchenhaften Maharadscha-Palast und dem farbenprächtigen Markt gehört die Stadt zu den sehenswertesten Zielen Karnatakas. Mysore ist berühmt für seine erlesenen Seidenstoffe und die Sandelholz-Fabriken, in denen geschickte Handwerker aus dem kostbaren Holz Elefanten aller Größen schnitzen. Im Palast zeugen Türen aus Elfenbein und ein mit Gold und Diamanten besetzter Thron noch vom einstigen Glanz der Maharadschas. Zur Geltung kommt das imposante Gebäude mit seinen roten Zwiebeltürmchen vor allem am Sonntagabend, wenn Tausende von Glühbirnen den Palast erleuchten.
Knapp 200 Kilometer sind es von Mysore nach Bangalore. Besuchern hat die IT-Metropole wenig zu bieten, und wer nicht gern stundenlang im Stau steht, sollte die Sieben-Millionen-Einwohner-Stadt meiden. Beschaulich geht es dagegen im knapp 400 Kilometer nördlich gelegenen Hampi zu. Die 1986 zum Weltkulturerbe ernannten Reste des Hindu-Königreiches von Vijayanagar gelten als eine der größten archäologischen Attraktionen Indiens. Über 26 Quadratkilometer verstreut liegen die Ruinen von Tempeln, Palästen, Bädern und Stallungen inmitten einer archaisch anmutenden Landschaft mit imposanten Granitfelsen und saftig grünen Feldern. Noch heute nutzen die Bauern die über 500 Jahre alten Kanäle für die Bewässerung ihrer Felder. Bisher fehlen in Hampi noch gute Hotels. Emmanuel Ramapuram hat daher Land gekauft. In ein paar Jahren soll es auch hier ein "Orange County Resort" geben.



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