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Reise

Grand Palais in Paris öffnet

Architektur: Renovierungsarbeiten ruhen für zwei Wochen. Ein kurzer Blick auf eine der schönsten Baustellen der Welt.

Als vor zwölf Jahren ein schwerer Nietnagel aus dem bis zu 45 Meter hohen Stahl- und Glasdach des Grand Palais fiel, kamen die Besucher des Pariser Wahrzeichens mit dem Schrecken davon. Doch das zur Weltausstellung 1900 errichtete architektonische Meisterwerk mußte daraufhin seine Pforten schließen. Seit 2001 wird das 200 Meter lange Gebäude aufwendig renoviert. Ab heute ruhen die Arbeiten für zwei Wochen: Besucher können einen Blick auf eine der wohl schönsten Baustellen der Welt werfen.

1500 Arbeiter waren notwendig, um das Grand Palais mit seinen 16 000 Quadratmetern Glasfenstern Ende des 19. Jahrhunderts zu errichten. Es wurde nur knapp zur Weltausstellung fertig. Ihre Besucher staunten damals fast ebenso über die lichtdurchflutete Konstruktion, wie sie es über den zur vorangegangenen Pariser Weltschau 1889 errichteten Eiffel-Turm getan hatten. In den folgenden Jahren blieb das Gebäude mit seinem extravaganten Dach Ausstellungsort für Kunst, wurde dann aber auch für profanere Zwecke wie einen jährlichen Agrarsalon und Reitveranstaltungen belegt. Im Ersten Weltkrieg schon als Krankenhaus genutzt, machten die deutschen Besatzer das Gebäude im Zweiten zur Garage für ihre Militärlastwagen. Nach dem Krieg war das Grand Palais dann wieder vor allem Schauplatz von Kunst- und Buchmessen sowie kulturelle Veranstaltungen . Mit der außerordentlichen Öffnung zu den "Tagen des nationalen Erbes" feiert das Pariser Kulturministerium den Abschluß der ersten Phase der Bauarbeiten, die bis zu ihrem Ende 2007 gut 100 Millionen Euro verschlungen haben werden. Nicht nur das Glasdach war baufällig geworden, noch mehr Kopfzerbrechen bereitete der Untergrund. Dort hatten hundert Jahre lang 3400 Eichenpfähle das 200 Meter lange Gebäude gestützt, die aber mit der Zeit dahinrotteten. Gleichzeitig drohte eine Absenkung des Grundwasserspiegels den südlichen Teil der Mammutkonstruktion zu destabilisieren.

Für die Restaurierung mußten 10 000 Tonnen Zement in den Untergrund gepumpt, 15 000 Nietnägel und 13 500 Quadratmeter Glas ausgetauscht sowie 110 000 Quadratmeter Fläche mit 60 Tonnen Farbe gestrichen werden. Gleichzeitig wurden an der Außenfassade die beiden Quadrigen "Die Unsterblichkeit hintergeht den Tod" und "Die Harmonie triumphiert über die Zwietracht" in jahrelanger Arbeit restauriert.

Eine besondere Attraktion während der kurzzeitigen Öffnung sind die beiden großen Globen des Franziskaner-Paters Vincenzo Coronelli, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts nur zweimal gezeigt wurden. Die beiden blauschimmernden Sphären aus dem 17. Jahrhundert, die Erde und Himmel darstellen, haben einen Durchmesser von 4,87 Metern und jeweils ein Gewicht von zwei Tonnen.

  • Öffnung ab heute bis zum 29. September, 12 Uhr bis Mitternacht; Ruhetag 20. September; am 30. September verlängerte Öffnung bis sieben Uhr am 1. Oktober; Eintritt frei.AFP

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