Kleine Fluchten: Jagdschloss "Bellin"
Familienferien mit Glanz und Gloria
Das malerische Hotel ist für Schlossherren und -damen jeden Alters eine echte Entdeckung.
Sich wie ein Schlossherr fühlen: das Jagdschloss Bellin inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte gelegen.
Foto: Detlef Jens
An das Leben als Schlossherr könnte man sich glatt gewöhnen. Zum Kaffee sitzt man oberhalb der großen Freitreppe, die zum Park mit den zwei Teichen hinab führt. Die Sonne lässt das Wasser zwischen den Seerosen glitzern, der Wind rauscht in den mächtigen alten Bäumen. Es herrscht himmlische Ruhe.
Einige Kinder spielen im Park, angeln vom romantischen Pavillon aus und erkunden den Wald. "Gerade für Kinder ist dieses Haus hier wunderbar", sagt Angelika Sloman, die Urenkelin des Unternehmers, der das Jagdschloss Bellin erbaute. "Es gibt den großen Park, aber auch drinnen können Kinder ungehindert umhertoben und werden nicht von der typischen Hotel-Atmosphäre eingeschüchtert." Denn dieses Haus ist eigentlich gar kein Hotel.
Erbaut wurde es in den Jahren 1912 bis 1914 von Henry-Brarens Sloman, der in Chile erfolgreich Salpeter gefördert hatte. Als betagter Herr kehrte er nach Deutschland zurück und baute erst Bellin, dann das Chilehaus in Hamburgs City. In dem schlossartigen Herrenhaus im Herzen der Mecklenburg-Vorpommerschen Seenlandschaft wohnte die Familie jedoch nicht lange. Der Krieg kam, und danach ging das Jagdschloss, wie vieles andere, für die Familie verloren.
In der DDR diente es zunächst als Militärakademie und später als Kinderheim. Nach der Wende übernahm der Vater von Angelika Sloman den benachbarten Milchviehbetrieb mit 800 Kühen von der Treuhand und wurde damit quasi zum Verwalter von Schloss Bellin. 1997 konnte die Familie dann das Gebäude von der Treuhand kaufen. In dreieinhalb Monaten brachten hundert Handwerker die einstige Pracht wieder zum Vorschein; es entstanden neun komfortable, stilvolle Apartments. "Im Januar 2000 konnten wir eröffnen", sagt Angelika Sloman. Insgesamt bietet das Jagdschloss Bellin heute 43 Betten, die sich auf die Apartments (mit jeweils vier bis sechs Schlafstätten) und drei Doppelzimmer verteilen.
Die Gäste verpflegen sich in den mit Komplettküchen ausgestatteten Apartments meist selbst; wer möchte, bekommt auch Frühstück und ein Abendessen. "Ich biete drei oder vier Gerichte an", sagt die Hausherrin. "Allerdings nur auf Vorbestellung. Dann kaufe ich das Nötige frisch ein und koche auch schon mal selber."
Wenige Kilometer entfernt liegt ein Haus am See, dessen Restaurantküche mit einem Michelinstern ausgezeichnet wurde, und weitere Restaurants findet man in Güstrow oder in Krakow am See. Und was macht man hier sonst so als Familie, außer essen und genießen? Die Möglichkeiten sind vielfältig und variieren von einfach entspannen, lesen, radeln (Fahrräder stellt das Haus), baden im nahen See bis hin zu segeln und reiten. Auch die Sauna kann man nutzen. Oder man gibt sich einfach mal dem Leben als Schlossherr auf Zeit hin und genießt die zehn Hektar große Parkanlage - Müßiggang inklusive. Kein Wunder, dass so viele, die hier einmal Gäste waren, immer wiederkommen.




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