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Reise

Kleine Fluchten: "Josthof Salzhausen"

Tausend Jahre Gaumenfreuden

Schon mittelalterliche Mönche schätzten die Forellen aus dem inmitten der Lüneburger Heide gelegenen Josthof

Hat eine lange Tradition: Der Josthof in Salzhausen mit seiner typisch niedersächsischen Fachwerk-Architektur.
Foto: Martin Dziersk

Was wohl zuerst da war - die Kirche oder die Küche -, das mag sich, etwas scherzhaft vielleicht, mancher Gast fragen, wenn er den Josthof im Heidedorf Salzhausen besucht. Um es gleich vorwegzunehmen: Der rustikale Heidehof diente schon vor über 1000 Jahren kulinarischen Genüssen, als auf dem hohen Kirchenhügel gleich nebenan nur eine winzige Taufkapelle stand, kreisrund und aus unbehauenen Feldsteinen erbaut. Ihre Mauern bilden heute das Fundament für den Glockenturm, der die romanische St. Johannis-Kirche von Salzhausen krönt - sicher eine der schönsten Dorfkirchen ganz Norddeutschlands.

Zugegeben: Im Jahre 962, als die alten Chroniken den Heidehof in Salzhausen zum ersten Mal erwähnten, wurden dort noch keine Gäste bewirtet. Die bäuerlichen Pächter hatten andere Aufgaben: Sie züchteten und räucherten Forellen, die sich die frommen Kirchenmänner des Mittelalters gut schmecken ließen - die Mönche und Bischöfe der alten Domstadt Verden an der Aller. Seitdem hat der Heidehof viele Veränderungen erfahren - vom einfachen Gutshaus mit Schankrecht über eine "königlich-hannoversche Gastwirtschaft" bis hin zum modernen Romantikhotel von heute. Und doch sieht es so aus, als bildeten Kirche und Hof noch immer eine Einheit, als würden die alten Bäume des Kirchplatzes auch den Josthof beschirmen - die roten Fachwerkmauern des einstigen Gehöftes mit den großen Scheunentoren und den weißen Sprossenfenstern, die sich unter den mächtigen Reetdächern verstecken.

Mehr als 300 Jahre alt sind die Gebäude vom Josthof, die bis heute erhalten blieben, aber zweifellos ist es gerade dieses nostalgische Ambiente, das seinen Charme ausmacht. Ein Gefühl von Behaglichkeit überkommt den Gast, sobald er die große Dielentür hinter sich geschlossen hat: holzgetäfelte Wände, Eichentruhen, schwere antike Bauernschränke. Das Restaurant ist unterteilt in mehrere kleine Räume, von denen jeder den Eindruck vermittelt, man säße in der "guten Stube". Alle Räume, einschließlich der 16 Gästezimmer, zeigen Liebe zum Detail: antike Standuhren, kostbare Sammlungen alter Weinkrüge und Zinnteller, Waffeleisen und Fayencen in den Regalen und Wandschränken, von den Vorbesitzern in Jahrzehnten liebevoll zusammengetragen. Größter Blickfang aber ist der große holländische Kamin aus Delfter Kacheln, der im Restaurant angenehme Wärme verbreitet.

Das rustikale Ambiente der passende Rahmen, um heimische Küchenspezialitäten zu genießen; deftig und bodenständig. So zaubert denn auch Küchenchef Jürgen Möllmann köstliche regionale Gerichte wie Wildschwein- und Heidschnuckenbraten, wobei er sich mit Spargel oder Pilzen gern auch an den aktuellen Produkten der Jahreszeit orientiert. Komfort und Kulinarisches vom Feinsten, lautet die Devise des Hauses, das sein Besitzer, Jörg Hansen, in erster Linie als Feinschmeckerrestaurant, dann erst als Hotel sehen möchte. „Natürlich haben wir regionale Gerichte auf der Speisekarte, vom Rehrücken bis zum Gänsebraten“, sagt er, „aber alle typischen Spezialitäten aus Wald und Flur kommen bei uns sehr verfeinert auf den Tisch.“

 

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