Die "All-inclusive"-Welle schwappt höher
Neue Kataloge weisen es aus: Angebote dieser Art teilweise mehr als verdoppelt.
Berlin / Köln. Es ist noch nicht so lange her, da verbanden viele Touristen mit "All-inclusive" vor allem Ferien in der Karibik. Mit einem Plastikband am Unterarm und einer Piña Colada in der Hand verbrachten besonders junge Paare gern "Urlaub ohne Nebenkosten" in der Dominikanischen Republik oder auf Kuba. Inzwischen rückt "All-inclusive" immer näher an die Heimat heran. Ob Kreta oder Mallorca: Mehrere Reiseveranstalter bauen ihr "All-inclusive"-Sommerprogramm 2003 rund um das Mittelmeer aus.
Zunehmend bilden dabei Familien die Zielgruppe. Viele Eltern schätzen, was den Reiz von "All-inclusive"-Anlagen ausmacht: Schon vorher ist klar, wie viel der Spaß insgesamt kostet. Klaus Läpple, Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (DRV), hat es erfahren: "Planungssicherheit ist gerade Paaren mit Kindern sehr wichtig."
"Besonders Familien mögen All-inclusive", bestätigt Anette Forre, Sprecherin der Rewe-Touristik in Köln mit den Marken ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg, die seit etwa sechs Jahren "All-inclusive" im Kurz- und Mittelstreckenbereich verkaufen. "Sind Kinder mit von der Partie, ist man sowieso stärker an die Hotelanlage gebunden", sagt Forre. "Wer in Spanien oder Griechenland jeden Abend in einem anderen Restaurant essen und danach noch eine Kneipe testen möchte, bucht ,All-inclusive' sowieso nicht."
Ausgeweitet wird "All-inclusive" am Mittelmeer jetzt vor allem bei Neckermann und Alltours: Allein auf Mallorca hat Alltours demnächst 34 solcher Hotels im Katalog - mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch in der Türkei, Griechenland, Tunesien und Ägypten kommen neue Anlagen dazu. Neckermann verkauft in der nächsten Saison "All-inclusive"-Aufenthalte in mehr als 600 Hotels weltweit. Allein in Griechenland wächst das Angebot um 23 Prozent, im Spezialkatalog für Familien um 13 Prozent. Das kündigte Detlef Altmann, Bereichsvorstand Deutschland bei der Konzernmutter Thomas Cook an. Auch für Branchenprimus TUI spielt "All-inclusive" nun eine größere Rolle: "Das ist ein eher neuer Markt und für uns vor allem im Mittelmeerraum wichtig", sagt Sören Hartmann, bei der TUI fürs Östliche Mittelmeer zuständig. In der Türkei sei "All-inclusive" bereits in mehr als der Hälfte der TUI-Anlagen möglich. Insgesamt habe sich dieser Sektor "seit 1997 verzehnfacht". Die TUI legt sogar einen eigenen "All-inclusive"-Katalog auf.
In Tunesien wächst bei TUI die Sparte "alles eingeschlossen" im Jahr 2003 um sechs neue Hotels, und auf Fuerteventura kann demnächst im ersten Robinson Club "All-inclusive" gebucht werden. "Grundsätzlich ist das sogar in jedem Hotel machbar", sagt Martin Schlüter, bei TUI unter anderem für die Iberotels zuständig, "selbst in Vier- oder Fünf-Sterne-Häusern."
"All-inclusive" wird in den nahe gelegenen Sonnenzielen noch populärer werden, schätzt DRV-Präsident Klaus Läpple. Wo entsprechende neue Anlagen entstehen, hänge dabei vor allem von der örtlichen Infrastruktur ab: "All-inclusive hat da keine Chance, wo ein gewachsenes Leben mit Kneipen und Restaurants etabliert ist, etwa an der Playa de Palma in Mallorca." Existiert dagegen im Umfeld der Hotel-Monokulturen nichts, habe es das "All-inclusive"-Prinzip einfach. Läpple nennt als Beispiel Belek in der Türkei, Anette Forre Ziele in Nordafrika: "Da gibt es nicht so viel um die Hotelzonen drumherum, und so nimmt man einzelnen Gastwirten auch nichts weg." Wenn aber "All-inclusive" tendenziell zur Verödung der Landschaft führt, weil viele Urlauber ihre Hotels kaum noch verlassen und keine Eindrücke im Land sammeln, hält auch DRV-Präsident Läpple das für "keine wünschenswerte Entwicklung".
Wer für den Sommerurlaub Ferien dieser Art buchen möchte, kommt um genaues Katalogstudium nicht herum. Denn nicht überall bedeutet "All-inclusive" das Gleiche. In der Türkei ist etwa in manchen Hotels kein Mittagessen vorgesehen. Auch sind meist nur nationale alkoholische Getränke wie Bier und Wein im Reisepreis enthalten.



Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages





