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Reise

Kanaren: Delfine und Wale treffen vor der Küste Gomeras

Sanftes Studium der Meeressäuger

Auf den Schutz der neugierigen Tiere wird Wert gelegt. Deshalb finden die wenigen Ausfahrten auch nur in kleinen Gruppen statt.

Mikes Gesicht ist kreidebleich. Schon dreimal hat er sich in den vergangenen eineinhalb Stunden übergeben müssen. Auch Mikes älterer Bruder Simon hing schon einige Male würgend über der Reling des Ausflugsbootes. Dabei schlagen die Wellen im Meer vor der Westküste Gomeras gar nicht so hoch. Doch die "Ascension", ein offener alter Fischkutter, registriert jede Bewegung.

Die beiden Schweizer Jungs sind dennoch tapfer und haben trotz der Übelkeit, die sie immer wieder überkommt, gute Laune. Ihre Mägen rebellieren zwar, ansonsten haben sie aber Grund zur Begeisterung. Denn in der Bugwelle des Kahns surfen zwei Dutzend Fleckendelfine. Größere Boote mögen vielleicht magenschonender sein als die kleine "Ascension", dafür jedoch kommt man auf ihr den Tieren ganz nahe. So nahe, dass wir Blicke mit den Säugetieren tauschen und fast so etwas wie ein Zwiegespräch mit ihnen halten können. Nur einige Holzplanken trennen die Menschen vom Meer und dessen Bewohnern. Und wenn ein Delfin an der Flanke des Bootes schwimmt und seinen Körper zur Seite legt, um Blickkontakt mit den Insassen aufzunehmen, ist bald nicht mehr klar, wer hier eigentlich wen beobachtet.

Werden ihm seine menschlichen Gegenüber langweilig, verschwindet der Delfin wieder. Zwei, drei Schläge mit der Schwanzflosse - und der Säuger ist in den Tiefen des Meeres verschwunden.

Die Gewässer vor Gomera sind weltweit am besten geeignet, um Delfine und Wale zu beobachten. 28 verschiedene Arten leben hier. Einige davon sind sehr selten oder halten sich nur kurze Zeit vor der Insel auf. Andere jedoch, wie beispielsweise dem Großen Tümmler, dem Fleckendelfine oder dem Pilotwal, begegnet man fast täglich vor der Küste dieser kanarischen Insel. Deshalb können die Veranstalter von Delfin-Safaris den Touristen eine über 90-prozentige Chance versprechen, dass sie die Tiere auch wirklich sehen.

Eine Garantie, dass man einen Wal vor die Linse bekommt, gibt aber trotzdem kein Anbieter - allein aus ökologischen Gründen. Gomera hat sich nämlich der "schonenden" Tierbeobachtung verschrieben. Hierzu hat die kanarische Regierung einige Vorschriften erlassen, an die sich die Anbieter strengstens halten müssen. So dürfen sich die Boote den Tieren nicht weiter als 60 Meter nähren. Kommen die Meerestiere freiwillig ans Schiff, ist das natürlich kein Problem. Doch auch dann gilt: Ihre Bewegungsfreiheit muss garantiert sein und die Zugrichtung eines Schwarms darf nicht gekreuzt werden. Ein absolutes Tabu ist es, die Tiere mit dem Boot zu verfolgen.

All das soll sicherstellen, dass die Meeressäuger durch die Nähe der Menschen nicht gestresst werden. Und darum dürfe es eben auch keinerlei Sichtungsgarantie geben, erklärt Fatima Kutzschbach. "Die Anbieter müssten den Kunden dann ihr Geld zurückzahlen, wenn sie keine Delfine zu Gesicht bekommen", sagt die Naturpädagogin, die viele Ausfahrten als Guide begleitet. Die Folge wäre für sie klar: "Aus Angst, Geld zu verlieren, würde mancher Anbieter den Tieren aggressiver nachstellen."

Das Verbot von Verfolgungsjagden erübrigt sich im Falle der Fleckendelfine aber ohnehin. Die sind so neugierig und verspielt, dass sie freiwillig zum Boot schwimmen. Dann sind sie für uns zum Greifen nah. Man bräuchte sich nur ein klein wenig über Bord zu lehnen, und schon könnte man die schönen Tiere streicheln. Doch das ist strengstens verboten - auch eine der Regeln zum Schutz der Delfine.

Es darf auch nicht mehr mit den Delfinen geschwommen werden. Vor einigen Jahren war dies noch völlig normal. Doch heute wird es als möglicher Stressfaktor eingestuft und deshalb untersagt, erklärt Fatima Kutzschbach. Zudem wäre für die Touristen ein gemeinsames Schwimmen nicht ungefährlich. Denn obwohl Delfine ständig zu lächeln scheinen und als friedlich gelten, sind sie doch Wildtiere.

Und so ist es für beide Seiten besser, wenn der Mensch, wie nun der kleine Mike, nur vom Bootsrand aus den Erzählungen der Delfine zuhört. Gebannt lauscht der Junge den Pfeif- und Knacklauten der Tiere, die um das Boot schwimmen. Ganz leise dringen die Stimmen vom Wasser an unser Ohr - wie aus einer anderen Welt. Und als hätten sie Geheimnisse, die uns nichts angehen, verstummen die Tiere sofort, als unser Skipper ein Unterwassermikrofon zum Meer hinablässt, mit dem wir ihre Gespräche belauschen wollen.

 

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